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13/03/2018 10:57 CET | Aktualisiert 13/03/2018 11:08 CET

Das passiert mit dem Körper, wenn man ein gebrochenes Herz hat

Ärzte sprechen vom Broken-Heart-Syndrom.

Justin Case via Getty Images
Es gibt einen Grund dafür, dass man sich nach einer Trennung ausgelaugt und schwach fühlt.
  • Das sogenannte Gebrochenes-Herz-Syndrom tritt in Stresssituationen auf – beispielsweise nach einer Trennung
  • Dabei kann es zu Symptomen wie bei einem Herzinfarkt kommen

Es gibt einen Grund dafür, dass man sich nach einer Trennung ausgelaugt und schwach fühlt:

► Ein gebrochenes Herz ist eine Belastung für den Körper. 

Leider wird das oft übersehen, wie Roland A. Alexander, ein Psychotherapeut  und Autor von Wise Mind, Open Mind: Finding Purpose and Meaning in Times of Crisis, Loss, and Change erklärt. 

“Man ist nicht alleine, wenn man sich in seinem Bett verkriecht und sich von der Welt verlassen fühlt“, erläutert Alexander.

“Ein gebrochenes Herzen gibt einem das Gefühl, als hätte man die Kontrolle über sein Leben verloren. Weinen und Schluchzen ist üblich, genauso wie ein Gefühl von Melancholie, aber es gibt auch körperliche Symptome.“

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Besonders in der ersten Phase sorgt ein gebrochenes Herz für einen gestörten Schlafrhythmus. Schlafstörungen wie z.B. Schlaflosigkeit treten bei frischen Singles sehr häufig auf, sagt Alexander.

Der Stress einer Trennung sorge für ein dünnes Nervenkostüm, das die biologischen Prozesse störe. Diese Prozesse sorgen normalerweise dafür, dass man abends gut einschläft.

“Wenn man an gebrochenem Herzen leidet, kann es sehr schwer sein, das Kopfkino abzustellen, die Gedanken im Zaum zu halten und zur Ruhe zu kommen“, erklärt der Psychologe. 

Herzschmerz: wenn die Nerven durch Traurigkeit überfordert sind

Panikattacken und verstärktes Herzrasen gehen oft Hand in Hand mit einem gebrochenem Herzen“, sagt er.

“Es ist wichtig zu wissen, dass die Traurigkeit und Betrübtheit eines gebrochenen Herzens das Nervensystem überfordern kann“, erläutert Alexander weiter.

“Es ist ganz normal, dass man in dieser Phase das Gefühl verspürt, die Kontrolle verloren zu haben.“

► In einigen extremen Fällen kann eine Trennung sogar zu Symptomen führen, die einem Herzinfarkt ähneln.

Das Broken-Heart-Syndrom, oder auch Stress-Kardiomyopathie, das zuerst in den 1990er-Jahren in der medizinischen Fachliteratur in Japan beschrieben wurde, ist ein temporärer Zustand, der sich anfühlt wie ein Herzinfarkt.

Er tritt in Stresssituationen auf, z.B. nach dem Tod eines geliebten Menschen oder nach einer Trennung.

Harmony Reynolds, eine Kardiologin am Langone Medical Center der New York University, sagte der HuffPost, dass das Gebrochenes-Herz-Syndrom bei etwa ein bis zwei Prozent der Patienten diagnostiziert wird, die mit den Symptomen eines Herzinfarktes in die Klinik eingeliefert werden.

Ergebnisse von Elektrokardiogrammen und Untersuchungen von Blutproben haben ebenfalls ergeben, dass die Symptome von Broken-Heart-Syndrom denen eines Herzinfarkts ähneln. Und das, obwohl die Herzarterien offen sind, und nicht wie bei einem Herzinfarkt verstopft.

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“Patienten mit dem Gebrochenes-Herz-Syndrom weisen ebenfalls große Anomalien bei der Funktion des Herzmuskels auf“, so Reynolds. Diese Fehlfunktion legt sich erst nach Wochen oder Monaten wieder.

► Leider besteht bei Patienten, die an einem Gebrochenes-Herz-Syndrom gelitten haben, auch weiterhin ein großes Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko.“

Reynolds führte über 20 Jahre eine Studie durch, die belegt, dass dieser Zustand ältere Frauen am stärksten betrifft.

“In den USA treten jährlich mindestens 6000 Fälle des Syndroms auf, 90 Prozent der Patienten sind weiblich, die meisten von ihnen haben die Menopause hinter sich“, so Reynolds gegenüber der HuffPost.

Wie behandelt man ein gebrochenes Herz?

► Ehe Ärzte die Diagnose Broken-Heart-Syndrom stellen, müssen sie zunächst andere mögliche Ursachen ausschließen, sagt die US-Kardiologin Jeannie Romanelli der HuffPost. Dazu gehören Herzerkrankungen, Blutgerinnsel oder verstopfte Blutgefäße.

► Die Behandlung gleicht der Behandlung bei einem Herzanfall. “Wir verwenden Blutverdünner, ACE-Hemmstoffe oder Beta Blocker“, erklärt Romanelli.

► Und weil zehn Prozent der Patienten, die einmal an dem Syndrom gelitten haben, auch wiederholt davon betroffen sein werden, sei es wichtig, den Fortschritt des Patienten zu überwachen, etwa mit Ultraschall.

Was ist zu tun, wenn die Symptome auftreten?

Leider ist es mit einer riesigen Portion Ben & Jerry’s Eis nicht getan, wenn man über seinen oder seine Ex hinwegkommen will.

Romanelli empfiehlt, sich auf die Aktivitäten zu konzentrieren, die einem in der Regel beim Entspannen helfen.

Ungesunde Strategien wie z.B. Frustessen oder –trinken bedeuten nur ein noch größeres Risiko für das Herz. Besser sind Kanäle, über die der Stress abgebaut oder bekämpft werden kann“, erklärt sie.

“Meditation, tiefes Ein- und Ausatmen, Yoga oder auch eine Social Media-Pause und sich stattdessen mit Freunden zu treffen oder zu lesen kann helfen.“

► Und auch wenn es sich albern anhört: Manchmal kann es schon helfen, tief Luft zu holen und sich auf seine Umgebung zu konzentrieren, wenn man das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren.

“Tief einatmen, eine Freundin anrufen und um Hilfe bitten, sich Beratung suchen oder einfach lange spazieren gehen“, empfiehlt Alexander.

“Gut ist es, an einem See oder Fluss spazieren zu gehen. Einfach zu schauen, wie das Wasser vorbei fließt, kann helfen, unbewusst zu verinnerlichen, dass sich alles irgendwann ändert und nichts immer gleich bleibt.

Das Herz ist gebrochen und man verspürt eine große Trauer. Aber erinnert euch daran: Auch das wird vorübergehen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

(amr)