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08/05/2018 08:58 CEST | Aktualisiert 08/05/2018 08:59 CEST

Horror-Keime aus Indien: So bleiben Sie gesund

Die Pharmafirmen tragen zur Entstehung der Supererreger bei

Von Indien kommende Supererreger sorgen dafür, dass Antibiotika nicht mehr wirken. Es droht ein weltweites Comeback längst ausgestorbener Krankheiten. Ist der einzelne wirklich machtlos gegen diese Bakterien?

Die Pharmafirmen tragen zur Entstehung der Supererreger bei

Schon vor einigen Jahren waren Pharmazeutika aus Indien in den Verdacht geraten, die Entstehung multiresistenter Keime zu begünstigen.

Ein Forscherteam der Londoner Queen Mary University hat den Verkauf indischer Antibiotika zwischen 2007 und 2012 unter die Lupe genommen.

Kombinationspräparate aus zwei oder mehr Wirkstoffen sind auf dem Subkontinent besonders beliebt. In Europa und den USA sind nur wenige dieser Medikamente zugelassen und das aus gutem Grund: Die Kombipräparate stehen in dem Ruf, die Ausbildung von Resistenzen zu begünstigen.

Über die Hälfte der getesteten Antibiotika wurde zudem illegal hergestellt. Andere, darunter viele Medikamente internationaler Pharmafirmen, stellten sich als zu schwach dosiert oder ungünstig kombiniert heraus, werden jedoch weiterhin verkauft.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn die grossen Konzerne Medikamente auf dem Markt lancieren, die weder den indischen noch den Zulassungsbestimmungen in ihren eigenen Ländern genügen. So lange dieser unkontrollierte Verkauf wuchert, können sich die Resistenzen nahezu ungehindert ausbreiten.

Über China und Indien in Europas Krankenhäuser

Doch es gibt noch mehr Horror-Nachrichten aus Indien. Hintergrund sind erschreckende Entdeckungen, die ein Team deutscher Fernsehjournalisten in indischen Pharmafirmen gemacht haben.

Die Fabriken leiten ihre Abwässer ungeklärt in Gewässer.

Dort trifft der Antibiotikacocktail auf weitere Keime. Die sind sehr anpassungsfähig, zeigen sich resistent und äusserst vermehrungsfreudig, was ideale Voraussetzungen für die Entstehung neuer Supererreger bildet.

Über Wasch- und Teewasser aus diesen Gewässern gelangen die multiresistenten Keime in den Körper von Mensch und Tier. Sie siedeln sich auf der Haut, aber vor allem im Darm an. Ist ein Mensch erst einmal von diesen Superkeimen infiziert, greifen die handelsüblichen Antibiotika nicht mehr.

Doch nicht nur Touristen schleppen die indischen Erreger nach Europa. Der Konkurrenzkampf auf dem Pharmamarkt ist derart hart, dass vermehrt in Billiglohnländern produziert wird. Vor allem die Grundstoffe für Antibiotika, die aus China kommend, in Indien weiter verarbeitet und von dort in den Rest der Welt exportiert werden.

So kommen die resistenten Keime auch früher oder später in europäischen Arztpraxen und Krankenhäusern an.

Der Mensch ist nicht völlig machtlos gegen die Horror-Keime

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird nicht müde, auf die Gefahr aufmerksam zu machen und hält die Rückkehr von Krankheiten, die als ausgestorben galten, für wahrscheinlich.

Doch ist der Konsument wirklich so machtlos? Der sorglose Gebrauch von Antibiotika muss vor allem bei kleinen Infekten neu überdacht werden.

Denn der frühe und manchmal obligatorische Gebrauch dieser Medikamente ist in vielen Fällen unangemessen. Viele Infektionen können auch ohne Antibiotikagabe vom Immunsystem überwunden werden.

Wenn der hinter der Einnahme von Antibiotika stehende Gedanke nach Absicherung aufgegeben wird, ist schon ein wesentlicher Schritt zur Prävention getan. Auch die Massentierzucht mit ihren Antibiotikapräparaten leistet einen Beitrag zur Verbreitung von Keimen.

Der Umgang mit Tieren aus konventioneller Zucht als Nahrungsquelle sollte daher kritisch hinterfragt werden. Der beste Schutz gegen Keime ist immer noch ein gesundes Immunsystem, das mit naturheilkundlichen Mitteln und Nahrungsergänzungsmitteln entsprechend gestärkt werden kann.

Anne-Claire Schlingloff