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19/10/2018 10:52 CEST | Aktualisiert 19/10/2018 10:52 CEST

#HRTrend: Coding kann jeder lernen

Coding ist en vogue. Und das nicht nur, weil gerade die codeweek.eu in allen europäischen Ländern läuft. Wir haben uns im Rahmen der Kienbaum Summer School selbst mit Computational Thinking beschäftigt und viel dabei gelernt. Daher möchte ich das teils etwas “fremd”  wirkende Thema in diesem Beitrag aufgreifen. Coding und Programmieren – das klingt für viele erstmal abschreckend: Kompliziert, langwierig zu lernen, was für Nerds… Die Vorteile, die man hat, wenn man die Grundzüge des Coding versteht, sind mitunter erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Die gute Nachricht ist: Mittlerweile gibt es smarte technische Hilfsmittel und Tools, die es auch für Laien möglich machen, Websites und Nutzeroberflächen zu programmieren. Und damit man besser versteht, warum das nützlich ist, stelle ich Euch in diesem Beitrag zum Themenschwerpunkt HR Trends ein Tool vor und beantworte wichtige Fragen zum Thema Coding.

© georgejmclittle – fotolia.com
Coding zu lernen ist einfacher als die meisten denken.

Wieso ist es von Vorteil coding zu können?

In einer digitalen Welt, in der wir zunehmend virtuell über PCs und mobile Endgeräte kommunizieren und zusammenarbeiten, ist es von Vorteil, die Sprache zu sprechen, die die Kommunikation erst ermöglicht. Wir nutzen technologische Anwendungen, die uns den Alltag sowohl privat als auch beruflich erleichtern: Egal ob wir uns über WhatsApp verabreden oder über Social Collaboration im Unternehmen mitentscheiden – unsere Welt ist durchdrungen von digitalen Hilfsmitteln, Plattformen, Anwendungen. Wer sie besser versteht, kann sie auch besser nutzen und für seine eigenen Interessen einsetzen. Welche Auswirkungen Algorithmen auf unsere persönlichen Möglichkeiten und gesellschaftliche Entwicklungen haben, habe ich in meinem Artikel Digitale Ethik – Plädoyer für ein Korrektiv ausführlich geschildert. Coding ist deshalb mehr als nur eine technische Fähigkeit, die zum Schreiben von Programmen dient. Wer coden kann, ist besser in der Lage Zusammenhänge und Auswirkungen von Technologien zu verstehen und zu beeinflussen.

Auf den Punkt bringt das Quincy Larson, Lehrer bei der Organisation FreeCodeCamp.com: „Program or be programmed.“ Es gibt bereits  einige wichtige Initiativen, die Schülern das Programmieren beibringen:

  • Code Your Life: Initiative im Rahmen des weltweiten Bildungsprogramms Microsoft YouthSpark und wird vom 21st Century Competence Center (21CCC) im Förderverein für Jugend und Sozialarbeit e.V. umgesetzt
  • Startup Teens: vermittelt Teenagern das Knowhow zur Gründung eines Startups, die Fähigkeit zur Vernetzung und zum kreativen Denken
  • NextEntrepreneurs: unterstützt Jugendliche mit Wissen zur Unternehmensgründung, damit sie den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung begegnen können

Dabei ist es schon ausreichend, ein Grundverständnis und gewisses Basiswissen über die Funktionsweise von Programmiersprachen zu haben.

Exkurs: Computational Thinking

Nicht nur Coding, auch Computational Thinking unterstützt die Entwicklung von Problemlösungskompetenzen. Computational Thinking ist ein Denkprozess, bei dem ein Problem so formuliert und analysiert wird, dass entweder ein Computer oder ein Mensch es effektiv lösen kann. Die Aufgabenstellung wird in einem iterativen und strukturierten Vorgehen betrachtet und gelöst. Computational Thinking geht in fünf Schritten vor:

  1. Dekomposition: Das Problem wird in seine Einzelteile zerlegt, Einflussfaktoren und Variablen betrachtet.
  2. Mustererkennung: Die Beziehungen zwischen den Variablen werden auf Regelmäßigkeiten hin untersucht.
  3. Generalisierung und Abstrahierung: Aus den gefundenen Mustern und ermittelten Datensätzen lassen sich Gesetzmäßigkeiten ableiten.
  4. Entwicklung von Algorithmen, die das Problem allgemeingültig erfassen.
  5. Eine allgemeingültige Lösung kann verschiedene Varianten des ursprünglichen Problems lösen.

