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13/06/2018 08:05 CEST

Mutter lebt von Hartz IV, weil Kita-Platz fehlt – ein Anruf ändert alles

RTL-II-Doku “Hartz und Herzlich”: Franziska fühlt sich vom Staat im Stich gelassen. Sie würde gerne wieder arbeiten gehen.

  • Die RTL-II-Sendung “Hartz und Herzlich” begleitet Menschen aus dem sozialen Brennpunkt durch den Alltag.
  • In der aktuellen Folge findet die arbeitslose Franziska endlich einen KiTa-Platz für ihren Sohn – und kann so Hoffnung schöpfen.
  • Im Video oben erfahrt ihr, wie Hartz-IV Empfänger in Deutschland wohnen.

“Schmarotzer”, “Asoziale”, “Faules Pack” – Sozialhilfe-Empfänger haben in Deutschland keinen besonders guten Ruf. Viele Menschen glauben offenbar, dass jeder, der arbeitslos ist, schlichtweg keine Lust hat, arbeiten zu gehen

Faulheit oder mangelnde Bildung mögen in manchen Fällen ein Faktor sein. Das zeigt die RTL-II-Doku “Hartz und Herzlich” ganz eindrücklich. Nicht so aber im Fall von Franziska. 

Acht Jahre lang war die junge Mutter selbstständig tätig. Doch mit der Geburt ihres zweiten Kindes änderte sich ihre Situation schlagartig. “Ich habe mein Gewerbe abgemeldet, weil ich mein Kind zu betreuen habe”, sagt die 28-Jährige. 

Ihr Sohn Jonas hat einen besonderen Förderbedarf. Das erschwert es Franziska, einen Kita-Platz für ihn zu finden. So rutschte die Alleinerziehende letzten Endes in Hartz IV.  

Alleinerziehende sind besonders stark von Armut bedroht

► Nach Angaben des Statistischen Bundesamt waren 2015 rund ein Drittel aller Alleinerziehenden in Deutschland von Armut bedroht. 

Gemäß der Definition der Europäischen Union gilt ein Haushalt dann als von Armut bedroht, wenn er über weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens eines Landes verfügt.

Diese Grenze lag in Deutschland 2015 für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei einem Jahreseinkommen von 26041 Euro, für eine alleinlebende Person bei 12401 Euro.

► Im Jahr 2011 waren 40 Prozent von aller Alleinerziehenden auf Hartz IV angewiesen, um über die Runden zu kommen. 

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Franziska fühlt sich vom Staat im Stich gelassen. Sie würde gerne wieder arbeiten gehen.

“Wenn ich einen Kita-Platz hätte, würde ich von heute auf morgen wieder zu arbeiten anfangen.” Dazu müsse sie nur zum Gewerbeamt gehen und ihre Selbstständigkeit neu anmelden, sagt die 28-Jährige. 

Screenshot RTL II
Weil sie keinen KiTa-Platz für ihren Sohn fand, wurde Franziska in Hartz IV gedrängt.

Zu wenig Kita-Plätze

“Leider Gottes sehen Kitas das alle so, dass Jonas zu viel Förderung braucht”, erklärt die zweifache Mutter. Und Integrativ-Plätze, wie Jonas augenscheinlich einen bräuchte, sind rar. 

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► Denn die Betreuungssituation für Kleinkinder ist in Deutschland ohnehin schon prekär. In einigen Bundesländern kommt ein KiTa-Betreuer auf 12 bis 15 Kinder.

Eine individuelle Förderung von Kindern mit Entwicklungsverzögerung wie auch Sprachdefiziten aufgrund eines Migrationshintergrunds ist angesichts dieser Personallage so gut wie unmöglich. 

“Der Sozialarbeiter vom Jugendamt hat mir gesagt, dass er nichts machen kann. Es gibt keine Plätze”, berichtet Franziska niedergeschlagen. 

Denn: Je länger es dauert, bis Jonas unter Gleichaltrigen ist, desto größer wird sein Entwicklungsrückstand. 

Zwar gäbe es die Möglichkeit einen KiTa-Platz einzuklagen, oder gar ein Ausfallgeld einzufordern. “Das große Problem dabei ist, dass ich keine Festanstellung habe. Ich habe niemanden, der sagt: ‘Jetzt müssen Sie anfangen, zu arbeiten’”, erklärt Franziska. 

Hartz IV wider Willen

Doch dann fügt sich das Schicksal: Eine Kita-Leiterin meldet sich telefonisch bei Franziska, um Jonas einen Platz anzubieten. 

Die 28-Jährige ist euphorisch angesichts der Aussicht, wieder arbeiten gehen zu können. “Endlich mal ein Erfolgserlebnis. Finanziell wird sich ganz viel ändern. Das ist ganz viel wert.”

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Franziskas Geschichte zeigt: Die Bereitschaft zu arbeiten alleine, reicht oftmals nicht aus, um sich aus Hartz IV zu befreien. Es müssen auch die entsprechenden gesellschaftlichen Strukturen dafür geschaffen werden. 

(jds)