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19/02/2018 19:55 CET | Aktualisiert 19/02/2018 20:09 CET

Hartz-IV-Reform: Kinder suchen keine Arbeit und haben im SGB II nichts verloren

Kindergelderhöhung und eine halbherzige Reform des Kinderzuschlags werden die skandalöse Kinderarmut nicht eindämmen.

Katja Dorner

Als Familienpolitikerin will ich die Frage aus Sicht der Kinder und Familien beleuchten.

Und da gilt: Dass Kinder nur wie abgeleitete kleine Erwachsene behandelt werden, deren Bedarfe im Regelsatz gar nicht erhoben, sondern je nach Alter der Kinder und Jugendlichen, mit knapp 60 bis 76 Prozent der für Erwachsene vorgesehenen Summen veranschlagt werden, muss endlich beendet werden.

Wir brauchen eine Kindergrundsicherung, die die Familienförderung vom Kopf auf die Füße stellt.

Für arme Familien bleibt nichts übrig

Heute profitieren Familien mit hohen Einkommen über die Freibeträge überproportional von staatlichen Leistungen. Dagegen wird jeder Euro Kindergelderhöhung auf den Regelsatz angerechnet, so dass für arme Familien davon nichts übrig bleibt.

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Während die Steuererleichterungen über die Freibeträge vom Finanzamt berechnet und unbürokratisch administriert werden, müssen arme Familien für den Kinderzuschlag oder das Bildung- und Teilhabepaket seitenlange Formulare ausfüllen, an denen sich selbst die gewieftesten Bürokaten die Zähne ausbeißen.

Die neue GroKo versagt an der Aufgabe,  Kinderarmut in Deutschland gezielt zu bekämpfen

Kein Wunder, dass nur rund 30 Prozent der Familien, die Anspruch auf den Kinderzuschlag haben, diesen auch in Anspruch nehmen.

Deshalb ist es überfällig, die Familienförderung in Deutschland vom Kopf auf die Füße zu stellen und eine Kindergrundsicherung einzuführen.

► Jedes Kind soll dem Staat zukünftig gleich viel wert sein.

► Die Kindergrundsicherung soll unbürokratisch ausgezahlt werden die bisherigen Elemente der Kinder- und Familienförderung weitestgehend zusammenfassen.

► Kinder sind keine Arbeitssuchenden. Sie haben im SGB II nichts verloren.

Leider versagt auch die neue Koalition aus Union und SPD an der großen Aufgabe, Kinderarmut in Deutschland gezielt zu bekämpfen.

Kindergelderhöhung und eine halbherzige Reform des Kinderzuschlags werden die skandalöse Kinderarmut nicht eindämmen. Notwendig ist eine große Reform aus einem Guss, die Einführung einer Kindergrundsicherung.