WIRTSCHAFT
13/07/2018 09:42 CEST

Renten-Experte: "Man sollte das Risiko von Altersarmut nicht dramatisieren"

Hubertus Heil stellt sein Rentenpaket vor – das müsst ihr dazu wissen.

Niedring/Drentwett via Getty Images

Arbeitsminister Hubertus Heil stellt an diesem Freitag sein Rentenpaket vor. Die Rente ist eine der wichtigsten Baustellen der Regierung – auch wenn das Thema wegen des Asylstreits in den vergangenen Wochen in den Hintergrund gerückt ist.

Profitieren dürften jede vierte Rentnerin, Frührentner wegen Krankheit sowie Geringverdiener bei den Sozialbeiträgen. Kosten in Milliardenhöhe müssen die Beitrags- und Steuerzahler tragen. 

Was sind die Rentenziele der GroKo? 

Laut Koalitionsvertrag: Stabilität der Rente, Honorierung von Lebensleistung und Bekämpfung von Altersarmut. 

Anfang 2019 soll das erste Rentenpaket, das Heil nun präsentieren will, in Kraft treten: mit Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentner, der Mütterrente II, Entlastung von Geringverdienern bei Sozialbeiträgen und einer Stabilisierung von Rentenniveau und Beitragssatz bis 2025.

Eine Grundrente für langjährig Versicherte und weitere Weichenstellungen für die Zeit nach 2025 sollen folgen. Denn die Gesellschaft wird älter. Auf weniger Einzahler kommen mehr Empfänger. Diese leben im Schnitt länger.

War profitiert von der Mütterrente II? 

Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) 24 Prozent der heutigen Rentnerinnen. Mütter sollen ein drittes Jahr Kindererziehungszeit für jedes vor 1992 geborene Kind erhalten.

Insgesamt würde das Haushaltsnettoeinkommen der begünstigten Rentnerhaushalte um knapp vier Prozent steigen, bei Rentnerinnen mit wenig Einkommen um bis zu sechs Prozent. 

Pimpertz merkt an, nur kinderreiche Frauen in rentennahen Jahrgängen könnten profitieren – dabei auch Frauen mit hohen Renten oder wohlhabenden Partnern. 

Was werten Experten den Umgang mit Erwerbsminderung? 

Positiv. “Menschen mit einer geringen Erwerbsminderungsrente sind sehr häufig auf Grundsicherung angewiesen”, sagt Kaltenborn.

So bezogen diese Menschen, die wegen Krankheit in Frührente müssen, 2016 zu 14,7 Prozent Grundsicherung – Altersrentner nur zu 2,6 Prozent. Künftig sollen Betroffene, anders als heute, so behandelt werden, wie wenn sie bis zum aktuellen Rentenalter gearbeitet hätten. “Als Vorbeugung vor Armut sinnvoll”, wie Pimpertz sagt.

Was bringt die Stabilisierung des Rentenniveaus? 

Wenn ein Sinken des Verhältnisses von Rente zu Durchschnittslohn verhindert werden kann, dann kommt das allen Rentnern zugute – je nach ihrer Rente prozentual unterschiedlich.

Das Niveau soll bis 2025 auf heutigem Stand von 48 Prozent gesichert werden. Allerdings soll es laut offiziellen Prognosen auch ohne Reform bis 2024 bei 48 Prozent bleiben und erst dann absinken. “Es ist keine Stellschraube, mit der gezielt Altersarmut bekämpft werden kann”, wie Kaltenborn sagt.

Wie weit ist Altersarmut in Deutschland verbreitet? 

In der Generation 65 plus sind 3,1 Prozent der Menschen auf Grundsicherung angewiesen. Bei den Kindern unter 15 Jahren sind es 15, bei den Erwerbstätigen 8 Prozent.

Der Berliner Wirtschaftsforscher Bruno Kaltenborn, der den Bereich für das Forschungsnetzwerk der Deutschen Rentenversicherung untersucht hat, sagt: “Man sollte das Risiko von Altersarmut nicht dramatisieren.”

Wird es künftig mehr arme Alte geben? 

Davor warnen Gewerkschaften und Sozialverbände.

Kaltenborns dagegen rechnet damit, dass die Altersarmut konstant bleibt.  Der Anteil der Grundsicherungsbezieher dürfte bis 2030 bei den Senioren unter oder um 5 Prozent bleiben – unter dem derzeitigen Bevölkerungsschnitt, wie Jochen Pimpertz betont, Experte für soziale Sicherung beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Warum steigt die Altersarmut laut Experten nicht so stark? 

Einen von mehreren Gründen sehen die Experten im Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung – und damit auch der Rentenanwartschaften – bei den Frauen.