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24/12/2017 11:35 CET | Aktualisiert 24/12/2017 11:35 CET

Ich bin 25 und habe eine Woche lang versucht, einen Millionär aufzureißen – das habe ich über Männer gelernt

Eine Szene geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

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Einige Männer denken, sie könnten sich mit Geld alles kaufen 

Was bisher geschah:

Da mir bewusst geworden ist, dass ich als Journalistin arm sterben werde, habe ich beschlossen, eine Woche lang einen Millionär in München zu suchen. Mein Ziel: reich heiraten. Die bekannte Millionärsgattin Irina Beller hat mir am ersten Tag meiner Suche Tipps gegeben, wie ich meinen Millionär finden kann. Schon am ersten Abend habe ich gemerkt, durch welchen plumpen Trick Millionäre anzulocken sind. 

Am zweiten Abend habe ich einen mysteriösen Millionär und potenziellen Porno-Produzenten in einem Szene-Lokal kennengelernt. Den Tag darauf verbrachte ich im Starnberger Yachtclub und landete am Ende im Zug mit einen Mann, der aussah wie Richard Gere. Der vierte Abend im Golfclub war ein Total-Reinfall. Erst am fünften Abend fand ich tatsächlich einen sympathischen Millionär - in der Garderobe eines Clubs. Zumindest dachte ich, er wäre sympathisch...

Eigentlich habe ich gedacht, ich hätte ihn so weit überredet, dass er sich für meine Geschichte interviewen lässt - aber ich habe mich getäuscht. 

“Ich finde das ja eine schöne Geschichte“, sagt er. “Aber ich kenne Journalisten. Ich will nicht als der versnobte Millionärssohn dastehen.“

“Aber du bist doch der sympathische Millionär“, versuche ich ihm zu erklären.

“Wer’s glaubt“, sagt er. “Millionäre sind nie sympathisch.“

“Warum nicht?“

“Guck dir doch an, was du erlebt hast. Mit diesen Menschen will ich nicht gleichgesetzt werden.“

“Deshalb musst du ja das gute Ende werden.“

“Vergiss es.“

“Ach bitte“, bettele ich ihn an. “Du wärst so ein sympathischer Millionär.“

Er schaut genervt.

“Pass auf, ich würd dir gerne helfen mit deiner Geschichte. Aber ich hab echt keinen Bock, dass die ganze Welt weiß, dass ich ein Millionärssohn bin.“

“Was ist denn so schlimm daran?“

“Alle würden mich hassen. Glaubst du, irgendwer von meinen Kollegen hier im Club hat sonderlich viel Geld? Meinst du, ich will, dass jeder Besucher weiß, dass ich es eigentlich gar nicht nötig habe, an der Garderobe zu arbeiten? Ich genieße diesen Luxus, ein nicht vorverurteilter Mensch zu sein und werde mir das durch deine Geschichte nicht kaputt machen lassen.“

Plötzlich beginnt er, mir zu drohen

Als ich nicht aufhöre zu drängen, beginnt er sogar, mir zu drohen.

“Ich sag dir was: Wenn du meinen Namen schreibst und wo ich arbeite, könnte es passieren, dass unheimliche Männer an deiner Tür klingeln.“

“Drohst du mir etwa gerade?“

“Das ist der Vorteil, wenn du so viele Kontakte hast wie ich.“

“Ich fasse es nicht, dass du mir drohst. Das ist echt das Letzte.“

Er schweigt kurz und entschuldigt sich dann.

“Sorry, das war nicht so gemeint. Aber bitte schreib nicht meinen Namen.“

Ich verlasse den Club und bin vollkommen irritiert. Ich dachte, ich hätte einen sympathischen Millionär gefunden – bis er mir plötzlich gedroht hat. Weil er Angst hat, dass sein Name an die Öffentlichkeit dringt.

Dass Millionäre ein Problem mit ihrer gesellschaftlichen Anerkennung haben, zeigt sich an diesem Beispiel - daran, dass sie selbst nicht als solche erkannt werden wollen. Zumindest nicht die, die wirklich Geld haben.

Ich schreibe Anna, die zuvor im Club war, die Geschichte – sie ist davon überzeugt, dass er lügt. “Das klingt echt unglaubwürdig“, sagt sie.

Jetzt will ich unbedingt herausfinden, ob er mich angelogen hat.

Er will unerkannt bleiben - ich kann es verstehen

Ich beschließe: Montag gehe ich zu dem Unternehmen, in dem er angeblich arbeitet.

Und tatsächlich stehe ich Montagmittag am Empfang und frage nach dem angeblichen Millionärssohn. Ich nenne seinen Vornamen und beschreibe sein Aussehen.

“Ach, Sie meinen den Chef“, sagt der Mann. “Was wollen Sie denn von ihm?“

Er hat mich also nicht angelogen.

“Da kommt er gerade“, sagt der Mann. “Sehen Sie mal.“

Es ist tatsächlich der Mann aus der Garderobe. Er sieht mich böse an.

“Was willst du hier?“, fragt er.

“Bist du immer noch nicht bereit für ein Interview?“

“Nein“, sagt er.

“Okay, ich werde deinen Namen nicht nennen, keine Sorge.“

“Danke“, sagt er nur. 

