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26/01/2018 12:14 CET | Aktualisiert 29/01/2018 11:27 CET

Ich lebe jeden Monat von 800 Euro – und könnte mit 40 ausgesorgt haben

Die besten Dinge im Leben kann man nicht mit Geld kaufen.

Im achten Semester meines Studiums befiel mich eine Art Sinnkrise. Vier Jahre lang hatte ich bereits das Studentenleben genossen: Hollandrad, WG-Partys, Dosenbier, Ausschlafen.

Klar, manchmal musste ich auch drei Monate lang durcharbeiten. Aber irgendwie mochte ich das sorglose, einfache Leben, die freie Zeiteinteilung.

Auf das, was nach dem Studium kommen sollte, hatte ich so gar keine Lust. 40 Jahre lang Vollzeit arbeiten. Den Kredit für ein Reihenhaus abstottern. Abends oder am Wochenende Rasen mähen und das Auto in die Waschanlage fahren. Das klang für mich nach dem vorzeitigen Ende des Lebens.

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Dann erzählte mir ein Kumpel auf einer WG-Party von einem Kerl aus Amerika, der sich “Mr. Money Mustache“ nennt. Der hatte trotz gutem ITler-Gehalt immer einigermaßen bescheiden gelebt und etwas mehr als die Hälfte seines Einkommens gespart. So konnte er schon mit 30 seinen Job kündigen und das machen, worauf er Lust hatte.

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Es klang total abgedreht. Aber genau das war die Lösung für mich.

Ich rechnete nach: Wenn ich nach dem Studium einigermaßen verdienen und meinen Lebensstil nicht unendlich nach oben schrauben würde, könnte ich mit Mitte 30 ausgesorgt haben – sollte eine Familie dazu kommen vielleicht mit 40.

Ich fing an, ein Haushaltsbuch zu führen, meine Einnahmen und Ausgaben aufzuschreiben. Ich fragte mich: Was braucht man eigentlich wirklich für ein gutes Leben? Als Student kam ich schließlich mit ein paar hundert Euro im Monat zurecht. Warum sollte das im richtigen Erwachsenenleben grundsätzlich anders sein?

Ich besorgte mir Bücher über Geldanlage, las in Blogs und Internetforen, wie Aktienfonds funktionieren und informierte mich darüber, wie ich mein Geld am besten anlegen könnte. Schließlich sollten meine Ersparnisse für mich arbeiten,  so dass die Erträge meines Vermögens eines Tages meine Ausgaben deckten.

Als ich zwei Jahre später meinen ersten Job als Softwareentwickler antrat – zu der Zeit lebte ich gerade in England – legte ich zwei Drittel meines ersten Gehalts bei Seite.

So lebe ich glücklich von 800 € im Monat

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass viele der vermeintlich unvermeidbaren Kosten des Erwachsenenlebens für ein erfülltes Leben gar nicht nötig sind. Im Gegenteil – für die schönsten Dinge im Leben braucht man fast kein Geld.

Zeit mit dem Partner oder Freunden. Lachen, Sport, einen schönen Tag draußen an der Sonne. Kreativ sein, eine sinnvolle Beschäftigung, bei der man im “Flow“ ist und jeden Tag etwas Neues lernt. Wer all das hat, braucht eigentlich keinen Sportwagen mehr und keine Shopping-Ausflüge.

Heute lebe ich zusammen mit meiner Freundin in einer kleinen, aber gut gelegenen Wohnung in Hannover. Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit, koche mein Essen selbst.

Wenn ich doch mal etwas brauche, kaufe ich es meistens gebraucht. Ich repariere Dinge, die kaputt gehen. Sachen, die ich nicht mehr brauche, verkaufe ich.

In meiner Freizeit gehe ich am liebsten Skateboard fahren, repariere alte Computer, koche oder treffe mich mit Freunden auf ein Bier. Ich fahre auch gerne mal in den Urlaub. Aber dabei ist mir eigentlich ziemlich egal, wohin es geht. Hauptsache ich habe eine gute Zeit, treffe nette Leute und kann mich entspannen.

Und dafür muss man gar nicht viel Geld ausgeben oder weit weg fliegen.

Dadurch brauche ich selten mehr als 800 € im Monat für ein glückliches Leben. Und gerade weil ich viele Dinge eigenständig erledige oder bei Herausforderungen nach kreativen Lösungen suche, habe ich meistens auch noch mehr Spaß, als wenn ich immer nur “Geld auf das Problem werfen” würde.

