POLITIK
24/08/2018 07:17 CEST

Horst Seehofer schreibt über Religion – und erntet harsche Kritik

Top-News To Go.

JOHN MACDOUGALL via Getty Images
Horst Seehofer im Sommerinterview.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat in der Tageszeitung “Die Welt” am Donnerstag in einem Gastbeitrag erklärt, er wolle angesichts der Migrationsdebatte mit “allen in Deutschland relevanten religiösen Gemeinschaften” das Gespräch suchen.

Von SPD und den Grünen kam umgehend Kritik. SPD-Vize Ralf Stegner hält Seehofers Vorstoß für unglaubwürdig: “Erst eine Debatte anstoßen, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht, und dann den Dialog propagieren, das passt schlecht.”

► Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte der “Passauer Neuen Presse”: “Für mich liest sich sein Beitrag so, als ob er persönlich enttäuscht ist, dass seine privaten Überzeugungen nicht mehr die der Mehrheit inklusive der Kirchenleitungen sind. Man hat schon in der Kreuz-Debatte gespürt, dass die alten Herren der CSU nicht mehr den richtigen Ton treffen.”

Um was es Seehofer geht: 

In dem ausführlichen Gastbeitrag schrieb Seehofer, er wolle “grundlegende Fragen” thematisieren: “Welche Bedeutung messen wir der Religion in unserem Gemeinwesen zu? Und wie gestalten wir das Zusammenleben in einer religiös und weltanschaulich pluraler gewordenen Gesellschaft?”

Und leitete dann den Appell ab: 

“Werden wir uns also unserer kulturellen und religiösen Wurzeln bewusst und vertreten diese mit gesundem Selbstbewusstsein, zugleich aber auch mit Respekt vor den anderen religiösen und weltanschaulichen Auffassungen.” 

Es gibt auch Unterstützer für seinen Vorschlag: 

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) stellte sich hinter Seehofers Vorstoß. “Wir haben die Diskussion über den Rang der Religionen lange noch nicht ausreichend geführt”, sagte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, begrüßte Seehofers Vorhaben ebenfalls. Der CSU-Chef werfe “einen guten Geist in die Debatte, der besser ist als der aus den vergangenen Diskussionen”, sagte er der Zeitung. “Es ist zu hoffen, dass die skurrile Islamdebatte nun der Vergangenheit angehört.”