POLITIK
14/02/2018 18:11 CET | Aktualisiert 14/02/2018 18:13 CET

Sozialamt kürzt Rentnerin Grundsicherung, weil sie sich 80 Euro dazuverdient

“Ich kann mit so wenig Geld nicht leben."

kmatija via Getty Images
  • Eine Hamburger Rentnerin muss einen Nebenjob annehmen, um über die Runden zu kommen
  • Jetzt kürzt ihre das Sozialamt die Grundsicherung

Sie muss Treppen fegen, weil die Rente nicht ausreicht. Jetzt hat ihr deswegen das Sozialamt auch noch Gelder gekürzt.

Lieselotte Tairi aus Hamburg ist verzweifelt. Die 71-Jährige musste einen Minijob annehmen, um ihr Leben finanzieren zu können, wie die “Bild” berichtet. Acht Stunden im Monat arbeite sie als Hausmeisterin – obwohl sie herzkrank sei.

Damit verdiene sie sich monatlich 80 Euro dazu.

Das Sozialamt bemerkte den Nebenjob 

Sie bekomme nämlich nur 760,14 Euro Rente. 596,99 Euro gehen davon für die Wohnung weg, so die “Bild”. Um den gesetzlich festgelegten Bedarf zu decken, der für Alleinstehende bei 416 Euro liegt, bekäme die 71-Jährige 252,85 Euro Grundsicherung für Lebensmittel, Kleidung und alles, was sonst noch so anfällt.

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Doch damit sei jetzt Schluss, berichtet die “Bild” Das Sozialamt bekam vom Nebenjob der alten Dame Wind und kürzte ihre Grundsicherung um 50 Euro.

Bis auf den Freibetrag von 24 Euro und einer Arbeitsmittel-Pauschale von 5,20 Euro werde ihr der Lohn aus der Hausmeister-Tätigkeit jetzt von der Grundsicherung abgezogen. 

Aus dem Treppenfegen bleibe der ehemaligen Altenpflegerin damit gerade mal ein Plus von 30 Euro.

“Ich kann mit so wenig Geld nicht leben.” 

“Als ich den Kontoauszug gesehen habe, musste ich weinen”, klag Tairi. gegenüber der “Bild”. “Ich kann mit so wenig Geld nicht leben. Was soll ich denn tun?”

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Das zusätzliche Geld brauche sie dringend. Der “Bild” berichtet sie weiter, sie habe im Dezember schon nach drei Wochen ihr Dispolimit von 500 Euro erreicht. Danach hätte sie beschlossen, sich einen Job zu suchen. 

Der Ruhestand in Armut

Mit ihren Problemen ist die 71-Jährige in Deutschland nicht alleine. Für eine wachsende Zahl von Menschen in Deutschland bedeutet der Ruhestand auch ein Leben in Armut.

In den zehn vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Menschen, die für kostenlose Lebensmittel bei der Tafel anstehen, von 175.000 auf 350.000 verdoppelt. Jeder vierte Kunde des Vereins Tafel e.V. Deutschland sei dabei ein Rentner, wie die “Neue Osnabrücker” Zeitung berichtet.

Auch Lieselotte Tairi hole sich ihre Nahrungsmittel bei der Hilfsorganisation. Für einen normalen Supermarkt, reicht ihr Geld nicht.

(tb)