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13/06/2018 10:05 CEST

Herne: Schule bietet Schülern Leih-Burkinis und hat dafür guten Grund

Von der Politik hagelt es dafür viel Kritik.

Andrey_Kuzmin via Getty Images
Am Herner Gymnasium sollen alle Schüler am Schwimmunterricht teilnehmen. (Symbolbild)
  • Das Pestalozzi-Gymnasium in Herne besorgte für seine Schülerinnen Leih-Burkinis. 
  • Der Schulleiter möchte damit erreichen, dass alle Schülerinnen Schwimmen lernen könnten. 

Dass alle Schüler die selben Chancen haben, am Unterricht teilzunehmen, ist Volker Gößling, dem Schulleiter des Pestalozzi-Gymnasiums in Herne, wichtig. Doch da gab es ein großes Problem: den Schwimmunterricht. 

Genauso, wie jeder andere Unterricht ist der verpflichtend. An dem Herner Gymnasium würde er in der sechsten und achten Klasse gegeben, berichtet die Regionalzeitung “WAZ”. Doch viele muslimische Mädchen nahmen wegen ihres Glaubens nicht daran teil. 

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Schwimmen als Teil der Integration

“Ich vertrete aber eine klare Haltung: Bei uns soll jeder Schwimmen lernen”, erklärte Gößling gegenüber der WAZ. Dafür habe er die Bedingungen schaffen wollen, deswegen gibt es an seiner Schule Leih-Burkinis für muslimische Schülerinnen. Die Kleidungsstücke verhüllen den Körper bis auf die Füße, Hände und das Gesicht. 

Der Schulleiter berichtete der Regionalzeitung, dass die Schülerinnen die Leih-Burkinis gut aufnähmen. “Schwimmen ist Integration, das gehört in Deutschland zur Kultur“, ist er überzeugt und möchte mit den Burkinis auch die Integration fördern. 

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Kritik gibt es von politischer Seite

Kritik gab es von Seiten der Schüler- oder Elternschaft nicht. Aber die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), meldete sich mit kritischen Worten. Sie sagte am Dienstag in Düsseldorf, dass es nicht die Grundaufgabe der Schule sei, Burkinis zu besorgen. 

Auch andere Politikerinnen meldeten sich zu Wort. So habe die CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner laut dem Nachrichtensender NTV gesagt, dass es sich bei dieser Handlung um “vorauseilenden Gehorsam und ein Einknicken vor fundamentalistischen Elternhäusern” handle. 

“Während in Saudi-Arabien Frauen für ein bisschen Freiheit ihr Leben riskieren, sollten wir nicht in Deutschland auf Burkinis für Mädchen setzen”, kritisierte NRW-Integrationssekretärin Serap Güler die Entscheidung der Schule gegenüber der “Bild-Zeitung”. Besonders aus emanzipatorischer Sicht sei die Entscheidung fatal.

Die Vize-Landesvorsitzende der Elterngewerkschaft GEW hingehen sehe in den Burkinis eine pragmatische Lösung, berichtete NTV. “Damit werden Brücken zu den Elternhäusern gebaut”. 

Auch der herner Vorsitzende des Integrationsrats Muzaffer Oruc ordnete das Vorgehen der Schule gegenüber der Zeitung “WAZ” als kultursensibel ein. “Wenn die Schüler fern bleiben, ist das auch keine Integration.“

(ks)