POLITIK
17/04/2018 06:05 CEST | Aktualisiert 17/04/2018 13:02 CEST

"Hart aber Fair": Historiker lobt Trump – US-Amerikanerin schreitet ein

"Er untergräbt das ganze System."

ARD
Die amerikanische Journalistin Melinda Crane.
  • Bei “Hart aber Fair” bemühen sich die Gäste, Trumps Politik nüchtern zu beurteilen
  • Die amerikanische Journalistin Melinda Crane findet jedoch klare Worte für dessen Verhalten

Zumindest gefühlt war es bereits die siebzigste Polit-Talkshow über den umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump. Und doch war bei “Hart aber Fair“ am Montag etwas anders als zumeist. Moderator Frank Plasberg schaffte es, mit seinen Gästen weitgehend frei von Empörung und Untergangsszenarien über Trump zu sprechen.

Die Sendung mit dem Thema “Mit dem Finger am Abzug: Wie zügellos ist Donald Trump?” wurde so zu einer eher gemächlichen – aber in mehrerlei Hinsicht überraschenden Runde.

Die Gäste:

► Michael Wolffsohn, Historiker

► Thomas Roth, ARD-Journalist

► Jürgen Hardt, CDU-Außenpolitiker

► Melinda Crane, deutsch-amerikanische Journalistin der Deutschen Welle

► Hans-Lothar Domröse, Ex-Nato-General

Für die erste kleine Überraschung sorgte der ehemalige ARD-Washington-Korrespondent Thomas Roth. Er erklärte, für ihn sei Präsident Donald Trump “so problematisch wie“ der russische Präsident Wladimir Putin. “Man muss vor beiden gleich große Sorgen haben“, befand Roth.

Damit stellte Roth den Präsidenten eines deutschen Nato-Verbündeten auf die Stufe des langjährigen Sorgenkindes Russland, das mit seiner Unterstützung des Assad-Regimes in Syrien immerhin für den jüngsten außenpolitischen Brandherd gesorgt hatte.

Streit um den Luftschlag – oder einen Tweet?

Eine ganz andere Meinung vertrat da der General Hans-Lothar Domröse. Er wollte nicht moralisch über Trump urteilen. “He’s different”, das war das höchste der Gefühle. 

Stattdessen wollte Domröse lieber über das reden, was den Oberbefehlshaber der Vereinigten Staaten zu seinen Luftangriffen in Syrien bewogen hatte. “In diesem Land regt sich kein Mensch darüber auf, dass Assad Hunderttausende umgebracht und Millionen zu Flüchtlingen gemacht hat!”, empörte sich der Nato-Mann.

Die Luftschläge gegen Assad seien “präzise” und “gut” gewesen.

Roth hielt hier dagegen: Der Tweet, mit dem Trump die Angriffe angekündigt und Russland gedroht hatte, sei “zynisch” und “menschenverachtend” gewesen.

Domröse war das zu billig: “Aus dem Tweet halte ich mich raus. Ich bin kein Präsident, ich tweete nicht.”

Historiker über Trump: “Er liefert!”

Für die nächste ungleich größere Überraschung sorgte der renommierte Historiker Michael Wolffsohn. “Yes he can”, konstatierte er, als er über die politische Bilanz Trumps spricht.

Wolffsohn machte zwar klar: “Ich finde den Mann schrecklich.” Der Professor betonte aber auch die mutmaßlichen Erfolge des Republikaners. In Nordkorea gebe es so die Chance auf eine Denuklearisierung, im Nahen Osten Neue Allianzen und eine enge Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien.

In Syrien habe Trump gezeigt, dass mit einem “minimalen militärischen Einsatz mit niedrigen Risiko” plötzlich der Westen mitmischen könne. “He does deliver, er liefert”, resümierte Wolfssohn.

Moderator Plasberg gefiel das Urteil offensichtlich nicht. Er sprach von einer “Stinkbombe” des US-Präsidenten auf die Welt. 

Deutsch-Amerikanerin geigt Wolffsohn die Meinung

Die einzige Frau in der Runde, Journalistin Melinda Crane, stellte sich jetzt auf Plasbergs Seite – und sorgte für den Zoff-Moment der Sendung. Trump unterminiere das System, sagte sie, an Wolffsohn gewandt.

Die Beobachtung der Deutsch-Amerikanerin: “Wir haben in Amerika das polarisierteste System in der Geschichte”, und und ein “Misstrauen gegen die Institutionen”. Trump gieße innenpolitisch Benzin ins Feuer.

Außenpolitisch untergrabe Trump die Welthandelsordnung “und das ganze System”. Geopolitisch sei Trump ein Brandstifter. Cranes Beispiel: der Nationale Sicherheitsberater John Bolton. “Jemand, der Feuer sehr gerne mitanzündet. Jemand, der das Iran-Abkommen über Bord werfen will.”

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Wolffsohn ließ diese emotionale Warnung der Journalistin sichtlich nicht kalt. Fast entschuldigend signalisierte er, ihr die Expertise nicht absprechen zu wollen.

CDU-Politiker: Gut, dass wir in Deutschland leben

Was Trump so problematisch macht, fasste dann ausgerechnet der sonst blasse CDU-Politiker Jürgen Hardt zusammen.

Der befand: “Gerade in unserer heutigen komplexen Welt vertraue ich auf Politiker, die im Zweifel lieber dreimal nachdenken, bevor sie eine Entscheidung treffen.”

Die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten sei jedoch auch seiner starken Stellung im politischen System geschuldet. “Deshalb will ich auch keine Präsidialrepublik in Deutschland”, erklärte Hardt. In der Bundesrepublik fühle er sich “weitaus besser aufgehoben”.

So war – bei allen Versuchen, Trumps Politik nüchtern zu betrachten – das vielleicht Beruhigendste: Zumindest geografisch ist der US-Präsident weit, weit weg.

(ll)