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13/12/2017 17:28 CET | Aktualisiert 14/12/2017 15:03 CET

Hospiz-Mitarbeiterin erklärt: Vor dem Tod zählt für die Patienten nur eins

  • Mitarbeiter eines Hospiz-Dienstes begleiten schwerkranke Menschen auf ihrem Sterbensweg

  • Jeder Patient verarbeitet seinen nahenden Tod unterschiedlich 

  • Oben im Video erklärt eine Hospiz-Mitarbeiterin, was für Patienten vor ihrem Tod wirklich zählt

Der Tod gehört zum Leben dazu. Dieses Schicksal können wir nicht beeinflussen. Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im Jahr 2016 in Deutschland 911.000 Todesfälle. 

Viele Menschen sind vor ihrem Tod alleine. Kinder und Verwandte sind weggezogen, Freunde und der Ehepartner bereits verstorben. Die letzten Tage und Wochen werden von Einsamkeit dominiert. Die Angst vor dem eigenen Tod wächst. Die Möglichkeiten, sich mit jemandem auszutauschen, sind rar.

Hospiz-Dienst - Begleitung in den Tod

Für solche Fälle gibt es Menschen wie Gabriele Hübscher. Die 55-Jährige arbeitet ehrenamtlich beim Caritas Ambulanten Hospizdienst. Der Hospizdienst begleitet schwerkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase.

Seit vier Jahren schon besucht Hübscher regelmäßig Hospiz-Patienten in ihrem Zuhause und erleichtert ihnen den Weg in den Tod. Bei ihrer Arbeit geht es darum, eine emotionale Stütze für die Kranken zu sein. 80 Menschen hat die 55-Jährige sterben sehen.

Sie erzählt:

“Es ist oft sehr traurig, wenn man sieht, dass sich vor dem Tod viele abwenden. Es kommen keine Freunde mehr und es gibt keine Familienangehörige mehr. Dabei ist gerade die Zeit vor dem Tod sehr wichtig.”

Durch ihre Arbeit mit todkranken Menschen bekam Gabriele Hübscher eine andere Ansicht auf das Leben. “Der Tod gehört dazu, genau wie die Geburt. Wir müssen alle sterben. Das sollte uns in jeder Sekunde des Lebens klar sein”, erklärt sie.

Besonders junge Leute sollten sich dessen bewusst werden. “Jede Sterbebegleitung ist ein eigener Kosmos. Ich finde es spannend, da hinein zu tauchen. Denn man lernt von jedem einzelnen etwas für sein eigenes Leben”, sagt Hübscher.

Ein Patient der vergangenen Jahre ist der ehrenamtlichen Hospiz-Begleitung besonders in Erinnerung geblieben:

“Das war ein Mann, der war noch nicht einmal 60 Jahre alt und hatte die Nervenkrankheit ALS. Er war so unfassbar tapfer. Vor seinem Tod ist er mit der gesamten Familie noch in den Urlaub gefahren und hat das Leben bis zum Ende vollkommen genossen. Er hat bis zum Schluss gelebt.”

Aber alle Hospiz-Patienten gehen unterschiedlich mit ihrem bevorstehenden Tod um. Ein bestimmtes Verhaltensmuster ist nicht zu erkennen. Die einen verdrängten das Thema Sterben bis zum letzten Moment und redeten auch nicht darüber, sagt Hübscher. Anderen wiederum werde durch die Gespräche über das Sterben die Angst davor genommen.

Eine Sache jedoch schätzen alle Patienten vor ihrem Tod: Aufmerksamkeit und Gespräche. Hübscher erzählt: 

“Der Patient, den ich begleite, spricht über seine Wünsche oder Dinge, die ihm auf dem Herzen liegen. Es ist wichtig, dass jemand kommt und da ist.”

“Das Schönste ist, wenn ich sehe, dass es den Menschen gut geht und sie lachen”, sagt Hübscher.

Der Caritas Ambulante Hospizdienst arbeitet eng mit der Klinik für Palliativmedizin Barmherzige Brüder München zusammen und begleitet schwerkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase.

 (jds)