Neben der effizienten Problemlösung lassen sich durch Computational Thinking auch Ideen generieren, da das iterative Vorgehen stark abstrahiert und dadurch Denkprozesse quasi befreit. In anderen Ländern ist Computational Thinking bereits Teil des schulischen Lehrplans was auch in Deutschland zunehmend wichtiger wird. Das Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Paderborn beispielsweise forscht in diesem Bereich. Computational Thinking ist eine spannende Problemlösungs- und Kreativitätsmethode, mit der ich mich sicher in der Zukunft noch eingehender beschäftigen werde.

Worin sehen viele das Problem beim Coding lernen?

Abgesehen von wenigen Ausnahmen lernt man Programmieren noch immer entweder im Informatikstudium oder in Selbstlernkursen. Informatik-Studiengänge sind dabei in den allermeisten Fällen sehr theorielastig und gehen an der Praxis vieler Berufe vorbei. Die 2017 u.a. von Thomas Bachem gegründete Berliner Code University will genau das ändern: Sie bietet praxisorientierte Studiengänge (für Software Engineering oder Interaction Design) zum Lernen und Anwenden von Programmiersprachen an. Thomas, Gründer und Kanzler der Code University hat keine adäquaten Angebote in der Deutschen Bildungslandschaft gefunden die ausreichen um den Anforderungen an neue Kompetenzen gerecht zu werden und hat kurzerhand mit der Gründung einer neuen Universität diese Bildungsentwicklung in die Hand genommen.

An der CODE University lernen Studenten Programmieren.
© CODE University

“Ich hatte mir das Programmieren bereits während meines Studiums beigebracht. Dieses technische Grundverständnis hat mir in all meinen Jobs geholfen, aber ganz besonders, als ich 2009 CEO von Klöckner&Co wurde. Mir war immer wichtig mit Digital Natives und Tech Experten auf Augenhöhe zu diskutieren” (Gisbert Rühl, Wirtschaftswoche 41/2018)

Welche Tools unterstützen beim Coding?

Das Startup Uizard Technologies hat ein neuronales Netzwerk so trainiert, dass es aus einer simplen händischen Zeichnung den Code für eine funktionsfähige Website erstellen kann. Jeder, der einen Stift halten kann, kann damit Webdesign machen. Denn das Programm pix2code erstellt per Computervision aus grafischen Elementen wie Symbolen und Layout den Code.

Und was soll das bringen? Mit pix2code lässt sich professionelles Webdesign nicht ersetzen. Es ermöglicht aber auch Laien, Software besser an ihre Bedürfnisse anzupassen – beispielsweise, wenn Unternehmen Back- und Front-End-Anwendungen getrennt einkaufen.

Wieso sollten ausgerechnet HRler coden lernen?

Diese Frage hat sich Patrick Hypscher, der Macher des Hello Code Camp für HR schon lange gestellt. Seine Antwort: ein Barcamp-Format. Als “Unkonferenz” ist das Hello Code Camp bewusst offen und partizipativ gestaltet. Die Teilnehmer bestimmen in Echtzeit selbst den Stundenplan und lernen so das, was sie wirklich interessiert. Das Beste daran ist: es macht auch noch Spaß und sorgt für Austausch. Denn wer Spaß hat, lernt am Besten und verliert so auch die Scheu vor kompliziert klingender Technologie.

In HR arbeitet man schon heute viel mit digitalen Anwendungen. In Zukunft wird sich das noch steigern, egal ob es um Recruiting, Feedback, Learning, Diagnostik oder um Performance Management geht. Nicht immer haben aber die eingekauften Tools und Programme alle Features, die wir uns als Anwender wünschen. Oft wird schnell Kritik geübt und die Programmierer und Webdesigner müssen Anpassungen vornehmen. Mit z.B. pix2code können technologieaffine HRler selbst das Oberflächendesign nach ihren Wünschen gestalten. Auch kurzfristige Anpassungen wären möglich, wenn Front- und Back-End getrennt eingekauft werden. Die Vorteile liegen also auf der Hand: die Kunden der HR-Abteilungen erhalten digitale Anwendungen, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind – weil sie sie selbst designen und modifizieren können. Außerdem sinken Kosten und Zeitaufwand: Denn Änderungen lassen sich innerhalb weniger Minuten selbst vornehmen.

Let’s code!

Auf dem Feld der Software-Entwicklung tut sich also einiges. Initiativen im Bildungsbereich und technische Innovationen machen Coding und Programmiersprachen einem breiten Spektrum zugänglich. Das ist wichtig, denn wir kommunizieren zunehmend digital und nutzen technologische Hilfsmittel für die Bewältigung alltäglicher Aufgaben. Coding ermöglicht Kommunikation – ja, Coding ist sogar Kommunikation. Wer programmieren kann, spricht die neue Weltsprache.

Quelle Titelbild: Bild: © georgejmclittle – fotolia.com