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05/04/2018 19:26 CEST | Aktualisiert 06/04/2018 14:32 CEST

Die Gräueltaten in den deutschen Konzentrationslagern im Dritten Reich

Gewalt, die selbst Nazis nicht akzeptieren wollten

New Bedford, MA
70th anniversary of the liberation of the Concentration Camps - Opinion

Das Konzentrationslager Dachau wurde am 22. März 1933 gegründet. Über 206.000 Gefangene litten dort, 1/3 der Opfer waren Polen. Es war nicht nur ein Ort der Vernichtung, sondern auch eine “Trainingsstätte” für SS-Soldaten. Das KZ-Dachau wurde zum “Vorbild” für alle nachfolgenden Lager. Ab 1938 war es eine Art “Ausbildungszentrum” für Wachmänner und Leiter anderer späterer Lager dieser Art.

Im Allgemeinen beginnt die Geschichte der ersten SS-Lager im Jahr 1935 mit ca. 4000 Insassen und endet 1945 mit 1,7 Millionen Toten.

Schätzungsweise starben 1,7 Mio. Menschen in allen Konzentrationslagern und mit Abstand die meisten in Auschwitz (1,1 Mio). Allerdings darf man die KZs nicht gleichsetzen mit dem Holocaust, denn die Mehrzahl der Juden, bis zu 6 Millionen, kamen anderswo um. In einem KZ waren nie mehr als 30 % der registrierten Insassen Juden.

Konzentrationslager hatten verschiedene Funktionen, am Anfang waren sie nur als Besserungsanstalten, zur Abschreckung gedacht. Später, zu Kriegsbeginn waren Zwangsarbeiter notwendig und dann wurden KZs Orte der Hinrichtung, Sklavenarbeit sowie vor allem medizinische Versuchsanstalten.

Nicht jedes KZ war gleich

Besonders die Steinbruch-Lager in Flossenbürg und Mauthausen waren hart und todbringend.

Nicht bekannt war bisher die Unterscheidung zwischen Globocnik-Todeslagern und SS-Konzentrationslagern. Belzec, Sobibor und Treblinka gelten als Globocnic-Todeslager, bezeichnet nach SS-Führer Odilo Globocnik.

Dies sind kleinräumige Vernichtungslager, bei dem die aus dem Generalgouvernement ankommenden Menschen sofort erschossen worden sind oder mit Kohlenmonoxid vergast.

Die SS-Lager Auschwitz und Majdanek dienten zunächst als Arbeitslager, die Todesrate war geringer und besonders hier wurde die Bevölkerung aus Polen untergebracht.

Es darf nicht vergessen werden, dass das Konzentrationslager Auschwitz zu Beginn 1940 gegründet wurde und nichts mit der antisemitischen Politik des Dritten Reiches zu tun hatte. Das KZ-Auschwitz diente zunächst nur dazu die die polnische Bevölkerung zu terrorisieren.

Analysiert man alle historischen Nachrichten, die heute auch dem gewöhnlichen Leser zur Verfügung stehen, so sollte man sagen, dass die Vernichtungslager auf den von Hitlerdeutschland besetzten Gebieten in Polen mehr aus praktischen Gründen entstanden sind und nicht wegen eines polnischen Antisemitismus.

Bei dieser Gelegenheit ist anzumerken, dass es weitgehend ein unbekanntes Phänomen ist, dass Polen vielen Juden während des 2.Weltkriegs halfen.

Es ist sogar Tatsache, dass viele polnische Bürger die in den 1940er Jahren geboren worden sind, plötzlich nun ihre jüdischen Wurzeln entdecken. Der Grund? Juden, die ihre Deportation zu einem KZ erwarteten, gaben ihre Kinder an die polnischen Nachbarn ab, um deren Leben zu retten.

Diese jüdischen Kinder wurden von ihren nun polnischen Eltern getauft und als Polen bezeichnet. Das Ergebnis hiervon ist, dass es heute in Polen eine große Gemeinschaft von Christlichen Juden gibt, welche auf die “versteckten Kinder” zurückzuführen ist.

Bundesarchiv_Bild_183-H26996
KZ_Dachau,_Verbrennungsofen

Aber zurückkommend zu den zwei unterschiedlichen Typen von Konzentrationslagern.

Zwischen den Globocnik-Todeslagern und SS-Konzentrationslagern herrschte eine Art Konkurrenzkampf und man versuchte sich gegenseitig sogar zu übertrumpfen. Todesstatistiken wurden mit Stolz weitergereicht.

Und der Massenmord an Juden im Osten und dann den Polen war ein offenes Geheimnis in ganz Deutschland. Fast jeder wusste davon.

Kriegsgefangene und jüdische Arbeitssklaven

Auch die Wannsee-Konferenz 1942 sollte man unter verschiedenen Aspekten betrachten. Zunächst ging es nämlich dort um die Koordinierung der Ermordung der Juden. Nur 6 Tage nach der Konferenz schickte Himmler allerdings ein Fernschreiben an die Konzentrationslager.

Himmler kündigt an, die KZs sollen sich vorbereiten, in den nächsten 4 Wochen zahlreiche Juden aufzunehmen. Hintergrund ist folgender: Zu dieser Zeit gab es zahlreiche sowjetische Kriegsgefangene in den Lagern, die als Arbeitssklaven zum “Aufbau Ost” eingesetzt waren und extrem schlecht behandelt wurden, die Sterblichkeit war sehr hoch.

Man glaubte aber, es in Zukunft jedoch unendlichen Nachschub an sowjetischen Kriegsgefangenen gäbe. Nachdem die Wehrmacht im Krieg in die Defensive geriet, kamen immer weniger Kriegsgefangene in den Lagern an. So wurden die Juden plötzlich als Ersatz für diese Kriegsgefangenen gebraucht.

