POLITIK
10/09/2018 13:55 CEST | Aktualisiert 10/09/2018 14:11 CEST

Hartz IV: Neue Zahlen zeigen, dass Deutschland ein gespaltenes Land ist

Auf den Punkt.

ullstein bild via Getty Images

Hartz IV oder Arbeitslosengeld? Zwischen den Ländern gibt es hier große Unterschiede.

Das zeigen neue Zahlen der Bundesregierung. Warum Deutschland ein gespaltenes Land ist – auf den Punkt gebracht.

Die Zahlen im Detail:

Bei der Bedeutung von Hartz IV für Arbeitslose in Deutschland gibt es große regionale Unterschiede.

► Bundesweit wurden zwei von drei Erwerbslosen (66,2 Prozent) im vergangenen Jahr im Hartz-IV-System betreut, bekamen also Grundsicherung.

► Nur ein Drittel (33,8 Prozent) wurde von den Agenturen für Arbeit im Bereich der Arbeitslosenversicherung betreut und bekamen Arbeitslosengeld I.

Wo vergleichsweise viele Hartz-IV-Empfänger leben:

► Den niedrigsten Anteil von Erwerbslosen im Hartz-System hatten Bayern mit 47,7 und Baden-Württemberg mit 54,8 Prozent, den höchsten hatte Bremen mit 78,1 Prozent. 

Hartz IV spielt auch in anderen Ländern die weitaus größte Rolle: in Berlin mit 74,6 Prozent, in Sachsen-Anhalt mit 72,2 Prozent, in Nordrhein-Westfalen mit 71,7 Prozent, in Brandenburg mit 70,2 Prozent und im Saarland mit 70,1 Prozent.

In den anderen Ländern lag der Anteil im Vergleich zum Arbeitslosengeld I zwischen 60,3 Prozent (Rheinland-Pfalz) und 69,5 Prozent (Sachsen).

► In Ostdeutschland insgesamt waren 70,6 Prozent der Arbeitslosen im Hartz-System, im Westen 64,8 Prozent.

Warum die regionalen Unterschiede wichtig sind:

Die Zahlen zeigen, dass das System in Teilen Deutschlands sein Kernversprechen nicht einlösen kann – nämlich, Menschen zurück in Arbeit zu führen.

Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann forderte deswegen, es müsse wieder von der Ausnahme zur Regel werden, dass die Arbeitslosenversicherung greife.

► “Die gute Finanzlage der Bundesagentur für Arbeit sollte Anlass für die Bundesregierung sein, die Arbeitslosenversicherung zu stärken und auszubauen”, forderte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin ihrer Fraktion gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

► So müssten die Hürden beim Zugang zum Arbeitslosengeld I gesenkt werden. Dafür verlange Zimmermann die Ausdehnung der sogenannten Rahmenfrist von derzeit 24 Monaten auf 36 Monate.

Der Anspruch auf Arbeitslosengeld solle bereits nach 4 Monaten Beitragszeit entstehen. Die Koalition hatte sich auf einen leichteren Zugang verständigt, allerdings in geringem Rahmen. Arbeitslose sollen demnach künftig innerhalb von 30 Monaten mindestens 12 Monate Beiträge eingezahlt haben müssen.

Mit Material der dpa.