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07/01/2019 16:14 CET | Aktualisiert 07/01/2019 16:14 CET

Hackerangriff gegen Politiker: Sicher ist nur, dass nichts sicher ist

Jedem Hackerangriff wohnt die Mahnung inne, dass wir uns mehr für die Zukunft interessieren müssen.

GETTY

Es ist passiert, und es wird wieder passieren. Der neuerliche Hackerangriff auf Politiker und Personen des öffentlichen Lebens hat gezeigt, dass Digitalisierung nicht nur ein Triumphzug ist, an dem nur die Guten teilnehmen wollen. Trotzdem sollten uns Hackerattacken allerdings nicht davon abhalten, Innovationen voranzutreiben. 

Im digitalen Schadenfall ist die Gemengelage zumeist unübersichtlich. Erst einmal wissen alle ganz viel und der einzelne so ziemlich nichts.

So auch Freitagmorgen. Die ersten Tickermeldungen kommen rein und informieren darüber, dass Bundestagsabgeordnete und zig Landespolitiker gehackt wurden. Ich habe in meinem Büro nachgefragt, ob wir betroffen sind. Wir prüfen. Entwarnung. Dieser Leak ging an uns vorbei.

Es gibt kein manuelles Handbuch

Welche Ziele die Angreifer verfolgen, was nun wirklich öffentlich geworden ist und wie wir damit umgehen sollen, dazu gibt es leider kein manuelles Handbuch. Mal ist von bestimmten Adressen die Rede, die veröffentlicht wurden, mal sollen es private Chats mit Familienangehörigen sein.

Nun denn, dass ich meine Frau liebe und die Haushaltsberatungen mal bis spät in die Nacht andauern und ich deshalb das lang geplante Abendessen nun doch absagen muss, ist zwar im Zweifel eine private Information. Aber was wollen Dritte damit anfangen?

17.000 Follower: Ohne Chatbots wäre das schon Netzprominenz

Im vorliegenden Fall ist es ein Nutzer, der sich Security Researcher auf Twitter nennt. Schon im November soll er angekündigt haben, dass er in Form eines Adventskalenders besagte Daten veröffentlicht.

Mehr als 17.000 Follower soll er gehabt haben. Sollten das keine Chatbots gewesen sein, ist das schon ein bisschen Netzprominenz, die der Hacker da genießt. China, Russland oder doch ein ganz anderer Angreifer? Der Account ist inzwischen gesperrt.

Warum aber ist es immer noch ein Skandal, wenn hierzulande ein Hack publik wird? Vermutlich, weil wir noch gar nicht wissen, was denn die wesentlichen Fragen der Digitalisierung wirklich sind.

“Uns reicht’s jetzt”

Nehmen Sie Forschungsministerin Anja Karliczek. In den Haushaltsberatungen für 2019 sollte es vornehmlich darum gehen, digitale Konzepte mit den nötigen Geldmitteln auszustatten und unser Land so fit für die Zukunft zu machen. Aber die Ministerin sieht das alles ganz anders.

5G-Mobilfunkfrequenzen braucht es nicht an jeder Milchkanne. Bei flächendeckendem 4G sei bereits alles im Lot. Waren Sie in letzter Zeit mal wieder mit dem Zug unterwegs? 4G überall? In Deutschland ein frommer Wunsch.

Andreas Scheuer, der dem Verkehrsministerium vorsteht und auch gleich noch die digitale Infrastruktur hochziehen soll, macht erst einmal nichts und gibt ein paar wohlgemeinte Leuchtturmprojekte aus. Aus der Kanzel funzelt es ein bisschen vor sich hin, da strahlt gar nichts ab auf andere Projekte.

Formelhaft hieße dies in beiden Fällen: “Uns reicht das” – unsere Antwort aus der FDP-Fraktion lautet: “Uns reicht’s jetzt”. Kommen wir nämlich zurück auf den vorliegenden Fall des Hackerangriffs. Wer an einem Ende versagt, der wird am anderen Ende immer krachend scheitern.

Für uns als Industrienation viel auf dem Spiel

Wir können uns raushalten, abwarten und zu sehen, wie uns andere Nationen überholen. Wir können eine schlechtere Netzabdeckung als Albanien leisten – noch. Aber dennoch steht für uns als Industrienation viel auf dem Spiel.

Alte Systeme freuen besonders diejenigen, die wissen, wie sie die Schwachstellen dieser Systeme ausnutzen können. Natürlich könnten wir einfach alle Rechner abstellen, der Schreibmaschine ein Comeback bescheren und auch sonst wieder auf Handbetrieb umstellen. Das wäre allerdings nicht der natürlich Weg von Entwicklung und Innovation – das ist Verzicht so gut wie nie.

Jedem Hackerangriff wohnt eine Mahnung inne 

Nehmen Sie die Entwicklung des selbstfahrenden Autos. Vielleicht schlagen Generationen nach uns die Hände über dem Kopf zusammen, wenn wir ihnen sagen, dass wir alle noch selbst das Lenkrad gesteuert haben. Auch dann wird es mit großer Wahrscheinlichkeit Menschen geben, die sich Zugriff auf diese Autos verschaffen und Schaden anrichten wollen.

Jedem Hackerangriff wohnt deshalb auch die Mahnung inne, dass wir uns mehr für die Zukunft interessieren müssen. Können wir mit den besagten Risiken leben und wie verhalten sie sich entsprechend zum Wohlstand, der Fortschritt erzeugt?

Auch Hackerangriffe gehören in den großen Pool des Begriffs Digitalisierung. Das wird auch eine der künftigen Aufgaben sein. Wie schaffen wir es, Digitalisierung so in das Gesamtbild einzupassen, dass wir sie als stets potentielle Gefahr hinnehmen können? Denn eines ist gewiss: Dieser Angriff wird nicht der letzte gewesen sein.

(vw)