POLITIK
16/04/2018 09:50 CEST | Aktualisiert 01/08/2018 14:29 CEST

Neue Zahlen der Bundesagentur zeigen, was das größte Hartz-IV-Problem ist

Auf den Punkt gebracht.

Im Video oben ein verwandtes Thema: So wohnen Hartz IV-Empfänger in Deutschland

Trotz Job-Boom und Rekordtief bei der Arbeitslosigkeit sind hunderttausende Menschen auf Dauer arbeitslos und brauchen Hartz IV.

Im Schnitt bleiben die Betroffenen immer länger in dieser misslichen Lage. Das geht aus neuen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. Sie zeigen, was das größte Problem des Systems ist.

Warum mehr Menschen in Deutschland länger langzeitarbeitslos sind, auf den Punkt gebracht:

Die Zahlen der Bundesagentur im Detail:

Arbeitslose Hartz-IV-Bezieher sind in den vergangenen Jahren im Schnitt immer länger ohne Job geblieben.

► So stieg die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit bei Beziehern der Grundsicherung kontinuierlich an – von 555 Tagen im Jahr 2011 auf 650 Tage im Jahr 2017. 2016 waren es noch 629 Tage.

Länger als drei Jahre arbeitslos waren im Jahr 2011 rund 298.000 Hartz-IV-Bezieher. Bis 2017 stieg diese Zahl auf rund 317.000 Menschen. “Man könnte von einer Verhärtung der Langzeitarbeitslosigkeit sprechen”, sagte der Sprecher der Bundesagentur für Arbeit.

► Die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit einer Dauer von weniger als zwei Jahrensank im selben Zeitraum allerdings um fast 100.000. Sie gelten als etwas marktnäher, haben also größere Chancen auf dem boomendem Jobmarkt.

► Die Zahl aller Langzeitarbeitslosen sank seither um 114.000 auf 809.000 Menschen im Jahresdurchschnitt 2017. Als Langzeitarbeitslose gelten offiziell alle, die länger als ein Jahr ohne Job sind.

Warum die Linke von einem “Skandal” spricht:

Auf diese Zahlen der Bundesagentur für Arbeit machte die Linke im Bundestag aufmerksam.

“Dass die Dauer der Erwerbslosigkeit im Hartz-IV-System steigt, ist ein blamables Ergebnis für die verschiedenen Bundesregierungen und leider logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands”, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann.

Seit 2010 seien die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden.

Zimmermann meinte, die Perspektivlosigkeit für Hartz-IV-Beziehende habe in den vergangenen Jahren zugenommen. “Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung Millionen Menschen aufs Abstellgleis schiebt und sie ihrem Schicksal überlässt.”

Was die Bundesregierung tun will:

Die Regierungskoalition hat Vollbeschäftigung zum Ziel erklärt. Sie will also auch Menschen, die lange arbeitslos waren, neue Perspektiven geben.

► So soll ein sozialer Arbeitsmarkt geschaffen werden. 150.000 Langzeitarbeitslose sollen mit Lohnkostenzuschüssen einen Job in Unternehmen, gemeinnützigen Einrichtungen oder Kommunen bekommen.

► In der SPD wird zudem ein “solidarisches Grundeinkommen” diskutiert: Die Mittel für Langzeitarbeitslose sollen demnach verstärkt verwendet werden, um für sie eine freiwillige und unbefristete Tätigkeit bei den Kommunen zu bezahlen.

Dem erteilte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) im “Tagesspiegel am Sonntag” eine Absage: “Ein Grundeinkommen, wie es auch immer aussieht, ist kein Projekt dieser Koalition”.

Auf den Punkt:

Die neuen Zahl der Arbeitsagentur zeigen, dass eines ihrer zentralen Versprechen für eine immer größer werdende Gruppe nicht gilt: Menschen effizient in Lohn und Brot zu bringen.

(mf)