POLITIK
06/11/2018 07:58 CET | Aktualisiert 06/11/2018 16:59 CET

"Hart aber fair": Forscherin erklärt, warum Trump bei den Midterms siegen könnte

Elisabeth Wehling attestiert Trump eine "aggressive Sprache" – doch genau die sei sein Erfolgsfaktor.

ARD
Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling bei "Hart aber fair".
  • Anlässlich der am Dienstag stattfindenden “Midterms” in den USA hat die “Hart aber fair”-Runde über die Aussichten für US-Präsident Donald Trump diskutiert. 
  • Interessant war dabei vor allem die Analyse einer Sprachforscherin, die aufzeigte, warum Trump bei den Zwischenwahlen wohl nicht abgestraft wird.

In den Vereinigten Staaten stehen an diesen Dienstag die Zwischenwahlen, die sogenannten Midterms, an.

Es sind die ersten großen Wahlen seit Donald Trumps Amtsantritt, die Abstimmung wird deshalb als eine Art Referendum über seine bisherige Präsidentschaft gesehen. Das ist auch für ARD-Moderator Frank Plasberg Grund genug, um mit seinen Gästen bei “Hart aber Fair” Bilanz zu ziehen.

Gleich von Anbeginn zeigt sich, wie wie streitbar der US-Präsident ist. 

Während Ralph Freund, Trump-Anhänger und Vizepräsident der “Republicans Overseas Germany”, und der AfD-Vize Georg Pazderski Trumps positive Bilanz loben, zeigt sich der deutsch-amerikanische Schauspieler Walter Sittler empört über dessen Stil. Schnell wird die Diskussion hitzig.

Die Gäste bei “Hart aber fair”:

  • Peter Beyer: CDU-Bundestagsabgeordneter und Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit der Bundesregierung
  • Walter Sittler: In Chicago gebürtiger Schauspieler
  • Ralph Freund: Vizepräsident der “Republicans Overseas Germany”
  • Georg Pazderski: AfD-Politiker und ehemaliger Offizier
  • Elisabeth Wehling: Sprachwissenschaftlerin am Linguistischen Institut der Universität von Kalifornien in Berkeley

Trump hat geliefert

“Trump ist endlich mal ein Politiker der Wort hält und liefert”, sagt Freund. Das sei es, was für seine Wähler wirklich zähle.

Und tatsächlich. Ein Einspieler zeigt, Trump hat geliefert: Das Atomabkommen mit dem Iran wurde genau wie der Pariser Klimavertrag aufgekündigt, Handelszölle mit China sind in Kraft. Allesamt Wahlversprechen, die Trump tatsächlich umgesetzt hat.

Auch die Wirtschaft ist im Aufschwung und es gibt zahlreiche neue Jobs. Doch wie viel davon ist wirklich Trumps VerdienstAuf die Frage Plasbergs, wie sehr Sittler von Trumps Bilanz beeindruckt ist, sagt er:

“Erfolg muss auch für die Menschen ein Erfolg sein – sowohl im eigenen Land, als auch im fremden Land. Politik geht nur gemeinsam in einer Welt, die schauen muss, dass sie am Leben bleibt.”

Was die Jobs angeht, sieht der Schauspieler Trump eher von der guten Arbeit seines Vorgängers Barack Obama profitieren: “Seit etwa sechs Jahren (...) geht es mit den Jobs aufwärts.”

Dies habe mit Trump also gar nichts zu tun, urteilt Sittler. “Das ist eine Folge dessen, was vorher schon da war.” Dies nehme Trump nun aber für sich in Anspruch, weil er Präsident ist. Aber er schmücke sich eben mit fremden Federn.

Einseitiges Trump-Bild – sagt der AfD-Politiker 

Als Reaktion erntet Sittler für seine Aussage zweifelndes Gelächter von AfD-Politiker Georg Pazderski. Auf Nachfrage Plasbergs, warum er so vehement den Kopf schüttele, schießt der AfD-Mann los:

“Weil das einfach Unsinn ist, so wie ich das sehe. Also zu sagen, dass zwei Jahre Präsidentschaft sich nicht auswirken auf die Jobs und das alles von Obama geschaffen worden wäre, das ist doch einfach Unsinn”

US-Freunde hätten ihm bestätigt, dass mit Trump, auch die Jobs gekommen seien. Und das müsse man auch einfach mal akzeptieren.

Danach holt der AfD-Politiker prompt zu Medienschelte aus und sagt:

“Man darf nicht immer alles glauben, was in den Zeitungen geschrieben wird. Und ich frage mich sowieso, wo die meisten sich informieren.”

Gerade in der deutschen Presse würde ein sehr einseitiges Trump-Bild gezeichnet, urteilt der AfD-Politiker.

Dann grätscht Sprachwissenschaftler Elisabeth Wehling in die Diskussion – und liefert einige Fakten. Ihr zufolge habe die Obama-Regierung in den letzten 19 Monaten 4 Millionen neue Jobs geschaffen, wohingegen es bei Trump zunächst zu einer Verlangsamung der Entwicklung “runter auf 3,6 Millionen Jobs” gekommen sei.

“Das heißt, tatsächlich war die Trump-Präsidentschaft erstmal ein Abbremsen dieser geschaffenen Jobs”, sagt Wehling. 

Trump macht abhängig

Dann setzt die Spachforscherin zu einer interessanten Analyse an – und bestimmt damit die Diskussion. Demnach würden im Streit um Trump häufig zwei Dinge miteinander vermengt:

► “Erstens, wie spreche ich die Wähler an, wie hole ich sie ab bei einem Gefühl des Verlorengegangenseins. Und wie schüre ich auch ganz bewusst das Gefühl des Vernachlässigtseins.” Dieses mache Trump auch “richtig, richtig gut”, sagt Wehling.

► Auf der anderen Seite stehe eben die Programmatik. Wehling betont: “Seit Trump im Amt sitzt, haben 4 Millionen Amerikaner ihre Gesundheitsversorgung verloren”. Außerdem habe Trump Gelder aus Förderprogrammen für Frauenschutz und Fürsorge für Kinder, oder auch dem Katastrophenschutz “herausgenommen”.

Zwar spreche Trump die Gefühle des “kleinen Mannes” an, bemerkt die Sprachforscherin, er kümmere sich aber programmatisch keineswegs um ihn. Und das interessante daran sei, dass das den kleinen Mann gar nicht so sehr kümmere.

Folgt man der Analyse der Sprachforscherin, entsteht der Eindruck, dass Trump bei den Midterms gerade durch seine “aggressive Sprache” profitieren könnte. Eine Sprache, die Ängste schürt, ausgrenzt und die Bevölkerung spaltet. Diese Methode funktioniere, weil Trump sie geschickt umsetze, stellt Wehling fest.

Mit Blick auf Deutschland sagt sie, dass sich eben auch die AfD genau dieser Methode erfolgreich bediene. Der neben ihr sitzende Pazderski dürfte dies ganz genau wissen.

(mf)