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28/03/2018 19:44 CEST | Aktualisiert 28/03/2018 19:44 CEST

Hör auf, an dir zu arbeiten – sondern fang an, dich zu lieben

Liebe ist etwas Wunderbares. Als Kind lernen wir aber, dass es falsch ist, in uns selbst verliebt zu sein. Man lernt stattdessen, sich selbst ständig zu kritisieren. Gidon hat das falsch gemacht. Sarah war nicht brav. Max ist zu laut! Kein Wunder, dass Persönlichkeitsentwicklung so beliebt ist. Wir behandeln uns selbst, als wären wir kaputte Maschinen. Ich habe das viele Jahre lang so gemacht. Ich könnte weinen, wenn ich mich daran erinnere, wie viel Hass unter meinen heiligen Bemühungen steckte, endlich ein besserer Mensch zu werden. Die größten Fallen der Persönlichkeitsentwicklung und wie du dich daraus befreist.

Gidon Wagner
Ich war manchmal frei von Angst. Aber auch frei von Leben. Und fast tot vor Meditation.

Hass ist etwas Schreckliches. Weniger für den, der gehasst wird, als für den, der hasst. Das Gefühl vergiftet Körper und Gedanken.

Unzufriedenheit mit sich selbst ist ein Nein zu sich selbst. Wo ist der Unterschied zum Hass? Ich sehe keinen. Ich habe mich gehasst für meine ständige Angst. Also habe ich versucht, besser zu werden, meine Angst zu besiegen. Sie platt zu machen.

Aber es war mein Gefühl, ein Teil von mir, gegen das ich mich da gestellt habe. Ich habe also samt der Angst noch jede Menge anderer Aspekte von mir versucht, über Bord zu werfen.

Echte Persönlichkeitsentwicklung ist, sich selbst lieben zu lernen. Mit allem, was dazu gehört.  

Denn darum ging es uns ja ursprünglich: Zufrieden sein können mit uns selbst.

Was liebe ich an mir? Kann ich den ersten Schritt machen, und den Hass und die Abneigung in mir anerkennen? Kann ich akzeptieren, dass ich mich (noch) nicht akzeptiere? Das sind die ersten Schritte.

Ich lerne dabei ganz neue Seiten und Aspekte an mir kennen, die ich bisher übersehen oder versteckt habe, weil ich mich so sehr mit meinen Schwächen beschäftigt habe.

Ich brauche nicht das Mindset eines Milliardärs. Ich brauche, dass ich mir selbst ein Freund sein kann. 

Das schönste Gefühl überhaupt, ist, jemanden bedingungslos zu lieben. Alles Unwichtige spielt keine Rolle mehr, wenn wir Liebe empfinden. Das Gefühl gibt mir alles, was ich wirklich brauche. Wer hat gesagt, dass ich mich nicht selbst bedingungslos lieben kann?

Persönlichkeitsentwicklung und hartes Arbeiten an mir ist das krasse Gegenteil. Ich schraube an mir herum, bis ich perfekt bin. Und werde dabei immer unglücklicher.

Man gilt als eingebildet und arrogant, wenn man sich selbst verliebt im Spiegel ansieht. Ich versuche es zu verstecken, wenn ich auf der Straße mein Spiegelbild in den Autoscheiben betrachte. Weil es mir peinlich ist, mich selbst gut zu finden, und alle können es sehen.

Echte Liebe ist für mich aber, jemandem Aufmerksamkeit zu schenken – angefangen bei mir selbst. Ich kann mich nur besser fühlen, wenn ich mich selbst liebe. Das Gegenteil von Selbstliebe ist Persönlichkeitsentwicklung. Dabei sagen wir: mit mir stimmt etwas nicht. Ich muss mich erst noch entwickeln. Das stimmt aber nicht. Es kann nicht wahr sein. Das kann nur jemand glauben, der sich selbst mit dem verwechselt, was er kann.

Was ich entwickle, sind Fähigkeiten, Ideen, Routine, Erkenntnisse. Aber nie, wer ich bin. Aber oft schauen wir selbst nur auf unsere Fähigkeiten und setzen uns mit ihnen gleich. Grausamer, ignoranter kann man mit sich selbst nicht umgehen.

Entscheidend fürs Glücklichsein mit sich selbst ist, das Bild von sich selbst lieben zu lernen. Gleichzeitig geht es darum, zu erkennen, dass es eben nur ein Bild von uns selbst ist, das wir lieben (oder eben nicht lieben). Denn im Spiegel sehe ich eben nur mein Spiegelbild. So sehe ich aus. Und wenn ich über mich nachdenke, nehme ich nur die Interpretation meines Verstandes wahr, nicht, wer ich wirklich bin.

Das zu wissen, macht frei davon, dass man sich selbst all zu ernst – todernst – nimmt. Und am Ende nicht einmal mehr über sich selbst lachen kann.

In diesem Sinne:

Gidon Wagner
Nicht zu ernst nehmen!

Du willst dich aus den Fallen der Persönlichkeitsentwicklung befreien oder gar nicht erst hinein tappen? Im Teil 2 dieses Artikels beschreibe ich drei sehr häufige Stolpersteine bei der tückischen Selbstoptimierung und gebe praktische Hilfen. Du findest die Fortsetzung hier auf meinem Blog herzbiskopf.de