POLITIK
05/08/2018 10:42 CEST | Aktualisiert 05/08/2018 12:04 CEST

GroKo-Zoff mitten in Sommerpause: Einer glaubt schon an den Koalitionsbruch

CSU-Mann Kuffer sagt der HuffPost: "Die SPD schafft sich selber ab."

Im Video oben seht ihr den Auslöser für den aktuellen Streit zwischen der CSU und der SPD. 

Eigentlich befindet sich die Berliner Politik in der Sommerpause.

Doch obwohl viele Abgeordnete – und die Kanzlerin Angela Merkel – sich im Urlaub befinden, rumpelt es in der Großen Koalition gewaltig.

Das neuste Störfeuer zündete ausgerechnet ein Außenstehender – der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Weil attackierte die CSU für ihr Verhalten im Streit um die Asylpolitik scharf.

“Seehofer und Söder haben hemmungslos das Geschäft der AfD betrieben. Ich finde das widerlich“, sagte er dem Berliner “Tagesspiegel am Sonntag“. Er sei “stocksauer“ auf die CSU, die das Ansehen der Bundesregierung nachhaltig beschädigt habe, sagte Weil.

Nun stellt sich für viele die Frage: Hält die GroKo solche Angriffe noch viel länger aus?

Kuffer (CSU): “SPD schafft sich ab”

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Michael Kuffer schießt in der HuffPost zurück: “Wir müssen uns mit dem Umstand auseinandersetzen, dass sich die SPD selber abschafft. Inhaltliche Orientierungslosigkeit wird versucht durch Rumkeilen unter der Gürtellinie auszugleichen.”

Die Koalition sieht er aber nicht in Gefahr. Er gehe davon aus, dass sich die SPD weiter an bestehende Abmachungen halten werde.

Inga Kjer via Getty Images
Michael Kuffer im Bundestag.

“Jeder muss wissen, wie er sein Profil schärft”, sagt Kuffer über die Angriffe Weils. “Ich bin kein Experte für niedersächsische Psychologie. Es ist mir auch wurscht.”

Mitsch: “Koalition wird nicht mehr lange halten”

Alexander Mitsch, Vorsitzender der WerteUnion, eines Zusammenschlusses konservativer Vertreter aus CDU und CSU, sagte der HuffPost über Weils Interview: “Das ist aus meiner Sicht völlig inakzeptabel.”

Er misst den Äußerungen des Niedersachsen größere Bedeutung zu.

Sie zeigten einerseits die Verzweiflung der SPD über “die eigene Misere”. Andererseits bestätige das Interview, “dass diese Koalition nicht mehr lange halten wird.”

Gerade eine Partei, die in Berlin und Thüringen mit den Linken zusammenarbeite, die Mitsch als “SED-Nachfolgerpartei” bezeichnet, müsse bei solchen Äußerungen zurückhaltend sein.

SPD unterstützt Weils Wut-Kurs 

Dass Weil auch von Mitgliedern der Bundestagsfraktion Rückendeckung bekommt, dürfte den Konflikt kaum entschärfen.

“Klare Ansage, klare Kante, bester Mann”, twitterte etwa Johannes Kahrs, Sprecher des Seeheimer Kreises.

Auch SPD-Chefin Andrea Nahles hatte Innenminister Seehofer zuletzt kritisiert. “Der Innenminister soll Ergebnisse liefern statt Pseudo-Debatten über von ihm so genannte Mickey-Mouse-Probleme zu führen”, forderte Nahles im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Nahles weiter: “Statt in Bierzeltreden über angebliche Medien-Kampagnen gegen ihn zu lamentieren, sollte er sich an seinen Schreibtisch setzen und die zahlreichen Probleme in seinem Zuständigkeitsbereich lösen.”

Bayern-Wahlkampf wird Fahrt aufnehmen

Besonders im Bayern-Wahlkampf könnten die Animositäten nun sogar noch einmal zunehmen. Die CSU liegt in Umfragen recht deutlich unter der als Ziel ausgegebenen absoluten Mehrheit, eine Koalitionsbildung droht umständlich zu werden.

Die SPD könnte hinter Grünen und AfD nur als viertstärkste Partei ins Ziel gehen.

Es werden hitzige Wochen.