WIRTSCHAFT
19/02/2018 13:00 CET | Aktualisiert 19/02/2018 15:31 CET

Schimmel in der Wohnung – die Antwort des Vermieters ist dreist

Damit hätten die Mieter wohl nicht gerechnet.

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Schimmel an der Wand in einer Wohnung mit Wasserschaden.
  • Bewohner eines Mietshauses klagen über schwere Schäden in ihren Wohnungen
  • Doch der Vermieter reagiert anders als erwartet

Für die Mieter eines Hauses in der Sankt-Annen-Straße in Rodenberg bei Hannover ist ihre Wohnung ein Albtraum: Schimmel an den Wänden, Müll vor dem Haus, und durch die kaputten Fenster und Türen zieht der Wind.

Viele davon sind Hartz-IV-Empfänger und haben daher keine große Wahl. Denn sie sind auf die Vorgaben des Jobcenters angewiesen - und das zahlte die Miete trotz der Mängel am Haus und in den Wohnungen. Das berichteten gestern die “Schaumburger Nachrichten” (SN).

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Schimmel und Schmutz – Jobcenter zahlt für Bruchbude

Dabei bietet die amtlich finanzierte Bruchbude kaum akzeptable Wohnverhältnisse. Denn Schimmel, Müll, und marode Fenster sind in dem Haus bei Weitem nicht die einzigen Probleme:

Wie die SN unter Berufung auf die Aussagen der Bewohner berichteten, gebe es in einer der Wohnungen nicht einmal heißes Wasser. Zudem seien sensible Elektroleitungen nicht sachgemäß verlegt - potenziell lebensgefährlich für die Bewohner.

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Diese Arbeiten habe der Vermieter nicht etwa einem Fachmann übertragen, sondern dem Hausmeister. Den aber halten die Mieter weder für kompetent, noch für vertrauenswürdig. Auch nach mehrfacherer Aufforderung habe er unzumutbare Mängel monatelang nicht beseitigt. 

Laut SN zeigt der Vermieter wenig Einsicht und hat für die Klagen der Bewohner wenig Verständnis. Auf die dauernden Beschwerden über Schimmel in den Wohnungen, habe er immer nur die gleiche Antwort gehabt:

Die Mieter selbst seien Schuld, denn sie lüfteten falsch. 

Vermieter reagiert auf Beschwerden

Schließlich reagierte der Vermieter dann doch auf die Klagen, doch das hatten sich die Bewohner wohl gründlich anders vorgestellt.

Denn statt Besserung bekamen die Bewohner zum neuen Jahr eine Mieterhöhung. Die begründete er damit, es hätten Renovierungsarbeiten stattgefunden.

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Einigen Mietern platze daraufhin der Kragen: Zwar habe es tatsächlich Renovierungen gegeben, doch nur in einer einzigen Wohnung - und die stehe leer.

Sie wandten sich an die Schaumburger Nachrichten, um die Misstände publik zu machen - mit Erfolg: Inzwischen hat das zuständige Jobcenter reagiert und lässt seine Kunden immerhin ausziehen. 

Jobcenter übernimmt keine Verantwortung

Verantwortung will es für die gesundheitsschädlichen Zustände unter denen die Hartz-IV-Empfänger lange leben mussten, trotzdem nicht übernehmen. Wie der Leiter des Schaumburger Jobcenters, Bernd Dittmer, gegenüber den SN sagte, könne man nicht erwarten, dass vor Einzug akzeptable Lebensverhältnisse sichergestellt würden:

“Wir können nicht in allen Wohnungen, in denen Leistungsbezieher wohnen, die Zustände überprüfen. Da sind wir auf Informationen angewiesen.“

Ein weiteres Beispiel dafür, dass viele Leistungsbezieher oft nur dann zu ihrem Recht kommen, wenn sie zuerst klagen. Oft müssen sie existenzsichernde Leistungen vor Gericht erstreiten.

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Wie der Hartz-IV-Experte Ulrich Wockelmann gegenüber der HuffPost bestätigte, sei dies eine erschreckende Erfahrung, die er in den Jahren als Rechtsberater von Leistungsberechtigten bei dem Hilfsverein aufRecht e.V.  gesammelt habe:

“Wer nicht klagt, bekommt auch nichts.”