Ich gehe und bin erleichtert, dass er mich nicht angelogen hat. Ich glaube, dass er wirklich ein Millionärssohn ist und Angst davor hat, in der Öffentlichkeit falsch wahrgenommen zu werden.

Und wenn ich ehrlich bin: Ich kann es verstehen. 

Viele junge Frauen werden jetzt enttäuscht sein

Ich habe jetzt eine Woche lang nach Millionären gesucht und viele ekelhafte Menschen kennengelernt.

Ich weiß, dass wohlhabende Männer nicht automatisch kaltblütige Lüstlinge sind – und hätte ich positive Erfahrungen gesammelt, hätte ich davon ebenso berichtet.

Doch außer, dass ich viele Getränke ausgegeben bekommen habe, waren meine Erlebnisse leider ernüchternd.

Nicht nur einmal bin ich in unangenehme Situationen geraten. Offenbar denken viele Männer, wenn sie nur genug Geld haben, können Sie sich bei Frauen alles erlauben - aber daran sind auch wir Frauen schuld.

Während meiner Suche habe ich viele begeisterte Nachrichten von jungen Frauen erhalten.

“Hattest du schon Erfolg? Ich will auch einen Millionär!“ oder “Kannst du mir Tipps geben? Ich finde es so toll, dass du einen reichen Mann suchst, ohne dich dafür zu schämen“, haben sie mir geschrieben.

All diese jungen Frauen werden jetzt sehr enttäuscht sein.

Die Wahrheit ist: Jede kann einen Millionär haben

Denn es war nie ernsthaft mein Ziel, eine Beziehung mit einem Millionär einzugehen, geschweige denn zu heiraten.

Mein Ziel war es unter anderem, jungen Frauen zu verdeutlichen, wie lächerlich diese Suche ist. Aber natürlich war ich auch neugierig. Neugierig auf die Abende in Gesellschaft von Millionären, die sich anscheinend so viele Frauen wünschen. 

Selbst in meinem engsten Freundeskreis habe ich intelligente Frauen schon sagen hören: “Na ja, es wäre schon schön, wenn mein zukünftiger Mann reich wäre.“

Oder sie erzählen mir voller Neid: “Die Anne hat jetzt einen neuen Freund, er wirkt nicht so sympathisch, aber anscheinend ist er richtig reich!“

Für alle Frauen, die einen reichen Mann haben wollen, habe ich jetzt eine gute Nachricht: Es ist lächerlich einfach.

Mehr zum Thema: Ich wollte nach Büroschluss einen Millionär aufreißen - so lange hat es gedauert

Es reicht, wenn ihr euch ein wenig offenherzig anzieht, nett schaut und einem reichen Mann zuprostet. Das klingt klischeehaft – aber es ist die Erfahrung, die ich gemacht habe.

Ein Bild geht mir nicht mehr aus dem Kopf 

Aber passt auf – es könnte euch auf Dauer kaputt machen, Menschen immer nur auf ihren Kontostand zu überprüfen.

Ich habe mich nach einer Woche selbst erschrocken dabei ertappt, wie ich angefangen habe, auch im Alltag fremde Menschen zu mustern und mich zu fragen, ob sie eventuell reich sein könnten. 

Dabei werdet ihr den reichsten Menschen vermutlich ohnehin nicht ansehen, dass sie reich sind - wie das Beispiel des Mannes an der Garderobe zeigt. 

Wenn ihr aber einen Millionär findet, der auch so wirken möchte und euch damit glücklich macht - so wie Walter seine Irina Beller – schön und gut.

Ich misstraue diesem Glück nach einer Woche Millionärssuche allerdings - vor allem, wenn der Altersunterschied so hoch ist wie bei Irina und ihrem Millionär.

Ein Bild, das mir so bald nicht mehr aus dem Kopf gehen wird, ist eine Szene aus dem Luxus-Hotel “Bayerischer Hof“.

Ein etwa Mitte 60-Jähriger strich einer vielleicht Mitte-20-jährigen hübschen blonden Frau über den Rücken und schaute dabei zur Bar. Das Gesicht der jungen Frau war voller Ekel und Abscheu. Als er sich wieder zu ihr umdrehte, setzte sie schnell ein breites Lächeln auf. Nur ihre Augen erreichte es nicht. Aber davon bemerkte der Mann nichts. Er reichte ihr gerade ein Gläschen Champagner.

Die Autorin hat eine Woche lang versucht, einen Millionär zu finden. Ihre Suche könnt ihr auch auf Instagram verfolgen. 

Hier findet ihr alle Teile der Millionärssuche:

➨ Teil 1: Ich bin 25 und suche einen reichen Mann - diese Tipps hat mir eine Millionärsgattin gegeben 

➨ Teil 2: Ich wollte nach Büroschluss einen Millionär aufreißen - so lange hat es gedauert

➨ Teil 3: “Stell dich nicht an”, sagt er und packt mich - was passierte, als ich einen Millionär getroffen habe

➨ Teil 4: “In München sind doch alle verschleiert” - was ich als junge Frau im Bayerischen Yachtclub erlebt habe

➨ Teil 5: Champagner, Pelz und Verachtung - was ich bei einer Benefizveranstaltung im Golfclub erlebte

➨ Teil 6: Ich habe eine Woche einen Millionär gesucht - und fand ihn dort, wo ich ihn nie erwartet hätte