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01/06/2018 13:33 CEST

Bekannte Feministin: "Vergewaltigungen sind nur schlechter Sex"

Die Autorin ist eine der wichtigsten Feministinnen des 20.Jahrhunderts.

AlexLinch via Getty Images
"Eine Vergewaltigung sollte mit Sozialstunden bestraft werden." (Symbolbild)
  • Die australische Feministin Germaine Greer hat fragwürdige Aussagen darüber gemacht, wie Vergewaltiger bestraft werden sollten. 
  • Statt Gefängnisstrafen würde die 79-Jährige Sozialleistungen und ein Brandmarkung der Täter vorschlagen. 

Eigentlich gilt die Australierin Germaine Greer als eine der wichtigsten Stimmen des Feminismus des 20. Jahrhunderts. 

Auch ihr Buch “The Female Eunuch” (Der weibliche Feigling) aus den Siebzigerjahren zählt zu den internationalen Bestsellern und wird als wichtiger Beitrag im feministischen Genre gewertet. 

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Greer ist dafür bekannt, mit kontroversen Aussagen den gesellschaftlichen Diskurs anzustacheln.

Doch mit ihren aktuellen Statements könnte sie einen Schritt zu weit gegangen sein. 

“Vergewaltigungen sind wie schlechter Sex”

Auf dem jährlichen “Hay Festival of Literatur and Arts” (Literatur- und Kunstfestival) in Wales, hat die 79-Jährige eine Rede über sexuelle Gewalt gehalten und dabei provokante Aussagen über das Thema Vergewaltigung gemacht.

In der Gesellschaft würden Vergewaltigungen wuchern, doch das Rechtssystem käme damit nicht zurecht, habe sie nach Angaben des Nachrichtenportals “The Guardian” gesagt.

Dass Vergewaltigungen zugenommen haben, scheint keine Neuigkeit zu sein. Vergangenes Jahr berichtete das Newsportal, dass in England und Wales laut eines Polizeiberichts die höchste Rate an gewalttätigen Vergewaltigungen europaweit herrsche.

Doch Greers Vorschlag, wie sexueller Missbrauch zukünftig gehandhabt werden sollte, schockierte nicht nur diejenigen, die selbst diese grausame Tat durchleben mussten. 

“Die meisten Vergewaltigungen beinhalten keine Verletzungen oder ähnliches”, sagte sie laut “The Guardian”. “Die meisten Vergewaltigungen sind einfach nur rücksichtslos und unsensibel. Jedes mal, wenn ein Mann zu seiner ausgelaugten Frau rüberrollt und darauf besteht, seine ehelichen Pflichten genießen zu können, dann vergewaltigt er sie. Doch so etwas würde nie vor Gericht enden.” 

Weiter habe sie gesagt, dass die meisten Menschen bei Vergewaltigungen an “gewalttätig” denken würden. Doch das sei es meistens nicht. Greers schlage deshalb vor, sexuellen Missbrauch als “nicht einvernehmlich” zu betrachten. 

“Und das ist schlechter Sex. Sex, bei dem es keine Kommunikation, keine Zärtlichkeiten, keine Erwähnung von Liebe gibt.” 

Eine “R” auf die Wange des Täters tätowieren

Wie zukünftig Vergewaltiger bestraft werden sollten, dafür habe die Feministin auch eine Idee, berichtete das Newsportal weiter.

Anstatt über die Frage der Einvernehmlichkeit zu diskutieren, habe Greers gesagt, dass das Gericht der Frau gleich Recht geben solle und im Gegenzug das Strafmaß verringern.  

200 Stunden Sozialarbeit würden mir genügen. Ich habe auch ein kleines Tattoo als gute Sache vorgeschlagen. Vielleicht ein ‘R’ auf der Hand. Obwohl ich die Wange bevorzugen würde.”  

Das “R” soll vermutlich kurz für das englische Wort “rapist”, zu deutsch Vergewaltiger, stehen.

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Die Feministin habe auch gesagt, dass sie sich dessen bewusst sei, dass ihre Aussagen kontrovers seien: “In diesen Momenten kann ich Feministinnen mich anschreien hören ‘Du banalisierst Vergewaltigungen!’.”

Bei offensichtlich gewalttätigen Vergewaltigungen solle sich das Gericht auf die Gewalt konzentrieren, welche für ein höheres Strafmaß sorgen solle, eklärte die 79-Jährige laut Newsportal. Dies sei eine bessere Alternative als lange Verhandlungen, bei denen Frauen gedemütigt würden. 

Frauen seien nur genervt

STRINGER Colombia / Reuters
Germain Greers machte kontroverse Aussagen über Vergewaltigungen.

Ihre Rede auf dem Literaturfestival habe eigentlich auf Greers neues Buch “On Rape” (Über Vergewaltigung) aufmerksam machen sollen.

Und mit dieser Rede hat die Feministin das bestimmt erreicht. 

Um mögliche Kritiker umzustimmen, habe die Autorin anschließend über ihre eigene Vergewaltigung gesprochen und erklärt, dass diese sehr gewalttätig abgelaufen sei, dass ihr Peiniger sie mehrfach verprügelt hätte.

►Doch Greer sei nie zur Polizei gegangen, denn das hätte nichts gebracht.

Auch die Nachwirkungen von Vergewaltigungen zweifelt Greer laut “The Guardian” an. Sie habe sich auf eine Statistik bezogen, die besage, dass 70 Prozent der Vergewaltigungsopfer unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden würden, wohingegen nur 20 Prozent der Kriegsveteranen dies täten. 

“Was zum Teufel soll das heißen? Etwas, das kein Zeichen, keine Verletzung, kein gar nichts hinterlässt, soll verletzender für eine Frau sein als es für einen Kriegsveteranen wäre, der gesehen hat, wie sein bester Freund von einer Bombe in die Luft gesprengt wurde?” 

Die Gesellschaft würde wollen, dass Frauen glauben, dass Vergewaltigungen sie zerstört hätten, habe sie weiter erklärt. “Wir wurden aber nicht zerstört. Wir sind ziemlich genervt gewesen, das ist es.”

Abschließend habe Greers auch die #MeToo-Bewegung und die Anklage gegen Harvey Weinstein abgetan. Am Ende würden die einzigen Gewinner, im Falle Weinsteins, die Anwälte sein.  

(ks)