POLITIK
26/11/2018 12:42 CET | Aktualisiert 26/11/2018 13:08 CET

Hartz-IV-Debatte bei "Anne Will": Spahn provoziert mit Spruch über Einkommen

"Gewagte Aussage in einer Sendung über Hartz IV."

Yahoo Nachrichten Deutschland
  • Am Sonntagabend hat Anne Will mit ihren Gästen über die Zukunft des Sozialstaats diskutiert.
  • In der Diskussion ging es um die Pläne, Hartz IV abzuschaffen. Mit einer Aussage sorgte Gesundheitsminister Jens Spahn für Ärger im Netz. 

Es war eine heftige Diskussion, die am Sonntagabend bei “Anne Will” zwischen Gesundheitsminister Jens Spahn und der Fraktionsvorsitzenden der Linken, Sahra Wagenknecht, entbrannte.

Die Sendung widmete sich dem Thema “Arbeitswelt im Wandel – wie muss der Sozialstaat reformiert werden?”. Im Mittelpunkt der Debatte: Hartz IV. Während SPD, Grüne und Linke die Abschaffung des Sozialmodells fordern, will Jens Spahn an Hartz IV festhalten.  

“4000 Euro fällt nicht in die Kategorie reich”

Soweit, so unspektakulär. Dass Spahn ein Befürworter der aktuellen Hartz-IV-Regelungen ist, war bekannt. Doch Wagenknecht war nicht die einzige, mit der der Gesundheitsminister aneinander geriet. Auch der Gründer des Start-Ups “Mein Grundeinkommen”, Michael Bohmeyer, ärgerte sich über die Aussagen Spahns.

So hatte Spahn gesagt, dass jemand der 4000 Euro im Monat verdiene, nicht in die “Kategorie reich” falle. Bohmeyer entgegnete: “Da können sie ja Herrn Merz fragen, in welcher Kategorie man dann liegt.”

Bohmeyer spielte damit auf Aussagen des Millionärs und CDU-Politikers Friedrich Merz an. Der besitzt zwar ein Millionenvermögen, erklärt sich allerdings der oberen Mittelschicht zugehörig – womit er bei vielen Bürgern für Empörung sorgte. Auch auf Twitter provozierte Spahn mit seiner Aussage verärgerte Reaktionen.

► Ein User bemerkte: ”’4000 Euro ist nicht reich’ – gewagte Aussage in einer Sendung über Hartz4, Jens Spahn.” 

► Ein weiterer Nutzer sagte nur: “sau sympathisch der Jens Spahn. Nicht.”

► Der “WAZ”-Journalist Udo Richter schrieb: “Jens Spahn scheint wie Merz kein Verhältnis mehr zum Geld zu haben ‘4.000 Euro sind nicht reich!’ – Jemand der zum Mindestlohn arbeitet, müsste dafür 120 Stunden pro Woche schuften, Herr Minister !!”

Auch mit seiner Aussage, dass das Durchschnittseinkommen in Deutschland bei 3300 Euro brutto liege, sorgte Spahn für Diskussionen.

“Anne Will wo bekomme ich diese 3300€ her?”, fragte ein Twitter-Nutzer.  

► Ein Weiterer fragte erstaunt: “3.300 Euro Durchschnittseinkommen? Das kann doch nicht realistisch sein!”

 

An den Reaktionen zeigt sich, dass viele Menschen Spahns Aussage als realitätsfern wahrnehmen. Tatsächlich liegt der Durchschnittsverdienst in Deutschland sogar mit 3700 Euro brutto noch höher. Allerdings: Rund zwei Drittel der Deutschen verdienen weniger als das.

Der hohe Durchschnittswert wird außerdem durch wenige, die sehr viel verdienen verzerrt. Das durchschnittliche Nettoeinkommen aller Arbeitnehmer in Deutschland betrug im Jahr 2017 monatlich 1890 Euro.

(ben)