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13/03/2018 21:17 CET | Aktualisiert 13/03/2018 21:17 CET

Globaler Moosbefall

Globalisierung. Der Begriff hat Konjunktur. Fraglos. Als wäre das Phänomen was Neues. Gerade mal von gestern. Oder allenfalls von vorgestern. Dabei ist die Globalisierung so alt wie die (un-)menschliche Geschichte, die aufgezeichnete und die mythische. Beide erzählen nämlich von Eroberungskriegen. Und damit von Globalisierung. Innerhalb der Grenzen der damals bekannten, eroberten Welt(en). Um nichts anderes ging’s bei Homers Ilias. Und dann bei Alexander dem Großen. Und wenige Jahrhunderte später bei Cäsar. Und bei Trajan. Oder dem British Empire. Globalisierung, Vernetzung durch Eroberungen.

Urbi et orbi

Eine neue, „geistliche“ Dimension brachte das Christentum. Schon vor zweitausend Jahren. Urbi et orbi. Und ein paar hundert Jahre später der Islam. Spirituell ambitioniert beide, aber deswegen nicht weniger kriegerisch. Beide sehr erfolgreich. Fundamentalistische Globalisierungsdynamik mit effizienter Wirkung. Bis vor kurzem beispiellos in der Geschichte der globalisierten Menschheit.

Und heute? Eine neue Qualität der Globalisierung. Ein neuer Fundamentalismus. Mit durchschlagender Wirkung. Rund um den Globus. Der Fundamentalismus des Geldes. Auch als Kapitalismus geläufig. Da und dort auch als freie Marktwirtschaft. Oder als Staatskapitalismus. Unterstützt von der Digitalisierung aller Welten. Und von google und facebook. Und Gates und Zuckerberg.

Der freie Verkehr von Kapital, Waren und Dienstleistungen ist allerdings nur de jure eine Dreifaltigkeit. Eine unheilige dazu. De facto jedoch höchst einfältig. Ohne Moos nix los, wie der Volksmund weiß. Und von diesem globalen Moosbefall ebenfalls betroffen: Die Immobilienbranche. Und das ebenfalls nicht erst seit gestern. Mit der in dieser Branche wohl zu allen Zeiten üblichen Bereicherungspraxis. Bramante: ein wunderbares Beispiel. Erster Baumeister des Petersdoms mit dem Drang, Teile klerikalen Investments in die eigenen profanen Taschen zu stopfen. Am Anfang immobiler Globalisierung: ein Skandal. Und was für einer.

Unterirdisch fließende Kapitalströme

Die Globalisierung der Immobilienbranche, ein Phänomen sui generis? Nein. Lediglich ein Sekundärphänomen. Folge einer virtuellen Dimension von Wirklichkeit, messbar in quasi unterirdisch fließenden Kapitalströmen. Und deswegen so anfällig für Begehrlichkeiten. Gesehen hat den globalen Geldfluss nämlich noch niemand. Oder haben Sie 500-Euro-Noten schon mal fließen sehen? In einem weltumspannenden Strom? Eher schon fließen und versickern sehen wir die Bitcoinsströme.

Das Geld wird genauso virtuell hin- und hergeschoben wie der Messeturm in Frankfurt. Oder die verbriefte Rendite der Petronas-Towers in Kuala Lumpur. Der globale Moos-, pardon, Kapitalmarkt macht vor nix und niemand halt. Noch nicht mal vor den immobilen Bollwerken der spirituellen Fundamentalisten. Ob der Papst schon ein Angebot von einem Private Equity Fonds vorliegen hat? Zum Beispiel für die Übernahme des Petersdoms. Oder der Sixtinischen Kapelle. Verkauft. Und zurückgemietet. Wenn nicht für Ewigkeiten, so doch zumindest für zweitausend Jahre. Was für eine Transaktion.