POLITIK
06/03/2018 13:13 CET | Aktualisiert 06/03/2018 18:00 CET

Vermieter kassiert Geld von Hartz-IV-Empfängern – für ein unerhörtes Angebot

Angebot und Nachfrage – der freie Markt reguliert alles.

Ina Fassbender / Reuters
Wohngebäude mit Bewohnern aus Osteuropa. (Symbolbild)
  • Eine Immobilienfirma hat mit einem umstrittenen Vorgehen gegenüber Hartz-IV-Empfängern für Aufsehen gesorgt
  • Die Firma verlangt pro Termin 50 Euro von Interessenten

Wie in vielen anderen deutschen Städten herrscht in Regensburg Wohnungsnot. Sozial Schwache, Migranten, und Empfänger von Transferleistungen wie Hartz IV haben es besonders schwer, überhaupt eine Bleibe zu finden.

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Sie müssen froh sein, wenn ein Vermieter ihnen nicht von vornherein die Tür vor der Nase zuschlägt. Das weiß auch die die Regensburger “Amann Verwaltungs GmbH” – und macht daraus ein doppeltes Geschäft.

50 Euro für einen Platz auf der Warteliste

Wie das Nachrichtenmagazin “regensburg-digital” (r-d) berichtet, liegen die Mieten der Immobilienfirma zum Teil nicht nur klar über den marktüblichen Preisen. Sie nützt den großen Andrang auf die Wohnungen, um schon vor der Vermietung zu kassieren.

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Hartz-IV-Empfänger, die sich auf die Warteliste für eine der Wohnungen setzen lassen wollen, müssen dem Vermieter 50 Euro abdrücken. Das ist eine Menge Geld für Menschen, die mit 416 Euro im Monat auskommen müssen.

► Die Firma nimmt Erwerbslose aus und knüpft dann dem Jobcenter und damit dem Steuerzahler überteuerte Mieten ab. 

Dabei ist die Amann Verwaltungs GmbH auch noch stolz auf ihr Unternehmensprofil: “Wir sind sozial, wir sind fair”, schreibt es sich als Philosophie sogar in seine Website.

Schließlich stelle man Wohnraum für Menschen in schwierigen Lebenslagen zur Verfügung und sei fair gegenüber Mietern und Geschäftspartnern.

Überteuerte Mieten für Schimmel-Wohnungen

Die Immobilienfirma verfügt über 120 eigene Wohnungen und 50 weitere, die im Auftrag vermietet werden.

Drei Viertel der Wohnungen sind nach Unternehmensangaben Einzimmer-Apartments, von denen etwa die Hälfte an Empfänger von Transferleistungen vermietet werden.  

► Doch wie “regensburg-digital” berichtet, liegen die Quadratmeter-Preise von bis zu 20 Euro klar über dem Mietspiegel.

Schöner als anderswo sind die Wohnungen dafür aber offenbar nicht. Laut “r-d”, klagen Mieter über massiven Schimmelbefall, gegen den nichts unternommen werde.

Auch das Gebäude scheint kein Schmuckkästchen: Im Hinterhof stapele sich der Müll, die Klingeln funktionierten nicht, im Treppenhaus gebe es Schmierereien und großflächig abgeschlagenen Putz.

Rechtswidrige Vermittlungsgebühr

Rechtsanwalt Otmar Sprik hält das Vorgehen des Vermieters für rechtswidrig. Spirk kennt Amann von früheren Fällen. Gegenüber “regensburg-digital” sagte er, Eigentümer, Vermieter und Verwalter dürften keine Vermittlungsgebühr für eigene Wohnungen verlangen.

Die Ordnungswidrigkeit könne mit einer Geldbuße von bis zu 250.000 Euro geahndet werden.

Doch als “r-d” Johannes Amann mit der Einschätzung des Juristen konfrontiert, zeigt sich der Immobilien-Unternehmer wenig einsichtig: Die besonders kostengünstige Warteliste für Hartz-IV-Empfänger bezeichnet er als “Angebot”.

► Schließlich sei niemand verpflichtet, es anzunehmen, dem es nicht passe.

Dann fügt er trotzig hinzu: “Ich bin ein Kaufmann und kann meine Geschäfte so tätigen, wie ich das für richtig halte.“

(jg)