POLITIK
31/01/2019 10:27 CET

Holocaust-Gedenken: Historiker verteidigt AfD und warnt vor Vergessen

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ullstein bild via Getty Images
Der Historiker Michael Wolffsohn.

► Der jüdische Historiker Michael Wolffsohn hat am Donnerstag im Gespräch mit dem Deutschlandfunk die AfD gegen die Kritik verteidigt, die Partei sei antisemitisch. 

► Wolffsohn sagte dem Radiosender: “Ja, es gibt Antisemiten in der AfD, aber eben nicht nur.” 

► Die Partei habe so etwa vor einer Woche als einzige im Bundestag die “amtsjüdische Position” vertreten, die Gründung eines Palästinenserstaates abzulehnen. Auch sei der jüdische Journalist Henryk Broder ja mit Applaus von der Bundestagsfraktion empfangen worden. 

Was Wolffsohn über den AfD-Eklat im bayerischen Landtag sagte: 

Vergangene Woche war es im bayerischen Landtag bei einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus zum Eklat gekommen. In einer Rede hatte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, die AfD attackiert: 

“Heute und hier ist eine Partei vertreten, die diese Werte verächtlich macht und Verbrechen der Nationalsozialisten verharmlost und enge Verbindungen ins rechtsextreme Milieu unterhält.”

Die AfD-Fraktion verließ daraufhin den Saal und kehrte erst nach Knoblochs Rede zurück.

Wolffsohn verteidigte im Deutschlandfunk diesen Affront. Diese stelle ihre Meinung, dass die AfD antisemitisch sei, als Fakt dar – das sei problematisch. “Warum kann man dann nicht mit unherkömmlichen Mitteln gegen ein so unherkömmliches Verhalten protestieren?”, fragte der Historiker. 

Wolffsohn macht auch seine Ablehnung gegenüber der AfD deutlich. Die Partei sei seit der Gründung zunehmend “rechtsaußen oder rechtsextrem” geworden.  “Aber wer sagt, die AfD sei die NSDAP, der weiß nicht, was die NSDAP gewesen ist.”

Warum der Historiker neue Formen des Gedenkens fordert:

Allgemein kritisierte Wolffsohn Gedenkfeiern in den deutschen Parlamenten als Teil einer nicht effektiven Erinnerungskultur in Deutschland. Er zitierte eine CNN-Studie aus dem vergangenen Jahr, laut der 40 Prozent der Jugendlichen in Deutschland nicht wissen, was in Auschwitz geschah. 

“Das zeigt, dass das bisherige Gedenken ganz offensichtlich an der Bevölkerung vorbei gegangen ist”, sagte Wolffsohn.

(jkl)