POLITIK
07/07/2018 13:49 CEST | Aktualisiert 07/07/2018 17:55 CEST

SPD-Ostbeauftragter Dulig: "Soziale Medien sind zu einer Müllkippe geworden"

HuffPost-Podcast – Folge 4: Martin Dulig.

dpa
Martin Dulig spricht in Bautzen im Rahmen seiner "Küchentischtour" mit den Besuchern der SPD Veranstaltung.

Die SPD ist bundesweit in der Krise. Doch in Thüringen und Sachsen ist die Partei in ein besonders tiefes Umfrageloch gerutscht. Dort landen die Sozialdemokraten derzeit dort nur bei um die zehn Prozent.

Sachsens stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Dulig ist zugleich Ostbeauftragter der SPD – mit Blick auf die Umfragewerte eine nicht ganz leichte Aufgabe.

Ein Patentrezept hat Dulig nicht, nur einige Idee und Wege, wie es besser werden könnte. Viele Entscheidungen seien “nicht immer im Interesse des Ostens gewesen”, sagt der sächsische SPD-Chef in der neuen Folge des HuffPost-Podcasts “Borschtsch und Bananenweizen”“Der Staatsabbau ist uns komplett auf die Füße gefallen.” 

Nach wie vor sei es zudem ein großes Missverständnis zwischen Ost und West, dass immer nur Strukturen verglichen werden. “Es gibt Mentalitätsunterschiede, aufgrund der Erfahrungen, die die Leute gemacht haben.” Nicht alle AfD-Wähler seien gleich Demokratiefeinde.

Der HuffPost-Podcast:

  • In unserem Podcast “Borschtsch und Bananenweizen” spricht HuffPost-Redakteur Marco Fieber mit Vertretern aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur über Ostdeutschland, die dortigen Probleme und Herausforderungen, aber auch Besonderheiten und Erfolge.
  • In den jeweils samstags erscheinenden Folgen reden wir über die Unterschiede, die es noch immer zwischen Ost und West gibt, und was die Menschen in den neuen Bundesländern bewegt. 
  • Wir wollen aber mit unseren Interviewpartnern auch darüber sprechen, was den Osten so einzigartig und besonders macht.

“Dem Land geht es gut, aber die Stimmung ist schlecht”

Es sei wichtig, Entscheidungen nicht von oben herab zu verkünden, sondern auf Augenhöhe mit den Menschen zu reden. Der 44-Jährige betont aber: “Es geht nicht darum, den Leute nach dem Mund zu reden”. Vielmehr gehe es um die eigene Haltung – “die vertragen es schon mal, wenn man ihn sagt, dass sie Quatsch reden”.

Ein Problem sein, dass “wir gerade gegen Gefühle und Emotionen kämpfen”, die Politik aber auf rationelle Argumente setze. “Dem Land geht es gut, aber die Stimmung ist schlecht”, fasst Dulig die Misere zusammen, die auch ihn etwas ratlos lässt. 

Das werde insbesondere am immer rauer werdenden Umgangston im Internet deutlich. “Die sozialen Medien sind mittlerweile zu eine Müllkippe geworden”, klagt Dulig. Der “ganze Hass und die ganze Verachtung” gehe auch an ihm nicht spurlos vorbei, “wir sind ja keine Maschinen”. Dulig gibt zu: “Natürlich verletzt es.”

Dennoch sagt Dulig: Die AfD werde im Osten nicht die stärkste Kraft werden. 

Starkreden wollte Dulig die Rechtspopulisten nicht – Sachsen habe ganz andere Probleme, als die AfD. Die Debatte um Grenzzäune, ob von der rechten Partei oder Bundesinnenminister Horst Seehofer gefordert, werde die Probleme des Landes zumindest nicht lösen.

Das gesamte Interview hört ihr unten im Podcast, auf Spotify oder bei iTunes.

(lp)