POLITIK
27/08/2018 10:52 CEST | Aktualisiert 27/08/2018 15:06 CEST

Krawall in Chemnitz: „AfD-Abgeordneter erklärt Selbstjustiz zur Bürgerpflicht“

Der Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier erklärte Selbstschutz vor "Messermigration" zur "Bürgerpflicht".

  • In Chemnitz kam es am Sonntag nach einer Messerattacke zu einem spontanen Aufmarsch von Rechtsextremen und Jagdszenen gegen Migranten.
  • Der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier stellte in Reaktion auf die Eskalation das Gewaltmonopol des Staats in Frage. 
  • Im Video oben seht ihr die erschreckenden Aufnahmen der Rechtsextremisten.

Der Sonntag ist ein schrecklicher Tag für die Stadt Chemnitz

Auf einem Stadtfest kommt es in der Nacht von Samstag zu Sonntag zu einer Messerstecherei, zwei Menschen werden schwer verletzt, ein Mann stirbt. Laut Berichten handelt es sich bei den Tätern mutmaßlich um einen Migranten, die Polizei hat das noch nicht bestätigt.

Das Fest wird am Sonntag abgebrochen – auch, weil sich etwa 1000 rechte Demonstranten spontan versammeln und durch die Straßen ziehen. 

Die Lage eskaliert, rechte Hooligans rufen “Deutsch, sozial und national” oder “elendes Viehzeug” und beginnen, Menschen, die mutmaßlich einen Migrationshintergrund haben, durch die Stadt zu jagen. Die Polizei schaut scheinbar überrumpelt zu. 

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Es sind erschreckende Bilder, die da aus Sachsen durch Deutschland gehen. Doch der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier feiert die Übergriffe auf Migranten – und ruft offen dazu auf, dass Bürger statt dem Staat das Recht durchsetzen.

AfD-Politiker lobt Übergriffe auf Migranten in Chemnitz

Frohnmaier schrieb auf Twitter über die marodierenden Demonstranten in Chemnitz: “Wenn der Staat die Bürger nicht mehr schützen kann, gehen die Menschen auf die Straße und schützen sich selber. Ganz einfach!”

Das bedeutet: Der AfD-Politiker zweifelt offen das Gewaltmonopol des Staats an. 

Und das in drastischen Worten. Frohnmaier schrieb bei Twitter: “Heute ist es Bürgerpflicht, die todbringendendie ‘Messermigration‘ zu stoppen! (sic)”

Screenshot

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Empörung über Chemnitz-Tweet des AfD-Manns Frohmaier

Viele Nutzer auf Twitter zeigten sich empört über den Aufruf des AfD-Politikers.

Der ehemalige “Stern”-Chefredakteur und Herausgeber der Zeitschrift “Capital” Andreas Petzold schrieb: “Um Stimmung zu machen tritt die AfD den Rechtsstaat nach Bedarf in die Tonne.” 

Der grüne Landtagsabgeordnete Lasse Peterson aus Schleswig-Holstein erinnerte daran, dass Frohnmaier einst auf einer Demonstration den Satz “Wenn wir kommen, wird aufgeräumt!” verwendete. 

Er schrieb auf Twitter: “Heute ist er Abgeordneter des Bundestages. Und er meint es offenbar immer noch ernst mit rechter Gewalt und Selbstjustiz.”