POLITIK
14/03/2018 12:41 CET | Aktualisiert 14/03/2018 12:57 CET

Berlin: 13-Jährige berichtet über das harte Leben in einer Hartz-IV-Familie

Sie müssen ohne das große Geld erwachsen werden.

Vincius Marchi Appel / EyeEm via Getty Images
Im Urlaub war Scarlett schon lange nicht mehr (Symbolbild).
  • Scarletts Eltern beziehen Hartz IV – zum Leben bleibt der fünfköpfigen Familie 150 Euro pro Woche 
  • Die 13-Jährige erzählt, wie es für sie ist, arm aufzuwachsen

Scarlett ist 13 und wohnt in Berlin-Reinickendorf. Ihr Leben sollte das eines ganz normalen Teenagers in Deutschland sein – ist es aber nicht. Ihre Möglichkeiten sind begrenzt, denn ihre Eltern beziehen Hartz IV.

2300 Euro – das ist das Geld, mit dem Scarletts fünfköpfige Familie monatlich auskommen muss. Wie die “Berliner Zeitung” berichtet, bezieht ihre Mutter Andschana den Hartz-IV-Regelsatz, Vater Uwe kann nach einem Schlaganfall nicht mehr arbeiten und bekommt Krankengeld

Vom monatlichen Familieneinkommen gehen 849 Euro für die Miete weg, dann nochmal 500 Euro, um laufende Kosten zu decken.

Zum Leben bleiben der Familie dann noch 150 Euro pro Woche.

“Ich kann nur selten mit”

Für Shopping und Kinobesuche mit ihren Freundinnen bleibt für Scarlett nur wenig Geld übrig. “Da kann ich nur selten mit“, sagt die 13-Jährige der Berliner Zeitung. 

Auch Mutter Andschana leidet wohl unter der Situation. “Wir können nicht einfach einkaufen, was wir gerne essen“, erklärt sie im Bericht.  

Außerdem sei sie froh, wenn die Füße ihrer drei Kinder nicht so schnell wachsen. Denn: Schuhe sind teuer. 

Mehr zum Thema: Mehr Geld hilft keinem Hartz-IV-Empfänger – sie brauchen etwas ganz anderes

Je öfter solche Ausnahmekosten anfallen, desto seltener kann sich Scarlett wohl ihre Unternehmungen leisten. Nicht das tun zu können, was für die meisten ihrer Freundinnen wohl völlig normal ist, muss schwer für die Achtklässlerin sein.

Kinderarzt Dr. Stefan Schwarz spricht bei der HuffPost in so einem Fall von einer traumatisierenden Erfahrung: “Das Kind würde gerne etwas tun und kann nicht - sieht dabei aber, wie andere Kinder genau das tun können. Das drückt das Selbstbewusstsein und fördert soziale Ausgrenzung.”

Sie müssen ohne das große Geld erwachsen werden

Scarlett ist jedoch nicht die einzige, die diese Erfahrungen machen muss.

1,7 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Deutschland bekommen Hilfe vom Amt, wie das Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe berichtet.

Allein in Berlin seien es Ende 2016 demnach 174.394 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gewesen, die in Hartz-IV-Haushalten leben. 

Sie alle müssen ohne das große Geld erwachsen werden. Ohne Urlaub, ohne kostspielige Freizeitaktivitäten, ohne viele Unternehmungen mit Freunden. 

Mehr zum Thema: Hartz IV ist gescheitert, es gibt nur eine Möglichkeit, es zu ersetzen

Scarletts Mutter Andschana tut alles dafür, dass ihre Kinder trotzdem Erfolg haben – in der Schule und im sozialen Leben. 

“Alle Kinder haben Bibliotheksausweise und lesen gern“, erzählt sie der Zeitung. Scarlett habe einen Notenschnitt von 1,5 und will Abitur machen.

Sie glaubt wohl fest an ein anderes Leben für Scarlett und ihre Geschwister: Bildung sei für ihre Kinder das Tor zum Erfolg.