WIRTSCHAFT
12/04/2018 22:07 CEST

"Lohnt es sich, Menschen zu heilen?": Goldman Sachs verbreitet abartige Studie

Die Investmentbank rät der Pharmaindustrie davon ab, ihre Kunden gesund zu machen.

Eduardo Munoz / Reuters
Das Gebäude der Investmentbank Goldman Sachs in New Jersey. 
  • Die Investmentbank Goldman Sachs hat einen Marktreport für die Pharmaindustrie veröffentlicht
  • Darin empfiehlt sie: Menschenleben retten und Patienten gut versorgen sind ein schlechtes Geschäftsmodell

Presst man die gesamte Gier der Pharma-Industrie in einen einzigen Satz, dann käme wohl genau diese Frage heraus, die sich die Investmentbank Goldman Sachs in einer aktuellen Studie stellte: “Lohnt es sich, Menschen zu heilen?” 

Die Antwort jedes normal denkenden Menschen auf diese Frage ist: Natürlich. Man muss nicht den hippokratischen Eid schwören um sich sicher zu sein, dass die Medizin dazu da ist, das Leid kranker Menschen zu lindern und sie wieder gesund zu machen. 

Nun denken die Analysten bei Goldman Sachs aber nicht normal. Sie denken an Profit. Den ihrer Kunden – und vor allem den ihrigen.

Und so ist die Antwort ihres Berichts vom 10. April mit dem Titel “Die Genom-Revolution” auf die Frage, wie lohnenswert es ist, Menschen zu heilen, eben nicht natürlich. Sondern: Nein.

Genetische Medizin als “Herausforderung für anhalten Cash-Flow” 

Der US-Sender CNBC berichtete als erstes über den internen Bericht von Goldman Sachs an ausgewählte Kunden in der Biotech-Branche. 

Darin heißt es:

“Das Potential, Behandlungen zu entwickeln, die schon nach einer Anwendung die Heilung vollbringen, ist der attraktivste Aspekt der Gentechnik. Allerdings sind solche Behandlungen ganz anders zu betrachten, wenn es darum geht, ein bleibendes Einkommen zu erzielen.” 

Zwar würden genetische Behandlung, die Patienten sofort wieder gesund machten, für die Patienten selbst und auch für die Gesellschaft einen enormen Wert haben. Aber: “Diese Behandlungen könnten auch eine enorme Herausforderung auf der Suche nach einem anhaltenden Cash-Flow sein.” 

► Heißt im Klartext: Wenn die Pharma-Industrie dafür sorgt, dass ihre Produkte die Menschen sofort und langanhaltend gesund machen, wäre das laut Goldman Sachs schlecht für das Geschäft. 

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Wenn Investmentbanker über die Gesundheit der Menschen urteilen

Die Analysten bringen dafür laut CNBC auch ein menschenverachtendes Beispiel.

Eine Gen-Behandlung gegen Hepatitis C namens GILD habe dazu geführt, “dass die Verfügbarkeit von behandelbaren Patienten immer geringer wurde” – gerade auch, weil mehr gesunde Menschen dafür sorgen würden, dass sich weniger Menschen mit Hepatitis C anstecken würden. 

► Ein guter Markt für Gentherapie wäre also einer, in dem die Zahl der Patienten stabil bleibe – so wie etwa bei Krebserkrankungen – und “das Geschäft ertragreich bleibt”.  

Die Analysten von Goldman Sachs finden deshalb drei “Lösungen” für das “Problem” ihrer Pharma-Kunden. 

1. “Sucht euch große Märkte” – das heißt, Krankheiten, die sich mehr und mehr ausbreiten. 

2. “Schafft Produkte für Krankheiten, die bereits häufig auftreten” – vorgeschlagen werden vor allem solche, die schlimme und ständige Beschwerden auslösen. 

3. “Konstante Innovation und Erweiterung des Portfolios” – es gebe hunderte Genkrankheiten, aus denen sich noch Profit schlagen lasse. 

Die Analysten wollten sich gegenüber CNBC nicht zu ihrer inhumanen Studie äußern. Womöglich wissen sie selbst, wie abartig und menschenverachtend diese ist. 

Schließlich ist ihre Quintessenz nur eins: Leid, Angst und Tod sind gut für das Geschäft.   

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