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18/12/2018 15:24 CET | Aktualisiert 23/12/2018 20:12 CET

Hartz-IV-Empfängerin über ihren Alltag: "Man lebt am Abgrund"

Am aktiven Leben teilzunehmen, ist nicht möglich.

mheim3011 via Getty Images
Angelika Vallen hat keine Hoffnung mehr, dass sie noch einen Job findet (Symbolbild). 

Angelika Vallen ist 60 Jahre alt und bezieht seit einigen Jahren Hartz IV. Sie findet, der monatliche Hartz-IV-Satz ist viel zu niedrig berechnet – zum Beispiel fehlt ihr das Geld für Medikamente, die sie regelmäßig einnehmen soll. Sie wünscht sich, dass der Hartz-IV-Satz angemessen erhöht wird, weil sie in ihrem Alter keine Vollzeitstelle mehr finden wird.

Hartz IV hat mein Leben zum Negativen verändert.

Ein Beispiel: Ich benötige eigentlich regelmäßig Medikamente. Die kann ich mir allerdings nicht immer leisten, weil sie mehr kosten als die 15,80 Euro,  die im Hartz-IV-Satz für Gesundheit eingeplant sind.

Dann muss man sich stets überlegen, wann und wie oft man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wohin fährt. Auch das Geld, das im Hartz-IV-Satz für den Nahverkehr eingeplant ist (34,66 Euro), würde für regelmäßige Fahrten nie ausreichen.

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Die einzelnen Posten im Hartz-IV-Satz sind zu niedrig angesetzt

So ist es eigentlich bei allen Posten, die für den monatlichen Hartz-IV-Satz festgelegt wurden – egal ob es sich um Kosten für Bekleidung und Schuhe, Strom oder Wohnausstattung handelt. Alles ist viel zu gering angesetzt!

Dann wird in den Medien gerne verschwiegen, dass seit der Hartz-IV-Einführung 2005 vieles nicht mehr bezahlt wird. Bei der Sozialhilfe gab es zum Beispiel zwei Mal pro Jahr Bekleidungsgeld, Zuschüsse für Brillen, orthopädische Schuhe oder Zahnprothesen. 

Das Schlimmste für mich war, als Ende August meine Schwester verstorben ist. Wegen Hartz IV konnte ich an der Beerdigung nicht teilnehmen, denn ich hätte nach Nordrhein-Westfalen fahren müssen und die Fahrt hätte mich über 100 Euro gekostet. Natürlich hätte ich auch entsprechende Trauerkleidung benötigt und wenigstens ein paar Blumen.

Mehr zum Thema:Hartz-IV-Empfängerin: “Meinem Hund geht es besser als mir”

Das Jobcenter war nicht bereit, mir einen Zuschuss zu gewähren auf Darlehensbasis.

Ach ja, und eigentlich müsste ich schon seit einem halben Jahr einen neuen Personalausweis beantragen. Aber wovon soll ich das bezahlen? Die Kosten für einen neuen Personalausweis werden nämlich nicht übernommen.

Also: Hartz IV bedeutet große Armut. Man lebt am Abgrund. Am aktiven Leben teilzunehmen, ist in keinster Weise mehr möglich.

Aktuelle Zahlen zu Hartz IV

► Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich auch Hartz IV genannt, ist die Grundsicherungsleistung für Hilfebedürftige. Das Gesetz, mit dem Hartz IV eingeführt wurde, wurde am 24. Dezember 2003 besiegelt.

► Derzeit beziehen etwa4,2 Millionen Menschen Hartz IV.

► DerRegelsatz wurde zum 1. Januar 2018 von 409 auf 416 Euro im Monat erhöht. Am 1. Januar 2019 wird er auf 424 Euro erhöht.

Viele verurteilen Hartz-IV-Empfänger zu Unrecht

Viele Menschen verurteilen gerade die älteren Hartz-IV-Empfänger als Schmarotzer und kennen deren Hintergründe überhaupt nicht. Bis vor ein paar Jahren bin ich zum Beispiel noch arbeiten gegangen, was dann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich war.

Ich bin nun 60 Jahre alt und zu 60 Prozent schwerbehindert. Mittlerweile bekomme ich keine Jobangebote mehr.

Auch ich habe übrigens sehr lange brav meine Steuern gezahlt und würde mich deswegen freuen, wenn Hartz IV angemessen erhöht werden würde. Damit man endlich wieder wie ein normaler Menschen leben kann!

Dieser Artikel ist Teil der HuffPost-Heiligabend-Aktion. Anlässlich des 15. Jahrestags von Hartz IV am 24. Dezember 2018 stellen wir Menschen vor, deren Leben durch Hartz IV verändert wurde. Weitere Beiträge findet ihrhier.

(ben)