Vor zwei Jahren habe ich schließlich einen eigenen Blog gestartet, auf dem ich von meinem Weg in die finanzielle Freiheit berichte. Für die Bewegung, die “Mr. Money Mustache” in den USA startete, brauchte ich nun einen deutschen Namen – die Frugalisten waren geboren.

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Drei Gründe, warum auch du Frugalist werden solltest:

Grund 1: Die Arbeitswelt hält nicht das, was sie verspricht.

“Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten“sagte Konfuzius. Der hatte vielleicht gut reden.

Was in der Theorie gut klingt, ist in der Realität gar nicht so einfach. Nicht selten entpuppt sich der vermeintliche Traumjob in der Praxis als Hamsterrad.

Überstunden, Deadlines, nervige Kollegen, Langweile, wenig Freizeit. Viele Menschen in Deutschland haben innerlich sogar bereits gekündigt und arbeiten eigentlich nur noch des Geldes wegen. Die Angst vor Einkommenseinbußen steht einem Karrierewechsel häufig im Weg.

Richtig Spaß macht die Arbeit dann, wenn man auf das Geld gar nicht mehr angewiesen ist.

Wenn man sich den Beruf suchen kann, den man liebt und es ganz egal ist, wieviel man dabei verdient.

Oder wenn man mit 40 sagen kann: Ich habe nicht mehr so große Lust, ich arbeite jetzt nur noch zwei Tage die Woche.

Wer nicht sein gesamtes Gehalt zum Leben benötigt, der kann problemlos in Teilzeit arbeiten. Oder er spart und investiert den Überschuss und ist irgendwann finanziell unabhängig von seinem Arbeitseinkommen.

Grund 2: Wir leben sowieso schon über unseren Verhältnissen

Schonmal vom Earth Overshoot Day gehört? Das ist der Tag im Jahr, an dem die Menschheit rechnerisch alles verbraucht hat, was unser Planet in einem Jahr produzieren kann.

Danach leben wir quasi auf Pump bei Mutter Natur. In den 70er-Jahren lag dieser Tag noch irgendwo im Dezember. Mittlerweile “feiern“ wir ihn schon Anfang August. Und jedes Jahr rückt er ein paar Tage weiter Richtung Januar.

Klimawandel und Umweltzerstörung sind das Produkt unseres modernen, energie- und ressourcenhungrigen Lebensstils. Selbst ein sparsamer Deutscher lebt heute schon verschwenderischer, als es unsere Erde angesichts des derzeitigen Bevölkerungsstands verträgt.

Aus diesem Grund sind dicke Einfamilien-Paläste, SUVs und Amazon-Dauershopping eigentlich total out. Wer seinen Kindern etwas Sinnvolles für die Zukunft mitgeben will, der geht mit gutem Beispiel voran und lebt auf etwas kleinerem Fuß.

Wer etwa mit dem Fahrrad fährt, Dinge lange nutzt und sie repariert statt ständig nach Neuem zu shoppen, der braucht nicht nur weniger arbeiten zu gehen, sondern lebt auch nachhaltiger.

Grund 3: Wir haben eigentlich schon alles, was wir brauchen

Die meisten von uns leben heute in großem materiellen Wohlstand. Wir haben beheizte Wohnungen, warmes Wasser, Strom und Internet kommen einfach aus der Wand.

In Supermärkten können wir das ganze Jahr über Lebensmittel aus aller Welt kaufen. Wir haben tolle Möbel, Klamotten, Fernseher und Smartphones im Überfluss.

Und trotzdem hören wir nicht damit auf, uns immer mehr und immer Neues zu wünschen.

Die gesellschaftlichen Werte, unser soziales Umfeld und die Werbung vermitteln uns permanent, dass wir mit unserem derzeitigen Lebensstandard nicht zufrieden sein dürfen. Wir denken, dass wir noch dieses Möbelstück haben oder in jenes Land in den Urlaub fahren müssen, um uns innerlich erfüllt zu fühlen.

Ich glaube, wir könnten aus den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, deutlich mehr Zufriedenheit und Lebensglück herausholen. Nur leider verausgaben wir einen großen Teil unserer Lebensenergie darauf, unseren Lebensstandard auf ein noch höheres Niveau zu hieven.

Ironischerweise übersehen wir dabei das Beste, was wir uns für unser Geld eigentlich kaufen könnten: Mehr Zeit für Hobbies und Familie, für unsere Kinder oder Freunde. Mehr Freiheit und Ruhe, um eigene Projekte und Ideen umzusetzen oder um anderen Menschen helfen zu können.

Hat dich der Frugalisten-Lifestyle überzeugt oder willst du mehr über mich erfahren? Dann schau doch mal auf meinem Blog vorbei. 

 

(amr)