Quälerei und Schrecken

Sadistische Gewalt gab es auch schon in frühen Lagern, etwa 1933 im Konzentrationslager Dachau bei München.

Dabei wurden besonders brutale Aufseher extra ausgesucht. Die Auswahl erfolgte eher zufällig. Die junge SA und SS Generation (zwischen 20 und 30) war damals allgemein sehr brutal.

So war es auch mit Hans Cramer, dem Bürgermeister von Dachau, der ab Herbst 1939 Bürgermeister von Leslau wurde. In Leslau wurden Juden schon im Oktober 1939 gezwungen den Judenstern zu tragen.

Bis heute gibt es in Warschau Menschen, die Nachkommen der deutschen Minderheit sind und auf ihre Verwandten aus Leslau stolz zurückdenken. Sie bekennen sich offen dazu, mit dem Bürgermeister Hans Cramer aus Leslau blutsverwandt zu sein.

Donald E. Jackson, 40th Combat Engineer Regiment
Bodies piled up in front of the crematorium at Dachau, May 1945

Was jedoch die Vorgehensweise in dem KZ-Dachau angeht muss gesagt werden, dass gerade in diesem Lager die Grausamkeit und Sadismus kaum übertroffen werden konnte.

Das KZ in Dachau ist zu dem fragwürdigen “Ruhm” gekommen, eine der besten Leichenhalle zu sein in der viele medizinische Autopsien für Forschungszwecke der Naziärzte durchgeführt worden sind.

Auch zog man den Häftlingen die Haut runter, welche für die Verarbeitung von exlusiven Handschuhen, Sattelhosen, Hausschuhen und Handtaschen für SS benutzt worden ist. Besonders suchte man Gefangene aus, die eine schöne ebene Haut hatten - aber auch tätowierte Haut war sehr beliebt.

Das KZ-Dachau war generell ein Ort, an dem viele pseudomedizinische Experimente an Gefangenen durchgeführt worden sind.

In Dachau arbeiteten unter anderem Prof. Dr. med. Claus Schilling, Dr. Sigmund Rascher, Dr. Heinrich Schütz, Prof. Dr. Dr. med. Erich Hipke, Prof. Dr. August Weltz und viele andere. Diese Experimente hatten den Fokus auf die die Einleitung und Behandlung von Sepsis und Malaria.

Körperverletzungen durch den Aufenthalt in dünner Luft, die Auswirkung auf den Körper von Meerwasser, das Trinken von Meerwasser und viele andere. Von ungefähr 6.000 Häftlingen, die diesen Experimenten unterzogen wurden, überlebten 2073 nicht.

Gewalt, die selbst Nazis nicht akzeptieren wollten

Der Terror in den frühen Lagern entsprang direkt der “Weimarer Kultur politischer Gewalt”.

Besonders in Preußen interessierten sich Innenministerium, Polizei und Staatsanwaltschaften durchaus für Gewaltanwendung und unerklärliche Todesfälle in den Lagern.

Sogar Göring wollte Lager wieder schließen. Schwerbewaffnete Polizeieinheiten umzingelten Lager, es gab Festnahmen. Aber SA und SS errichteten auf eigene Faust neue Lager.

Besonders Himmler hat von Anfang an diese Gewalttakte vorangetrieben und selbst die Behörden des Naziregimes haben den Machtkampf mit Himmler schnell verloren. Hitler hat die Finanzierung sichergestellt, hielt sich aber geschickt von den Lagern fern.

Doch spätestens 1941 hatte man alle Hemmungen abgelegt. Es begannen die Euthanasie-Aktionen (Aktion T4). Zunächst begutachteten T4 Ärzte die Gefangenen und sortierten die Schwachen sofort aus. Die Mühe der Einzel-Selektion hat man sich aber auch bald nicht mehr gemacht.

Die Ärzte gingen zu Massen-Selektionen nur anhand von Akten über. Kurze Zeit später brauchte man die Ärzte überhaupt nicht mehr. Es wurde so schnell vernichtet wie möglich. Man experimentiert mit Genickschussanlagen und Massenerschießungen.

Das Töten musste humaner werden, für die SS-Einheiten, nicht für die Opfer. Zunächst sollte Alkohol helfen, denn SS-Männer, die umkippen, weil sie Massenerschießungen durchführen sollen werden von den Kameraden verhöhnt.

So wurden Gifte den Häftlingen gespritzt. Und bald wird in Auschwitz die Gaskammer erfunden. Der SS Veteran Fritzsch Karl brüstete sich damit, diese erfunden zu haben. Kommandant Höß verbessert die Methode, indem die Gaskammern direkt neben die Krematorien standen; wieder war man stolz auf die Entdeckung.

KZ-Befreiung nicht immer ein Weg in die Freiheit

Als vor Kriegsende Amerikaner und Russen sich den Lagern näherten, gab Himmler die Losung aus, dass keine KZ-Insassen dem Feind in die Hände fallen dürfen. Es beginnen die verlustreichen Todesmärsche.

Ziel war aber nicht, die Häftlinge zu vernichten, sondern man wollte sie als Geiseln behalten. Die größte Angst war aber von der Presse, wenn die Lager befreit werden. Deshalb sollten keine Zeugen zurückbleiben.

Nach der Befreiung durch die Alliierten ging das Sterben in den Lagern aufgrund Schwäche und Krankheiten zunächst weiter, die Befreier waren nicht vorbereitet auf das Elend und fanden auch viele Lager eher zufällig.