NACHRICHTEN
07/06/2018 12:41 CEST | Aktualisiert 07/06/2018 13:17 CEST

Hartz-IV-Empfänger lebte im Luxus: Als Zuhälter hat er Vermögen gemacht

“Er versprach den Frauen eine gemeinsame Zukunft."

  • Der 32-jährige Ali B. steht in Hannover vor Gericht.
  • Er soll jahrelang Geld vom Staat kassiert haben, obwohl er als Zuhälter hunderttausende Euro verdiente.
  • Im Video oben seht ihr, wie Hartz-IV-Empfänger in Deutschland leben.

Ein Wolf im Schafspelz, das beschreibt Ali B. vielleicht am Besten: Der 32-Jährige galt bei den Behörden über Jahre als Fürsorgefall, kassierte Geld vom Staat.

Was keiner ahnte: Ali B. ist ein sogenannter Loverboy. Mit Prostituierten verdiente er hunderttausende Euro.

Wie die “Bild”-Zeitung berichtet, kam es in Hannover nun zu einem Urteil gegen den Betrüger aus Misburg.

Mehrere Frauen gingen für den Mann anschaffen

Doch nicht nur den Staat hat Ali B. betrogen. Der Mann aus Niedersachsen soll reihenweise Frauen um den Verstand gebracht haben. Die hätten sich aus Liebe sogar auf Arabisch “Ali, ich liebe dich” tätowieren lassen.

Doch nicht nur das: Die Frauen sollen auch für Ali B. anschaffen gegangen sein.

Die Masche der Loverboys

Als Loverboy bezeichnet man Männer, die Frauen unter falschen Vorgaben in eine emotionale Abhängigkeit locken und dann zur Prostitution nötigen. Oftmals sind die Zuhälter noch sehr jung, viele sind sogar minderjährig. 

Sie geben vor, in die Frauen verliebt zu sein, gehen scheinbar eine ernste Beziehung mit ihnen ein. 

Ein Opfer sagte der ARD in einem Interview: “Er hat gesagt, dass er immer für mich da wäre, egal was ist, und dass er meine Hand hält, egal was passiert.” 

Erst nach und nach wendet sich das Blatt. In der Regel behaupten die Loverboys, in ernsten finanziellen Schwierigkeiten zu sein, aus denen die Prostitution der Freundin der einzige Ausweg sei. 

Wenn Frauen erst einmal in die emotionale Abhängigkeit geraten sind, ist es für Familie und Freunde schwierig, sie von ihrem Loverboy zu trennen.

Umso wichtiger ist es, junge Mädchen schon früh auf die Gefahren und Warnsignale hinzuweisen. Der Verein “No Loverboys” setzt sich unter anderem dafür ein. 

Staatsanwalt Martin Lienau sagte im Prozess: “Er versprach den Frauen eine gemeinsame Zukunft, sie übergaben das Geld im Vertrauen darauf, dass er es verwahre. Ali B. lebte auf großem Fuß, obwohl er Hartz IV bekam.“

Mehr zum Thema: Happy Hartz IV: Warum wir alle vom Arbeitslosengeld II leben sollten

Zwischen Hartz IV und Harem

Ali B. lebte zwischen zwei Welten: Einerseits kassierte er jahrelang Sozialhilfe, andererseits fuhr er mit Mercedes, Audi R8 oder Porsche herum – immer auf einen anderen Namen gemietet.

Was ihm jetzt zum Verhängnis wurde: Zwei seiner Liebschaften waren erst 19 Jahre alt. Für das Rotlicht-Gewerbe also zu jung.

► Deshalb kam es zu einer Anklage gegen Ali B. wegen Menschenhandels.

Mehr zum Thema: Meine Freundin lebte von Hartz-IV – jetzt weiß ich, was Armut bedeutet

2,5 Jahre Knast für den Hartz IV-Betrüger

Laut Anklage hatte allein eine dieser Prostituierten in sechs Jahren bis zu einer halben Million Euro in diversen Bordellen für Ali B. angeschafft. Das ging laut “Bild”-Zeitung aus Schätzungen der Staatsanwaltschaft heraus.

Um das Geld sei es dem Hartz IV-Betrüger aber nie gegangen, beteuerte er vor Gericht und entschuldigte sich bei den ausgebeuteten Frauen.

► Das Gerichtsurteil sprach für sich: 2,5 Jahre Knast.

Weitere Ermittlungen wegen Sozialbetrugs und Steuerhinterziehung laufen aber noch.

(amr)