POLITIK
07/12/2018 09:41 CET | Aktualisiert 07/12/2018 10:03 CET

Grünen-Kanzler? Bei "Illner" macht CDU-Hoffnung Kinnert brisantes Geständnis

Das konservative Zukunftsgesicht tendiert zu Grün – auch das ist eine klare Botschaft an die Partei.

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Diana Kinnert.

Wer folgt auf Angela Merkel? Wer führt ab heute Nachmittag die CDU?

Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz oder doch Jens Spahn?

Im ZDF-Talk “Maybrit Ilnner” am Donnerstagabend gab es darauf zwar keine finale Antwort, dafür viele neue Fragen.

Denn die Gäste schafften es – gewollt oder nicht – ein durchaus düsteres Bild der sich in Aufbruchseuphorie suhlenden CDU zu zeichnen.

“Zeit”-Journalistin: “Sehe nicht, wie Partei geeint werden kann”

Da war zum Beispiel “Zeit”-Journalistin Jana Hensel. Sie befand hinsichtlich des Zweikampfs zwischen Kramp-Karrenbauer und Merz: “Wir haben hier zwei Kandidaten, keiner von beiden kann die Breite der Partei hinter sich vereinen. Die Probleme beginnen am Montag.” 

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Merz und AKK stünden dann nämlich vor der Herausforderung, die Gräben, die sich während des parteiinternen Wahlkampfs aufgetan hätten, wieder zu schließen.

► Wie soll das gelingen? 

Dass es schwierig wird, zeige etwa das Beispiel Armin Laschet. Er ist Ministerpräsident in NRW, auch ihm wurde Ambition auf den Parteivorsitz nachgesagt.

Am Ende trat er nicht an – weil mit Spahn und Merz bereits zwei Westfalen im Rennen waren. “Auch das ist doch eine weitere Wunde, die geschlagen wurde.”

Hensel sieht nicht, wie die Partei wieder geeint werden könne.

CDU-Shootingstar Kinnert: “Habeck ist der bessere Kandidat” 

Und da war vor allem CDU-Jungpolitikerin Diana Kinnert. 

Sie kritisierte ”überlebte Verortungen” und “inszenierte Sicherheitsbilder” und schien dabei vor allem auf Friedrich Merz’ Wahlkampf abzuzielen. Die Partei verliere sich im Flügelkampf, ließ sie durchblicken.

Zukunftskonzepte seien da nicht mehr erkennbar.

Kinnerts Kritik: “Bei allen drei Kandidaten ist die gesellschaftspolitische Liberalität ein Defizit. Ich sehe da eine christliche Sittlichkeit, die sich teilweise homophob äußert und mit Kita- und Kinderarmut zu wenig zu tun hat.”

Es fehle eine starke Stimme für diese sozialen Themen. 

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► Wer könnte das sein?

Ihr überraschendes wie niederschmetterndes Fazit: “Der Kanzlerkandidat, der für mich die besseren Chancen hat, ist ein Robert Habeck.”

Das konservative CDU-Zukunftsgesicht tendiert also zu Grün – auch das ist eine klare Botschaft an die Partei.

Politologe von Lucke: “Merz wird Ziel kläglich verfehlen”

Auch der Politologe Albrecht von Lucke äußerte kritische Worte – vor allem in Richtung Merz. Der ehemalige Fraktionschef hatte nach seinem Polit-Comeback gesagt, er könne für die CDU wieder 40 Prozent der Stimmen gewinnen.

Von Lucke zog das in Zweifel.

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Ebenso wie die Aussage von Merz, dass er die AfD – wie behauptet – halbieren könnte.

► Kann das Vorhaben mit dem wirtschaftsliberalen Merz klappen?

“Die AfD ist maßgeblich auch ein soziales Problem”, befand der Polit-Experte. Es gehe darum, den Wählern, vor allem im Osten, ein Angebot zu machen.

Die AfD tue das, auch in Form von Hardliner Björn Höcke, der soziale Leistungen nur noch auf Deutsche konzentrieren wolle.

Wenn die CDU dem nichts entgegen setze, werde man Merz’ Ziel, die AfD zu halbieren, kläglich verfehlen.

(ben)