POLITIK
05/02/2018 13:09 CET

Mutter ist zu arm für Beerdigung ihres Sohns - dann hilft ein Tätowierer

Die von Hartz-IV lebende Frau könnte nur mit einem Sozialbegräbnis rechnen.

Shutterstock / HUANG Zheng
Friedhofsstatue Kind mit Blumenstrauß in Bratislava, Slovakei.
  • Eine Mutter kann für ihren verstorbenen Sohn kein würdiges Begräbnis bezahlen 
  • Nun hilft das örtliche Tattoo-Studio mit einer außergewöhnlichen Idee weiter

Vor 13 Jahren brach Rico bei einem Ausdauerlauf zusammen, im Krankenhaus wurde Herzinsuffizienz diagnostiziert. Für ihn und seine Mutter Annett begann damit ein langer Kampf gegen die Krankheit und ein tägliches Hoffen auf ein Spenderherz.

Doch vergeblich, denn nun ist Rico mit nur 29 Jahren an den Folgen einer Infektion gestorben.

Was für jeden Angehörigen schon schwer zu verkraften wäre, ist für Ricos Mutter ein noch größerer Albtraum; sie kann ihren Sohn nicht einmal würdig bestatten. Denn Beerdigungen sind teuer in Deutschland.

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Die von Hartz-IV lebende, alleinstehende Frau könnte nur mit einem Sozialbegräbnis rechnen, das heißt, das Amt bezahlt nur die günstigste Bestattung.

Wie die Online-Zeitung “freie Presse” berichtet, würde das Kreissozialamt einen schlichten Grabstein nur dann bezahlen, wenn der im Friedhof zwingend vorgeschrieben sei.

Doch genau das ist in Mylau offenbar nicht der Fall. Rico bekäme nur eine anonyme Feuerbestattung mit Urnengrab. Weder ein individueller Grabstein, noch Blumen.

Spenden für Beerdigung – durch Tattoos

Um die trauernde Mutter zu unterstützen und für eine würdige Beerdigung zu sorgen, hat sich ein Freund nun etwas einfallen lassen. Ricco Ritter ist Tätowierer und kennt Annett schon seit vielen Jahren.

Zusammen mit seinem Kollegen Stephan Röpke lädt er am Mittwoch zu einem sogenannten “Walk-in-day” in sein Studio:

Dort kann sich jeder ohne Voranmeldung und Termin ein Tattoo stechen lassen - die Erlöse gehen auf ein Spendenkonto, von dem eine Trauerfeier für Annetts Sohn bezahlt werden soll.

“Wir möchten ihr, der Familie und Freunden einen würdigen Abschied ermöglichen. Und ihre Trauer soll einen angemessenen Ort bekommen. Sie hat sich all die Jahre aufopfernd um ihren Sohn gekümmert”, sagte Ritter der “freien Presse” und versicherte, jeder Cent der Spendengelder werde bei der Mutter ankommen.

Außer dem “Walk-in-day” haben sich Ritter und sein Kollege einen Spendenaufruf einfallen lassen, der seit Freitag auf Facebook zu sehen und bereits fast 11.000 mal angesehen worden ist.

 

 Zahl der Organspender auf historischem Tief

Bei aller Trauer möchte Ricos Mutter Annett die Aufmerksamkeit nun nutzen, um auf die Wichtigkeit von Organspenden hinzuweisen. Tatsächlich hätte Rico mit einem passenden Spenderherz wohl gute Chancen gehabt, zu überleben.

Doch Spender gibt es immer weniger. Laut einer Meldung des “Bayerischen Rundfunk” von Januar ist die Zahl mittlerweile auf ein “historisches Tief” gefallen.

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Nur 769 deutschen Spender seien im Jahr 2017 Organe entnommen worden - noch einmal 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Auf eine Million Einwohner kämen damit nicht einmal mehr 10 Spender.

Wie “Focus online” berichtet, habe Rico vor seinem Tod zu dem Tätowierer gesagt: “Wenn ich gesund werde, kannst du mich knallbunt tätowieren.” Nun kann er seinem verstorbenen Freund noch einen Abschied ermöglichen, der weniger grau ist, als vom Amt vorgesehen.

Wenn auch ihr helfen wollt, könnt ihr das unter folgendem Spendenkonto tun:

IBAN: DE04 8707 0024 0216 1560 01
BIC: DEUTDEDBCHE
Verwendungszweck: Rico

(tb)