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29/01/2018 16:46 CET | Aktualisiert 29/01/2018 16:46 CET

Hartz IV & Bildungspaket: Auf diese 5 Angebote haben Kinder Anspruch

Librileo gemeinnuetzig
Kinderarmut / Bildungsarmut

Wer an die eigene Schulzeit zurückdenkt, erinnert sich vor allem an gemeinschaftliche Momente mit den Klassenkameraden: Lustige Schulausflüge, das gemeinsame Mittagsessen in der Pause oder aufregende Aktivitäten nach dem Unterricht.

Rund 21 Prozent aller Kinder und Jugendlicher leben jedoch in benachteiligten Familien, die häufig nicht die finanziellen Mittel haben, um ihren Kindern das Mitmachen an verschiedenen Freizeitaktivitäten zu ermöglichen.

Für alle diese Familien steht das Bildungs- und Teilhabepaket, kurz BuT genannt, zur Verfügung. Es unterstützt gezielt Eltern, die nach dem SGB II leistungsberechtigt sind, und soll ihnen helfen, ihren Kindern die Teilnahme an verschiedenen Aktivitäten zu ermöglichen.

Da die Anträge für die Unterstützung nicht immer selbsterklärend sind, bringt Sarah Seeliger, Gründerin und Geschäftsführerin des Leseförderprogramms Librileo gemeinnützig, mit fünf Tipps Licht in den Bürokratie-Dschungel:

1.Nur mit vollem Magen lässt es sich lernen – Mittagsverpflegung

Mit knurrendem Magen sollte kein Schüler im Unterricht sitzen. Schulen und Kitas bieten daher oft ein Mittagessen an. Aufgrund der finanziellen Lage der Eltern ist es jedoch einigen Kindern nicht möglich, bei der gemeinsamen Mahlzeit mit den Klassenkameraden teilzunehmen.

Für die Kleinsten sind solche Vorkommnisse härter als zunächst gedacht. Denn so wird ihnen ein Teil des Gemeinschaftsgefühls mit den Mitschülern genommen.

„Das Erlebnis eines gemeinsamen Mittagessens ist eine wichtige Konstante für das soziale Leben der Kinder“, erläutert Sarah Seeliger. Das Bildungspaket gewährt einen Zuschuss zu den Kosten der warmen Mahlzeit.

„Allerdings muss der Antragsteller stets einen Eigenanteil von einem Euro pro Gericht dazu beitragen. Alles, was außerhalb der Gemeinschaftsverpflegung liegt, wie etwa belegte Brötchen am Schulkiosk, wird nicht bezuschusst“, weiß Seeliger. So wird beispielsweise auch der Nachtisch als zusätzliches Angebot gesehen und muss noch einmal extra gezahlt werden.

2.Selbst dabei, statt erzählt bekommen: Schulausflüge und Klassenfahrten

Obwohl viele Eltern in ihren finanziellen Mitteln begrenzt sind, wünschen sie sich die bestmögliche Förderung für ihren Nachwuchs. „Klassenfahrten kosten in der Regel rund 500 Euro und reißen ein großes Loch in die Haushaltskasse.

Hierbei unterschätzen die Eltern oftmals den seelischen Druck, der sich durch eine schwierige finanzielle Lage aufbaut, wenn die Erwachsenen ihren Kindern Tages- oder Klassenausflüge verwehren müssen, weil das Geld einfach zu knapp ist“, fasst Seeliger zusammen.

Darum ist es wichtig, so früh wie möglich Unterstützung zu Schulausflügen zu beantragen und sich auch von den Klassenlehrern rechtzeitig über die anstehenden Tagesreisen informieren zu lassen. Das generelle Problem ist dabei eher die Bürokratie rund um das BuT.

Bildungsexpertin Seeliger: „Es gibt einfach zu viele Anträge mit verschiedensten Fristen und Ansprechpartnern. Hierbei den Überblick zu behalten, fällt dann nicht leicht und erschwert den Prozess für Antragsteller noch zusätzlich.“

3.Schulranzen, Stifte und Co.: Das Schulbedarfspaket

Ob Schulranzen oder Schreibutensilien, zu Beginn eines jeden Schuljahres brauchen Schüler und Schülerinnen neue Materialien für den Unterricht. „Die Möglichkeiten des Bildungs- und Teilhabepakets sind anscheinend immer noch nicht allen Familien ausreichend bekannt, die dies beziehen könnten“, erklärt Seeliger.

