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18/02/2018 19:17 CET | Aktualisiert 18/02/2018 19:17 CET

Hommage an die analoge Fotografie

oder 5 Gründe warum Analogfotografie schön ist

pixabay.com, user: skitterphoto

Ich muss bei den abendlichen ZDF-Krimis ja schon des Öfteren schmunzeln. Die Ermittler schauen sich oft eingerahmte Fotos auf dem Kaminsims des Opfers an oder finden eine Fotokiste und mit Hilfe dieser, neue Anhaltspunkte. Denn mal ehrlich, wer hat noch richtige Fotos? Selbst mit einer Digitalkamera in Mobiltelefongröße wird man heutzutage komisch angeguckt. Ein Fotoapparat mit Filmdose? Was ist das denn?

Ich bin bekanntlich ein Fan von alten Sachen. Die analoge Fotografie kann man ja auch schon dazuzählen. Jeder macht heutzutage Fotos mit seinem Mobiltelefon und das ist auch kein Wunder, denn schließlich ist es einfach, die Fotos werden gut und das Leben findet ohnehin online statt, es muss “geliked” werden. Klar, kann man auch Bilder von Mobiltelefonen etc. entwickeln lassen oder zu Hause oder in der Drogerie ausdrucken lassen. Aber wie fühlen sich diese Fotos an?

Da komme ich „alte Tante“ nun um die Ecke und packe in meinen Urlaubskoffer eine Digitalkamera (ja, so eine normale, von Saturn!) und eine analoge Kamera von Konica. Die hat sogar schon die Automatik, das heißt, der Film spult sich allein zurück und man muss nach jedem Knipsen nicht am Rädchen drehen (alle Kinder jetzt so: Was?) Die Kamera mit dem Rädchen wird demnächst bei mir einziehen. Eine Sofortbildkamera besitze ich ebenfalls.

Diese Art Kameras sind einfach, echt, schön und machen Spaß.

5 Gründe warum Analogfotografie schön ist

privat

1. Die Entschleunigung

Oh, die ist ja heute nahezu „in“. Entschleunigung ist die gezielte Verlangsamung einer schnellen Tätigkeit oder Entwicklung. Na, das passt doch! Bevor wir nämlich mit der Fotografie loslegen können, brauchen wir neben der Kamera, eingelegte Batterien sowie einen Film. Man bekommt sie heutzutage noch gut von der Firma AGFA in schwarz oder bunt. Dann muss man den Film einlegen und los geht es. Ach ja, wenn man mit Blitzlicht fotografieren will, muss man noch kurz warten…

2. Der Überraschungseffekt

Sind die Bilder nun etwas geworden oder nicht? Ist ein Bild vielleicht unscharf, verwackelt oder gar schwarz? Oder sehen alle ganz toll aus? Wir wissen es (noch) nicht. Wir wissen es erst, wenn der Film (mit 24 oder 36 Fotos) zu Ende fotografiert wurde und wir den Film z.B. in der Drogerie zum Entwickeln abgeben. Dann warten wir erneut bis zu 10 Tage und was folgt dann? Genau, der Überraschungseffekt. Und je nachdem wie viel Zeit man zum Abknipsen des Films benötigt hat, stellt man sich beim Ansehen der Bilder durchaus auch mal die Frage: „Hä, wo war das denn? Ach ja! Guck mal, da war ja noch Sommer…“

3. Die Fotos („aus einem Land vor unserer Zeit“)

Und wie sind sie nun, diese Fotos mit dem Retrogefühl? Schön sind sie, sie haben Charakter, sie sind herrlich (unperfekt) perfekt und vor allem ist kein Foto „todgefiltert“.

4. Die Unikate hast nur du allein

Ist das nicht toll ein Bild zu haben, was nicht jeder hat? Die mobilen Fotos werden in der Regel überall herumgeschickt und am Ende auf Facebook und Co. gepostet. Jeder hat es. Ist das nicht traurig? Fotografiere mit deiner eigenen analogen Kamera, nur für dich. Du hast die Unikate. Niemand wird exakt dasselbe Foto besitzen.

5. Die Aufbewahrung oder ich hol mal eben die Fotobücher hervor

Es gibt ja Leute, die mögen weder Fotos noch Fotoalben. Meine Mutter ist so eine Person. Der kann man kein Foto im Rahmen schenken, dass würde wohl auf dem Dachboden oder wenn man Glück hat, auf der Gästetoilette landen. Ich mag Alben. Ja, auch die anstrengenden von früher, wo man Bilder und Aufkleber einklebte und Erlebnisse oder Sprüche dazu schrieb. Aber es dürfen auch die schnellen Alben sein, wo man die entwickelten Fotos einfach hineinschiebt. Ich habe durch meine vielen Reisen bestimmt an die 1000 Fotos zu Hause. Viele sind analog entstanden, viele auch mit der einfachen Digitalkamera. Es sind viele echte Fotos, in echten Alben oder schönen Kisten.Wollen alle wirklich nur noch das virtuelle „Bilderbuch“ durchblättern? Einen großen Nachteil hat die analoge Fotografie allerdings (im Gegensatz zu den Mobiltelefonfotos), nämlich der Platz, davon braucht man viel. Natürlich ist nichts für die Ewigkeit. Wenn das Haus abbrennt sind die Bilder auch weg. Ebenso wenn das Telefon abstürzt und man kein Backup gemacht hat (über Cloud und Datenschutz reden wir lieber nicht).

Natürlich hat alles zwei Seiten, alles hat sein für und wieder. Für die schnellen Fotos im Alltag, welche man hin- und herschicken möchte, geht’s nur mit dem Mobiltelefon. Aber für die wirklich wichtigen Fotos, muss das Bild zumindest entwickelt worden sein. Wie sollten sonst die zukünftigen Ermittlungen im ZDF funktionieren? ;-)

Fotoeinsteckalbum
privat

Die Autorin fotografiert und schreibt gern. Ihre aktuellen Projekte finden Sie unter www.hamburgersafari.de