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30/08/2018 22:42 CEST | Aktualisiert 30/08/2018 22:42 CEST

Hartz-IV-Empfänger: Jobcenter-Sanktionen machen kriminell

Der 21-Jährige klagt an.

Screenshot / MDR
Hartz-IV-Empfänger Benjamin Grubba. 
  • Ein 21-jähriger Hartz-IV-Empfänger berichtet in einer TV-Sendung von seiner Situation.
  • Er wurde vom Jobcenter sanktioniert – und warnt vor der Wirkung dieser Maßnahmen. 

Benjamin Grubba ist arbeitslos, Hartz-IV-Empfänger und derzeit in einer prekären Situation. 

Der Leipziger sei vom Jobcenter sanktioniert worden, sagt der 21-Jährige dem MDR-Magazin “exakt”. Weil er sich auf ein Jobangebot nicht gemeldet habe, strich im das Jobcenter für drei Monate den Hartz-IV-Satz. Das Angebot aber habe er nie erhalten. 

Grubbas Situation zeigt, wie schwer vor allem junge Hartz-IV-Empfänger unter den Sanktionen leiden. 

Hartz-IV-Empfänger klagt an 

Grubba selbst klagt in der MDR-Sendung: “Würden die zumindest die Miete noch zahlen würden, das wäre noch gut.” Hartz-IV-Leistungen beinhalten auch, dass die Miete – bis zu einer gewissen Höhe – vom Amt übernommen wird. 

Nun erhalte Grubba lediglich Lebensmittelgutscheine im Wert von 55 Euro. Sein Konto sei fast leer. 

“Wenn die wirklich alles nehmen, dann wundern die sich, warum Leute kriminell werden und die ganzen Tankstellen ausrauben”, klagt er. 

Werden die Hartz-IV-Sanktionen reformiert? 

Hartz-IV-Sanktionen sind ein umstrittenes Thema. Kürzlich forderte erst SPD-Chefin Andrea Nahles, die Maßnahmen sollten für jüngere Hartz-IV-Empfänger gestrichen werden.  “Ergebnis sind ungelernte junge Erwachsene, die wir nicht mehr erreichen”, sagte sie. 

Die derzeitige Regelung sieht vor, dass Empfänger von Hartz IV unter 25 Jahren bereits beim ersten Verstoß die gesamte Leistung gesperrt werden kann.

Selbst die Bundesagentur für Arbeit sieht diese Regelung kritisch. “Das bereitet uns Sorge, weil die strikten Sonderregelungen bei Jugendlichen zu besonders einschneidenden Leistungskürzungen führen”, sagte Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der BA, im April

Wie es für den Hartz-IV-Empfänger weitergeht 

Eine Reform von Hartz IV ist derzeit aber nicht in Sicht. Und so muss Grubba weiter mit seinem wenigen Geld haushalten. Im vergangenen Jahr habe er hunderte Bewerbungen geschrieben, sagt er selbst. Er will arbeiten, betont er. 

Das Problem: Nach einer Knieverletzung musste er vor vier Jahren eine Ausbildung zum Maler abbrechen. Danach hielt er sich eine Zeit lang mit Jobs bei Zeitarbeitsfirmen über Wasser. Die seien immer befristet gewesen. Daher will er die Arbeit nicht mehr machen. 

Mit einem Anwalt versucht er, gegen die Sanktion des Jobcenters vorzugehen.