POLITIK
18/04/2018 16:54 CEST

Hartz-IV-Empfänger erbt 20.000 Euro, dann beginnt der Ärger richtig

Zu Geld zu kommen, ist nicht immer ein Segen

simonmayer via Getty Images
Weil das Jobcenter nicht zahlt, steht einem Mann aus Essen die Zwangsräumung bevor
  • Wegen fehlender Unterlagen zu einer Erbschaft bekommt ein arbeitsloser Essener seit zwei Jahren keine Sozialhilfe mehr
  • Inzwischen sind seine Mietschulden so hoch, dass ihm der Rausschmiss aus seiner Wohnung droht

Man sollte meinen, dass es für einen Hartz-IV-Empfänger ein Segen ist, zu Geld zu kommen. Im Fall von Marcus Stolzenberg aus Essen hat es jedoch alles schlimmer gemacht.

Wie die “WAZ” berichtet, hatte der gelernte Konditor seit 2008 Sozialleistungen bezogen. Seinen Job hätte er aufgrund einer Krankheit verloren.

Als seine Mutter 2010 starb, erbte der 47-Jährige 20.000 Euro und war nicht länger auf die Unterstützung des Jobcenters angewiesen. Doch das Geld war bald aufgebraucht: Anfang 2016 war Stolzenberg nach eigener Aussage wieder mittellos.

Und das, obwohl er trotz des Erbes “quasi weiter auf Hartz-IV-Niveau“ gelebt habe, sagte Stolzenberg der “WAZ”. 

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Die Erbschaft des Hartz-IV-Empfängers reichte nur zwei Jahre

Zunächst bezog der Essener wieder Hartz IV. Doch das Jobcenter schien Zweifel an Stolzenbergs Mittellosigkeit zu haben und habe Unterlagen zur Erbschaft nachgefordert. Nach sechs Monaten blieben die Leistungen aus. 

Die Pressesprecherin des Jobcenters, Heike Schupetta, sagte der “WAZ”: “Die Leistungsakte von Herrn S. weist über Jahre des Leistungsbezugs immer wieder große Lücken bzw. Phasen auf, in denen es unklar ist, wovon Herr S. seinen Lebensunterhalt bestritten hat.“

Damit das Jobcenter ihm wieder Arbeitslosengeld bezahlt, soll Stolzenberg deshalb Kontoauszüge für die letzten zwei Jahre vorlegen. Das Problem: Stolzenbergs Konto ist längst von der Sparkasse aufgelöst worden.

Um nachträglich Auszüge zu erhalten, sei eine Gebühr fällig, sagte man ihm. Diese konnte er sich aber nicht leisten. 

Somit erhielt der 47-Jährige lange Zeit weder ein Einkommen, noch Sozialhilfe. 

Das Jobcenter zahlte nicht: Nun droht die Zwangsräumung

Das Arbeitslosengeld II soll erwerbslosen Menschen davor bewahren, unter das Existenzminimum zu fallen. Zumindest in der Theorie. Denn genau das droht nun Markus Stolzenberg.

“Meine Vermieterin war sehr geduldig”, sagte er der “WAZ”, doch angesichts der sich immer weiter ansammelnden Mietschulden – aktuell liegen sie bei über 9000 Euro – sah sich die ältere Dame gezwungen, ihn aus der Wohnung zu klagen. Am Donnerstag ist die Anhörung vor dem Amtsgericht.

► Besonders bedauerlich: Die 40-qm-Wohnung in Holsterhausen ist günstig und die Familie würde Stolzenberg gern als Mieter behalten, berichtet die “WAZ”.

Stolzenberg hofft deshalb, seine Vermieterin noch ein letztes Mal um Aufschub ersuchen zu können. Seit Februar erhält er nämlich wieder Leistungen – ein Anwalt konnte letztlich genug Druck auf das Jobcenter ausüben

Die fälschlicherweise ausgesetzten Leistungen lassen jedoch weiterhin auf sich warten. Immerhin: Die fehlenden Auszüge erwarte man nun jeden Augenblick, sagt Stolzenbergs Anwalt. Die Gebühren seien inzwischen bezahlt worden. 

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Unterdessen macht sich der Arbeitslose auf das Schlimmste gefasst. “Meine Sachen sind in Möbelkisten verpackt”, sagt er der “WAZ”. Stolzenberg versucht dennoch den Kopf nicht hängen zu lassen: “Freunde können mich erstmal aufnehmen. Es wird schon gehen.“

(tb)