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17/10/2018 20:14 CEST

Gewaltakt in Schule mit 19 Toten erschüttert die Halbinsel Krim

Bei der Untersuchung am Tatort fanden die Ermittler noch einen zweiten Sprengsatz.

Sergei Malgavko via Getty Images
Bewaffnete Sicherheitskräfte in Kertsch.
  • In einer Berufsschule auf der Krim ereignet sich ein blutiges Drama.
  • Zunächst gehen die Behörden von einem Terrorangriff aus und bringt sogar Panzerfahrzeuge in Stellung – doch dann nimmt der Vorfall eine andere Wendung.

Ein brutaler Angriff in einer Schule mit mehr als ein Dutzend Toten hat die von Russland annektierte ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim erschüttert. Ein Schüler tötete 19 Menschen und verletzte mehr als 40 Mitschüler, wie die Behörden am Mittwoch in der Stadt Kertsch mitteilten.

Der 18-Jährige soll in der Kantine eine mit Metallteilen gefüllte Bombe gezündet haben und auf seine Mitschüler geschossen haben. Daraufhin habe er sich nach Angaben des Staatlichen Ermittlungskomitees selbst erschossen. Sein Körper sei in der Bibliothek der Schule gefunden worden, hieß es.

“Das ist eine Tragödie” 

Der Vorfall ereignete sich in einer Berufsschule in der Stadt Kertsch auf der ukrainischen Krim, die sich Russland 2014 einverleibt hatte. Völkerrechtlich gilt die Halbinsel aber noch immer als Teil der Ukraine. Sowohl Kremlchef Wladimir Putin als auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko drückten den Opfern und den Familien ihre Anteilnahme aus.

“Warum das für uns so wichtig ist? Weil das ukrainische Staatsbürger sind”, schrieb Poroschenko auf Facebook. “Wenn ukrainische Staatsbürger umkommen, wo immer das auch geschieht, dann ist das eine Tragödie.” Putin sagte, die russischen Ermittler würden alles notwendige dafür tun, den Fall und das Motiv aufzuklären. Es sei klar, dass in Kertsch ein Verbrechen geschehen sei, sagte Putin.

- via Getty Images
Verletzte werden in Krankenhäuser gebracht.

Zweite Bombe explodierte nicht

Die Stadt liegt ganz im Osten der Halbinsel Krim. Von dort führen eine Fährverbindung und seit diesem Jahr auch eine Brücke auf das russische Festland. Russland reagiert auf alle Vorfälle auf der Krim sehr nervös, denn die Annexion der Halbinsel ist international nicht anerkannt.

Moskau fürchtet vor allem Unruhe unter den Krimtataren, die loyal zur Ukraine stehen. Vor dem Schulgebäude fuhren deshalb gepanzerte Mannschaftstransporter auf. Auch die Sicherheitsmaßnahmen an der Brücke wurden verstärkt. Die Ukraine erhöhte ihrerseits die Sicherheit an den wenigen Übergängen von und zur Krim.

Zunächst waren die russischen Behörden von einem Terroranschlag ausgegangen. Deshalb setzten sie auf der Halbinsel auch starke Sicherheitskräfte in Marsch. Als sie später jedoch einen Schüler aus dem vierten Lehrjahr als mutmaßlicher Täter identifizierten, wurde nur noch wegen Mordes ermittelt. Auf Bildern einer Überwachungskamera war nach Angaben der Behörden zu sehen, wie der 18-Jährige mit einer Waffe in der Hand das Gebäude betrat.

Bei der Untersuchung am Tatort fanden die Ermittler auch einen zweiten Sprengsatz, der jedoch nicht explodiert war. Die Bombe sei unschädlich gemacht worden, hieß es von der Einsatzleitung. Wie der junge Mann an die Munition gekommen war und ob er Komplizen bei der Vorbereitung hatte, war bislang nicht bekannt. Laut dem russischen Nachrichtenportal “Lenta.ru” habe der Verdächtige vor einigen Monaten die Erlaubnis erhalten, legal Waffen zu kaufen.

Russland hatte 2017 einen großen Terroranschlag erlebt

Die meisten Opfer waren jugendliche Schüler des berufsbildendenden Kollegs. Sie starben nach Angaben der Ermittler vor allem an Schusswunden und nicht durch die Explosion. Der Regierungschef der Krim, Sergej Aksjonow, ordnete noch am Nachmittag eine dreitägige Trauerzeit an.

Russland hatte im vergangenen Jahr einen großen Terroranschlag erlebt, als in der U-Bahn von St. Petersburg bei einer Explosion mehr als ein Dutzend Menschen getötet worden wurden. Die Tat wurde einem Mann aus Zentralasien zugeschrieben, der sich der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen haben soll. Auch Amokläufe an Schulen hatte es Russland bereits vorher gegeben, allerdings nie mit so schweren Folgen wie in Kertsch.