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18/01/2019 11:02 CET | Aktualisiert 19/01/2019 10:08 CET

Hund in Ikea-Tüte vor Tierheim ausgesetzt: Besitzerin zeigt keine Reue

Die Hündin konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.

Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V.
So abgemagert war Hündin Kira, als sie ausgesetzt wurde.
  • Mitte Dezember hat ein Tierbesitzer eine abgemagerte Hündin in einer Ikea-Tüte vor einem Hamburger Tierheim ausgesetzt.
  • Inzwischen haben die Mitarbeiter des Heims die Besitzerin ausfindig gemacht und sie zur Rede gestellt – doch Reue zeigte sie offenbar keine.

Für die Mitarbeiter eines Tierheims dürfte es ein schlimmer Anblick gewesen sein: Mitte Dezember fanden sie eine abgemagerte Hündin vor ihrer Tür – in einer Ikea-Tüte, eingewickelt in Decken und Handtüchern. In einem beigelegten Zettel stand: “Sie heißt Kira. Bitte kümmert euch um sie.”

Ein unbekannter Tierbesitzer hatte die Hündin offensichtlich vor dem Tierheim ausgesetzt und deren potentiellen Tod billigend in Kauf genommen.

Kira war beim Fund stark abgemagert: Ihre Rippen blitzten hervor, sie wog nur noch 18,3 Kilo. Dabei wären 25 Kilo bei ihrer Rasse normal.

Darüber berichtet unter anderem die “Hamburger Morgenpost”.

Tierheim sucht unbekannten Hundehalter – mit Erfolg

Da es keinerlei Hinweise zu dem Halter gab, suchten Mitarbeiter des Hamburger Tierschutzvereins nach dem Besitzer, der Kira so leiden ließ.

Diese veröffentlichten Bilder der halbverhungerten Hündin und bekamen mehrere Hinweise – mit Erfolg.

“Sie führten uns schließlich zu einer jungen Frau nach Harburg, die gestand, Kira vor unserem Tierheim ausgesetzt zu haben”, so Sven Fraass, Sprecher des Tierschutzvereins.

Die Frau erklärte den Mitarbeitern lediglich, der Hund sei der ihres Ex-Freundes gewesen. Kira habe dann noch ein Jahr lang bei ihr gelebt, doch sie sei mit der Hündin überfordert gewesen. Ab Anfang November habe das Tier nicht mehr gegessen und sich ständig übergeben.

Hamburger Tierschutzverein
Hündin Kira ist auf dem Weg der Besserung.

Frau geht mit der Hündin nicht zum Tierarzt – und setzt sie lieber aus

Viel Reue zeigte die Frau dafür offenbar nicht. Sie erzählte nämlich auch, dass sich Kira kaum noch auf den Beinen halten konnte, als sie das Tier im Dezember zusammen mit ihren Eltern und dem neuen Freund ausgesetzt hatte.

Auf die Idee, einen Tierarzt aufzusuchen, sei die Frau nicht gekommen.

Die sechsjährige Boxmischlings-Hündin hatte dennoch Glück im Unglück: Sie wurde sofort nach der Entdeckung in einer Tierklinik behandelt.

Dort wurde bei dem Tier eine unbehandelte Lebensmittelunverträglichkeit diagnostiziert, die zu einer chronischen Darmerkrankung geführt hatte.

Ihr Gewicht hat sich inzwischen auch verbessert: Sie hat auf die anfänglichen 18,3 Kilo knapp vier Kilo draufgelegt.

“Wir sind froh, dass die Hinweise aus der Bevölkerung so schnell zum Ermittlungserfolg geführt haben“, sagt Sandra Gulla, Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins.

Und weiter: “Wir appellieren an Halter, die mit der Tierhaltung überfordert sind, sich ihrer Verantwortung zu stellen und sich Hilfe zu suchen oder sich an uns zu wenden. Wir finden immer eine Lösung.

 

Mit dem Aussetzen der Hündin hat sich die Frau übrigens strafbar gemacht: Es stellt eine Straftat nach §17 des Tierschutzgesetzes Absatz 2 dar, bei dem die Frau billigend den Tod des Tieres in Kauf genommen. Hier droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

(jr)