WIRTSCHAFT
01/06/2018 16:18 CEST | Aktualisiert 01/06/2018 17:15 CEST

Diese Gründe nennen Manager dafür, dass es keine weiblichen Chefs gibt

"Es ist schockierend."

FangXiaNuo via Getty Images
Viele Frauen wollen den Stress und den Druck im Board nicht, soll ein Firmenboss argumentiert haben.
  • Eine Studie erhebt jährlich, wie es um Gleichberechtigung in britischen Unternehmen steht. 
  • Dabei wurden jetzt Gründe veröffentlicht, die Firmen dafür nannten, keine weiblichen Chefs zu haben.

Großbritannien kämpft für mehr Frauen in Führungspositionen. Deshalb unterstützt die Regierung die sogenannte Hampton-Alexander-Studie, die jährlich den Frauenanteil in Unternehmensvorständen prüft. 

Dafür untersucht die Studie die 350 wertvollsten Unternehmen an der Londoner Börse. 

Im Zuge der letzten Erhebung wurden Firmenbosse gefragt, warum sich nicht mehr Frauen unter ihren Kollegen befinden.

Ihre Antworten machen einfach nur wütend. 

“Wir haben doch schon eine Frau im Vorstand”

“Ich denke nicht, dass Frauen gut in den Vorstand passen”, soll einer von ihnen gesagt haben. 

Ein anderer schien mit allen Vorurteilen zu argumentieren, die er über Frauen parat hatte: “Aktionäre interessieren sich nicht für Make-up – warum sollten wir es dann tun?”

Was ein Unternehmensboss unter Gleichberechtigung verstand, wurde mit dieser Aussage deutlich: “Wir haben schon eine Frau im Vorstand, also sind wir fertig – jemand anderes ist jetzt dran.”

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“Es gibt nicht so viele Frauen mit den richtigen Voraussetzungen und der Erfahrung, um einen Sitz im Vorstand zu bekommen – die Themen sind einfach extrem komplex”, antwortete ein anderer Mann. 

Viele Frauen wollen den Stress und den Druck im Vorstand nicht, soll außerdem ein Geschäftsführer argumentiert haben. 

“Es ist schockierend”

Die Antworten, die am Donnerstag ans Licht kamen, schockierten auch den britischen Business-Minister Andrew Griffiths. Sie seien ein Beweis dafür, dass Unternehmen noch ein gutes Stück Arbeit vor sich hätten, sagt er auf britischen Regierungsseite “Gov.uk”. 

“Es ist schockierend, dass einige Unternehmen denken, diese erbärmlichen Ausreden seien akzeptable Gründe, um Frauen von den Top-Positionen fernzuhalten”, sagt Griffiths. “Unsere erfolgreichsten Firmen sind die, die geschlechtliche Vielfalt meistern.”

Britische Unternehmen sind auf einem guten Weg

Schließlich hat sich in Großbritannien in Sachen Gleichberechtigung schon einiges getan: Seit 2011 hat sich die Zahl der Frauen in den 350 untersuchten Unternehmensvorständen schon verdoppelt. 

Dagegen sei die Zahl der Vorstände, die ausschließlich von Männern besetzt sind, von 152 auf 10 geschrumpft.

Trotzdem zeigen die sexistischen und vorurteilsbehafteten Ausreden der männlichen Chefs, dass das Problem immer noch nicht ganz gelöst ist – und dass die Debatte um Gleichberechtigung noch lange nicht aufhören sollte. 

(ks)