LIFESTYLE
05/03/2018 10:36 CET | Aktualisiert 06/03/2018 10:58 CET

"Wer mit seinem Partner Schluss machen will, kommt zu mir – so regle ich die Sache"

Peter Treichl klingelt meist morgens an der Tür und beendet die Beziehung für seine Klienten.

Wenn ihr verhindern wollt, dass euer Partner den Trennungsagenten kontaktiert, seht euch das Video oben an

Am Anfang war es schon ein seltsames Gefühl, beruflich Menschen zu trennen. Ich klingele an der Haustür und dann steht da jemand und schaut mich mit großen Augen an, weiß gar nicht, warum ich da bin.

Doch mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.

Das Trennen von Beziehungen ist eine recht zügige Sache. Meistens komme ich morgens vorbei, das ist der Erfahrung nach die beste Zeit.

Die Menschen sind dann gerade dabei, zur Arbeit zu gehen und im Stress. Das ist gut, denn dann haben sie nicht so viel Zeit, sich Gedanken zu machen. Und sie haben den Rest des Tages, um die Trennung zu verarbeiten.

Oft sage ich gar nicht viel, sondern übergebe nur mein kleines Trennungs-Packerl. In dem Packerl ist ein Sekt oder Schampus, was Süßes, ein Taschentuch und ein Gutschein für meine Partnervermittlung. Manchmal legen meine Kunden auch einen Zettel mit der Angabe von Gründen für die Trennung hinzu, aber das müssen sie nicht.

“Schatz, der Schlussmacher ist da”, sagte ein Kunde 

80 Prozent der Menschen weinen nicht. Ganz im Gegenteil: Sie sind sogar froh. Oft höre ich Sätze wie “Ach, jetzt bin ich aber erleichtert, ich hab eigentlich schon gewusst, dass es zu Ende ist.”

In Österreich bin ich sogar so bekannt, dass manchmal Sätze fallen wie “Oh. Es gibt Sie ja wirklich!”

Peter Treichl
Bricht beruflich Herzen: Schlussmacher Peter Treichl 

Besonders amüsiert hat es mich, als ich mal bei einem Mitte-70-jährigen Paar geklingelt habe und er nur gerufen hat: “Schatz! Der Schlussmacher ist da!”

Einmal hatte ich fünf Trennungen am Tag, im Durchschnitt sind es aber weniger. Die meisten Anfragen kommen von Frauen. Manchmal überreiche ich statt der Trennungskiste auch nur die gelbe Kiste.

Die enthält eine gelbe Karte, eine Verwarnung. Die soll dem Partner sagen: Es läuft gerade nicht gut bei uns, wir müssen was klären. Meine Kunden nutzen diesen Service fast immer ernsthaft.

Manche verschenken zur Trennung Reisen oder Autos

Viele haben einfach ein Kommunikationsproblem und trauen sich nicht, mit ihrem Partner zu sprechen. Fehlende Kommunikation ist ein häufiger Trennungsgrund. Der häufigste Grund aber ist, dass sich der Partner nicht traut zu sagen, dass er sich in jemand anderen verliebt hat. Deshalb schicken sie mich.

Trennungen sind bei mir ab 367 Euro möglich. Ich biete aber auch Luxus-Trennungen an, die unbegrenzt teuer werden können. Je nachdem, was der Partner seinem Ex-Partner zum Trost schenken will. Viele verschenken eine Trennungsreise, ein Mann hat seiner Ex-Partnerin auch mal einen Mini geschenkt.

Einige kommen nach einer meiner Trennungen aber auch wieder zusammen. Deshalb frage ich bei dem ersten Klärungsgespräch immer noch einmal nach, ob der Mensch auch wirklich sicher ist, dass er sich trennen möchte.

Wenn ich von unterwegs noch kurzfristig Nachrichten bekomme wie “Ach, bitte kommen Sie doch nicht” ärgert mich das natürlich, weil ich dann ganz umsonst losgefahren bin.

Die lukrativste Zeit für mich ist nach Weihnachten 

Die lukrativste Zeit für meine Trennungsagentur ist in den Ferien. Denn nach den Ferien, vor allem zur Weihnachtszeit, trennen sich die meisten Paare.

Mit Trennungen und Beziehungen kenne ich mich ziemlich gut aus. Neben meiner Trennungsagentur habe ich schon verschiedene Partnervermittlungen geführt: eine für kräftigere Menschen mit dem Namen ’Rund, na und”, eine für christliche Menschen, eine für Homosexuelle, für Transsexuelle, für den Adel, für Akademiker und für “60, 70, 80 plus” – die war sehr erfolgreich.

Mit meiner neuesten Partnervermittlung befriedige ich einen Tabu-Markt, den sich wahrscheinlich niemand anders anzusprechen traut. Sie richtet sich an die reife, gut betuchte Frau von Welt, die einen jungen Mann sucht.

Ich habe Emmanuel Macron erst kürzlich in einem Brief geschrieben, dass diese Partnervermittlung an seiner Beziehung orientiert ist. Ich bin gespannt, ob er antwortet.

Was eine Trennung betrifft, kann ich aus meiner über 20-jährigen Erfahrung nur so viel raten: Man sollte es gleich auf den Punkt bringen und nicht lange drum rum reden von wegen ‘Du bist zu gut für mich’ und dieses Zeug. Das bringt nichts. Irgendwann kommt ohnehin jede Lüge in einer Beziehung ans Licht.

Das Gespräch wurde von Amelie Graen aufgezeichnet. 

(ben)