Das BuT unterstützt genau diese finanziell belasteten Familien. Jedes Schuljahr aufs Neue steht hierbei das sogenannte Schulbedarfspaket mit jährlich 100 Euro zur Verfügung.

„Hier muss beachtet werden, dass diese Förderung seit einigen Jahren auf zwei Termine aufgeteilt wurde: Zu Beginn des Schuljahres bekommen Förderberechtigte 70 Euro und für das zweite Halbjahr 30 Euro“, betont die Geschäftsführerin des Leseförderprogramms von Librileo gemeinnützig.

Die betroffenen Mädchen und Jungen haben so die Chance genau wie ihre Mitschüler mit den richtigen Materialien ausgestattet ins neue Schuljahr zu starten. Neben dem Schulranzen zählen auch Sportzeug und Bastelmaterial zur Grundausstattung, welche mithilfe der Pauschale bezuschusst werden können.

4.Lernen mit einer kleinen Stütze: Lernförderung

In einigen Familien fällt es lange Zeit nicht auf, dass das Kind eigentlich Lernförderung benötigt. Sobald die Versetzung des Nachwuchses gefährdet ist und es Fünfen und Sechsen regnet, allerdings schon.

Hier geht kostbare Zeit für die Schüler verloren, wenn nicht schnell genug darauf reagiert wird. „Weniger als ein Drittel der Betroffenen weiß überhaupt, dass ihrem Nachwuchs die Lernförderung zusteht. Denn Kinder mit einem besonderen schulischen Förderbedarf haben generell das Recht auf eine kostenlose Nachhilfe“, betont Seeliger. Hier müssen auch die Lehrer mehr Aufklärungsarbeit bei den Eltern leisten, damit diese die Lernförderung auch in Anspruch nehmen.

5.Musik, Bücher und Kultur: Soziale und kulturelle Teilhabe

Außerschulische Aktivitäten, Kulturangebote und Unternehmungen mit den Eltern: Kinder aus sozial schwachen Familien sollten von Aktivitäten, die nach der Schule oder am Wochenende stattfinden, nicht ausgeschlossen werden. Denn gerade Freizeitangebote schaffen positive Impulse für Heranwachsende.

Bei Aktivitäten wie Fußball, dem Besuch der Musikschule oder eines Museums stärken Kinder ihr Sozialverhalten und sammeln weitere wertvolle Erfahrungen. „In Berlin können Eltern beispielsweise den Berlinpass BuT beantragen.

Dieser ist ohne Altersbeschränkung und vergünstigt den Eintritt für verschiedenste Kultur, Sport- und Bildungsangebote. Unter anderem gilt der Preisnachlass in Bäderbetrieben, im Tierpark oder dem Berliner Zoo. Aber auch Bücher gehören zur Freizeitgestaltung dazu: „Gerade für Heranwachsende und deren erfolgreiche Zukunft ist es wichtig, auch in der Freizeit uneingeschränkten Zugang zu Büchern und dem damit verbundenen Wissen zu haben“, fasst Seeliger zusammen.

Mit einer Bücherbox und eigens organisierten Vorleseveranstaltungen von Librileo gemeinnützig, die ebenfalls durch das Bildungs- und Teilhabepaket finanziert werden, möchten Seeliger und ihr Team, Kindern und deren Eltern den Eintritt in die wunderbare Welt der Bücher ermöglichen.

Sarah Seeliger – Gründerin und Geschäftsführerin von Librileo gemeinnützig

Mit dem erfolgreichen Businesskonzept von kirondo startete ihre Reise und heute blickt Sarah Seeliger auf über sieben Jahre an Startup-Erfahrung zurück. Mit ihrer Liebe zu Büchern und dem Wissen, wie wichtig das Vorlesen für Kinder im frühen Alter ist, gründete sie Anfang 2015 zusammen mit ihrem Partner Julius Bertram Librileo gemeinnützig. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen aus der Unternehmenswelt, gehen Sarah und Julius die gemeinnützige Arbeit innovativer an. Sarah Seeliger lebt und arbeitet getreu dem Motto: “Man hört nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar”. Mit Librileo gemeinnützig hat sie ihre Vision fest im Blick, mit der Bücherbox allen Familien, unabhängig von ihren sozialen und finanziellen Verhältnissen, eine altersgerechte Förderung zu bieten.