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29/11/2018 16:47 CET | Aktualisiert 29/11/2018 16:52 CET

Hartz-IV-Empfänger diskutiert mit Multijobber und zeigt, was in Deutschland schief läuft

Das Leben beider Protagonisten könnte nicht unterschiedlicher sein.

RTL / Nachtjournal
Hartz-IV-Empfänger Pulver und Multijobberin Waage diskutieren über ihr Leben. 
  • Im RTL-Format “Komm in mein Leben” treffen ein Hartz-IV-Empfänger und eine Multijobberin aufeinander.
  • Die Diskussion zwischen beiden Parteien offenbart ein größeres Problem. 

Mit Natascha Waage und Gordon Pulver treffen zwei Welten aufeinander, die kaum unterschiedlicher sein könnten. In der RTL-Sendung “Nachtjournal Spezial – Komm in mein Leben!” tauschen sich die Multijobberin und der Hartz-IV-Empfänger über ihren Alltag aus. 

► Waage findet, Hartz-IV-Empfänger seien einfach faul, erklärt sie noch vor der ersten Begegnung mit Pulver. 

“Man sorgt nicht selber für sich, sondern lebt auf Kosten anderer. Man liegt auf der faulen Haut und macht gar nichts,” erklärt sie. Sie könne Menschen nicht verstehen, die nicht arbeiten möchten. 

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Beide Parteien zeigen kein Verständnis für einander

Der ehemalige Call-Center-Angestellte Pulver sieht das ganz anders. Er sehe kein Problem darin, Sozialhilfe zu beziehen. Der Hartz-IV-Empfängerhat seit über vier Jahren keine feste Anstellung mehr und behauptet, dass ihm seine Arbeit Spaß bereiten müsse, da er sonst an ihr zerbreche. 

► Schon beim ersten Treffen beider Parteien wird klar, dass er die Multijobberin mit seiner Einstellung nicht überzeugen wird.

Pulver erklärt, dass er kein Sozialschmarotzer sei, sondern einen guten Grund dafür habe, Hartz IV zu beziehen. 

Pulver erklärt, warum er Hartz-IV bezieht

Er habe bis zur Geburt seiner Tochter vor vier Jahren gearbeitet und seinen Job aufgegeben, als die Mutter des Kindes wieder zu arbeiten anfing.

Nach der Scheidung mit seiner Frau habe er alles verloren, aber er sei dankbar um die Arbeitslosigkeit, da er nun gemerkt habe, dass er nicht mehr etwas arbeiten möchte, das ihm keinen Spaß bereite. In seinem Job im Callcenter war er zuvor unglücklich und schlecht bezahlt.

Natascha Waage, die zwei Jobs hat, um ihre Schulden zu bezahlen und den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn zu bestreiten, hat dafür wenig Verständnis. 

Kritisch hakt sie nach: Zahlst du Unterhalt, wenn ich fragen darf?” Pulver verneint. Schließlich habe er nicht genug Geld. Seine Frau erhalte einen Vorschuss vom Jugendamt, den er später zurückzahlen müsse.

Darüber zeigt sich Pulver wenig begeistert: “Ach ja, ich muss so viel irgendwann zurückzahlen. Das ist ja genau mein Problem.”

Multijobberin entsetzt über Begründung, warum der Hartz-IV-Empfänger nicht arbeiten möchte

Die Multijobberin zeigt sich verständnislos, dass er die ihrer Meinung nach offensichtliche Lösung seines Problems nicht erkennt. “Für jedes Problem gibt es eine Lösung! Arbeiten zum Beispiel...”

Allerdings entsetzt sie die Begründung Pulvers noch viel mehr. Er bezeichnet Arbeiten gehen und die damit verbundenen Abzüge wie beispielsweise Unterhaltszahlungen als Teufelskreis:

“Du gehst dann mit höchstens 1000 Euro netto nach Hause. Und wenn ich dieses Geld auf mein Konto bekomme, dann geht es los. Unterhaltszahlungen, Schulden und so weiter... das ist also dieser Teufelskreislauf.”

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Diskussion zeigt, was in Deutschland schief läuft

Das Gespräch offenbart ein viel größeres Problem: Denn trotz zwei Jobs gesteht auch Waage später, dass sie nur genug Geld habe, um langsam ihre Schulden abzubezahlen. Sie arbeitet tagsüber als Röntgenassistenz und gibt später Tanzunterricht im Pole Dance. Aufgrund ihrer Jobs habe sie keine Freizeit und laut eigenen Aussagen auch kein Privatleben. 

Die Sendung zeigt, dass es gerade für geschiedene Elternteile schwer ist, sich in Deutschland mit schlecht bezahlten Minijobs und teils niedrigen Gehältern über Wasser zu halten.

Viele sehen dann oft nur die zwei extremen Lösungswege: Mehrere Jobs und keine Freizeit oder Sozialhilfe.

(tb)