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11/09/2018 10:56 CEST | Aktualisiert 09/12/2018 13:50 CET

Hirnforscher fordert bei "Hart aber fair" U18-Handyverbot - so argumentiert er

Der Hirnforscher Manfred Spitzer verglich die Handynutzung mit einem Besuch im Rotlichtmilieu.

ARD
Bei "Hart aber fair" haben die Gäste über ein Handyverbot für unter 18-Jährige diskutiert.
  • Bei “Hart aber Fair” haben die Gäste am Montagabend über ein Handyverbot für Kinder und Jugendliche diskutiert.
  • Vor allem der Hirnforscher Manfred Spitzer provozierte mit seinen Thesen.

Frankreich machte kürzlich international Schlagzeilen, als das Land ein Handyverbot an Schulen einführte. 

Sollte Deutschland nachziehen? Sind Smartphones wirklich Gift für Kinder - und auf Dauer auch für handysüchtige Erwachsene?

Oder reden so nur Fortschritts-Feinde und brauchen wir statt Verboten Smartphone-Unterricht?

Genau diese Fragen stellte auch Moderator Frank Plasberg in der aktuellen Folge von “Hart aber Fair”. Er diskutierte mit seinen Gästen über die “Gefahr Smartphone”.

Die Gäste:

Manfred Spitzer (Hirnforscher)
Thomas Heinze (Schauspieler, Vater von drei Kindern)
Yvonne Gebauer (FDP, NRW-Ministerin für Schule und Bildung)
Anne-Sophie Briest (ihre 15-jährige Tochter Faye Montana ist YouTube-Star)
Jöran Muuß-Merholz (Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge)

Hirnforscher Manfred Spitzer sprach sich gegen Smartphones an Schulen aus. Seine Argumente: Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe Handysucht als Krankheit anerkannt, in Südkorea seien schon 30 Prozent der Jugendlichen betroffen, es gebe sogar schon Camps, wo Jugendliche sich das Smartphone abgewöhnen.

Handys würden Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen verursachen, sagte Spitzer. Mädchen, die täglich drei Stunden in sozialen Medien unterwegs seien, würden mit 18 doppelt so wahrscheinlich depressiv werden wie andere. 

Außerdem würden Handys zuckerkrank machen, der Blutdruck steige, wenn das Smartphone klingelt. 

“Meine Kinder hätten mich gebeten, mich zur Adoption freizugeben”

Die anderen Gäste hielten dagegen. Medienpädagoge Muuß-Meerholz kritisierte, der Hirnforscher werte immer nur die Studien aus, die ihm passen.

“Wenn ich meinen Kindern gesagt hätte, dass sie erst mit 18 ein Handy kriegen, hätten sie mich gebeten, sie zur Adoption freizugeben”, sagte Schauspieler Thomas Heinze. 

Auch Anne-Sophie Briest, deren Tochter Faye Montana YouTube-Star ist, ist dafür, Handys an Schulen weiter zuzulassen. Allerdings: Dass teilweise schon kleine Kinder beim Füttern durch Spielen mit dem Handy ruhig gestellt würden, fände sie “echt krass”. 

Mehr zum Thema: Ab welchem Alter sollten Kinder ein Smartphone benutzen? Das raten Experten

Yvonne Gebauer, die NRW-Ministerin für Schule und Bildung, plädierte dafür, Handys an Schule pädagogisch mit eingeteilten Zeiten und Zonen zu nutzen. Sie lobte Smartphones sogar. So würden etwa Sprach-Apps in Klassen mit hohem Migrantenanteil eine schnelle Kommunikation ermöglichen. 

Hirnforscher spricht von “größtem Rotlichtbezirk der Welt”

Im Unterricht würde sie Kinder gerne mit den Handys üben lassen, Fake News schneller zu erkennen. Das brachte den Hirnforscher in Rage. “Das kann man gar nicht!”, rief er. “Sie können Bildung nicht durch Medienkompetenz ersetzen!“

Auf einen Kompromiss können sich die Gäste nicht einigen. 

Hirnforscher Spitzer blieb dabei: Handys sollten erst ab 18 erlaubt sein und wir bräuchten dafür Gesetze wie in Südkorea.

Er sagte: “Allen Eltern, die mich fragen: ‘Ab wann würden Sie Ihrem Kind das Handy erlauben?’ sage ich: Das ist der größte Rotlichtbezirk der Welt, der größte kriminelle Tummelplatz der Welt.”

Und fügte provokant hinzu:

“In welchem Alter würden Sie Ihr Kind unbegleitet in einen Rotlichtbezirk schicken?”

(ben)