LIFESTYLE
13/07/2018 12:19 CEST | Aktualisiert 13/07/2018 13:58 CEST

Ich dachte nie, dass ich mit 42 Single bin – und es liebe

"Heute bin ich mein eigener Wegbereiter."

JENN MARONEK
"Ich bin so dankbar, dass ich mich durch meine Scheidung selbst gefunden habe."

Im Sommer 2009, kurz vor meinem 33. Geburtstag, wurde ich in eine Scheidung verwickelt – dafür schämte ich mich und fühlte mich abnormal, verloren und ehrlich gesagt wie ein wertloses Stück Scheiße.

Ich bin Krankenschwester. Mein Job ist es, anderen zu helfen. Leider habe ich es irgendwie geschafft, mich nicht nur in meinem Beruf um Menschen zu kümmern. Das macht mich zu einem herausragenden Ko-Abhängigen in Beziehungen, wie mir mein Therapeut erklärte.

Meine Ehe war extrem toxisch und ich erstickte an all ihrem Gift. Ich konnte nichts anderes tun, als verzweifelt an der Liebe und Wertschätzung festzuhalten, die ich so sehr wollte. Aber ich konnte sie nicht fühlen.

Auch nach der Scheidung konnte ich mich noch immer nicht auf diese Gefühle einlassen. Ich fühlte mich an Punkt A gefangen und kämpfte, um nach B zu kommen.

Ich musste aufhören, mich anzupassen

Als ich neu anfing, fiel es mir schwer, die Erwartungen der Gesellschaft oder meiner sozialen Kreise nicht überzubewerten. Meine eigenen Erwartungen wurden von den Lebenswegen beeinflusst, die meine verheirateten Eltern, Schwestern und Freunde gegangen waren. 

Ich hatte Ideen, wie ich meine Familienträume noch in die Tat umsetzen konnte und glaubte, ich müsste mich beeilen, weil ich mich dem “fortgeschrittenen Heiratsalter” nährte.

Also packte ich es an: Ich versuchte, Männer bei meinen Hobbys zu treffen, auf der Arbeit, allein in der Bar, beim Online-Dating und durch Freunde – alles ohne Erfolg. Es gab ein paar wundervolle Momente voller Gelächter und Geflirte, aber die meisten dieser Dates waren schmerzhaft und ich konnte keine Verbindungen und keinen Funken fühlen.

Meine lahmen Dating-Abenteuer machten mir klar, dass ich aufhören musste, mich im Leben anzupassen. Mir wurde klar, dass ich nicht Mr. Right finden musste, um echtes Glück zu empfinden. Nachdem ich das verstanden hatte, war ich auf dem richtigen Weg zu wahrer Kraft und innerem Frieden. 

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Ich lernte meine Intuition kennen

Ich lernte, mich um mich selbst zu kümmern und habe Zeit gefunden, Sachen zu priorisieren und zu verfolgen, die ich genieße.

Ich verwöhne mich leidenschaftlich gern mit gesundem Essen und Sport, aber ich habe habe auch meine Liebe zu spirituellen Handlungen wie Tarot, Meditation und Erdung in der Natur entdeckt.

Diese Sachen lassen mich meine Intuition spüren und zeigen mir, mich auf sie zu verlassen. Ich klammere mich nicht länger an Gefühle, sondern sporne mich stattdessen innerlich an, mich als selbstsichere, unabhängige Frau selbst zu entdecken und zu erforschen.

Heute bin ich mein eigener Wegbereiter. Mit neuem Sinn für Freiheit, Selbstentfaltung und Widerstandskraft. Ich habe meine eigenen geistigen Mauern und die Angst vor Einsamkeit durchbrochen.

Heute bin ich stolz darauf, als befreite Frau für mich selbst einzustehen und die Welt allein und selbstsicher zu bereisen. Ich kann selbst die Hand heben und mir meine eigenen Taxis rufen und bin stolz darauf, dass ich mich selbst dort hinbringe, wo ich hin muss. Ich habe sieben bunte Stempel im Pass – Kontrollvermerke für Erfolg – und die geben noch nicht mal wieder, wo ich in den USA überall gelebt habe und hingereist bin. 

Der Weg meiner Selbstfürsorge führte mich letztendlich auch zu der bewussten Entscheidung, keine Kinder zu bekommen. Aber ich habe Freude daran, zu wissen, dass ich eine Art Mutter für meine Patienten sein kann. Ich wische immer noch Ärsche ab und habe mit Blut, Schweiß und Tränen zu tun, vor allem bei Traumapatienten. Dann gehe ich heim und lade mich wieder auf.

Ein gesundes, zufriedenes Single-Leben

Versteht mich nicht falsch: Es gibt Augenblicke – Feiertage, Geburtstage, sogar der Valentinstag – an denen der Kampf mit der Einsamkeit hart wird. Aber wer sagt, dass man als Single keine Romantik und keinen Spaß haben kann? Ich genieße lebhafte Gesellschaft immer noch, lade mich selbst zu Dates ein und liebe es, neue Sachen auszuprobieren.

Ich kaufe mir jede Woche frische Blumen und nehme ein Blubberbad bei Kerzenschein, weil ich es mir wert bin. Das Haus, das ich gebaut habe, ist mein eigenes und ich genieße die Freiheit zu wissen, dass meine Angst vor Einsamkeit mich nicht gefangen hält.

Mein Heilungsprozess dauerte lange – fast neun Jahre – doch ich nähre mich Punkt B. Ich lebe mit mir selbst im Einklang und bin selbst der Partner, nachdem ich immer gesucht habe. Ich lebe ein angeregtes, zielstrebiges Leben als gesunder, zufriedener und vollständiger Single. 

Die Beziehung zu mir selbst hat Vorrang

Ich bin immer noch offen für die Idee, einen gut aussehenden, witzigen Partner zu finden, mit dem ich mein Leben verbringen kann. Aber es sollte ein gleichberechtigter Partner sein, der etwas zu meinem Leben beiträgt und nichts abzieht.

► Das ist Beziehungsmathematik.

Mit jemand zusammen zu kommen heißt, zu erfahren, was man wirklich wert ist. 

Und das Beste ist, dass ich wirklich nicht alleine bin. Meine Freunde und Familie, sowohl Verheiratete als auch Singles, haben mir beigestanden und mich angefeuert, als ich Verantwortung für mich selbst und mein Glück übernommen habe.

Sie sind meine Gemeinschaft. Sie bewundern meine Stärke. Und sie erinnern mich daran, dass “Ehe und Kinder” nur ein Weg sind – ein anderer und nicht notwendigerweise ein besserer. 

Ich bin gespannt, was die Zukunft wohl bringt. Egal was, ich weiß, dass ich mein Leben nicht um einen anderen Menschen herum planen werde, um mich selbst glücklich zu machen.

Diese schöne Beziehung zu mir selbst hat Vorrang. Ich bin so dankbar, dass die Reise nach meiner Scheidung, mir all das gelehrt hat, und entzückt, mit fast 42 Jahren immer noch Single zu sein. 

Der Text erschien zuerst in der US-Ausgabe der HuffPost und wurde von Moritz Diethelm aus dem Englischen übersetzt. 

(nc)