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30/01/2018 14:27 CET | Aktualisiert 30/01/2018 14:27 CET

Gesundheitswesen: Hürden bei der Digitalisierung der Medizin in Deutschland

Der Digitalisierungsgrad des deutschen Gesundheitswesens ist im internationalen Vergleich und innerdeutschen Branchenvergleich gering. Trotz politischer Bemühungen scheinen bestimmte Hürden den Digitalisierungsprozess stark zu hemmen. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die Vertreter u.a. von folgenden Organisationen interviewt wurden: GKV-Spitzenverband, CompuGroup Medical SE, Techniker Krankenkasse, Verbraucherzentrale Bundesverband, Bundesministerium für Gesundheit, Bundesärztekammer, Universitätsklinikum Heidelberg, Bundesverband Managed Care und DEGAM. Insgesamt wurden 18 repräsentative Experten mit semi-strukturierten Interviews zu Hürden und Lösungsansätzen der Digitalisierung des Gesundheitswesens befragt. Die Auswertung erfolgte mittels Thematic Analysis nach Braun und Clarke.

Hinter der Studie steht ein bekanntes Autorenteam aus Gesundheitsökonomen und Medizinern: Pascal Nohl-Deryk, Arzt (Erstautor, Medizinische Fakultät, Ruhr-Universitat Bochum), Jesaja Kenneth Brinkmann, cand. med. (Erstautor, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Universität Hamburg), Prof. Dr. med. Ferdinand Michael Gerlach, MPH (Goethe-University Frankfurt, Institute of General Practice, Frankfurt), Prof. Dr. rer. Oec. Jonas Schreyögg und Dr. rer. oec. Dmitrij Achelrod (FB Betriebswirtschaftslehre, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Lehrstuhl für Management im Gesundheitswesen, Universität Hamburg).

Das Ergebnis:

Bei Selbstverwaltung und Ärzteschaft fehlen teilweise der Wille und eine potente Organisationsstruktur, um die Digitalisierung nachhaltig voranzubringen. Auf akteursübergreifender Ebene wird hervorgehoben, dass ein fehlender Nutzennachweis und Interoperabilität ein primäres Hemmnis darstellen, die aktuelle Gesetzgebung und Finanzierung hingegen kaum. Lösungsansätze werden insbesondere in einer Stärkung der Patientenrolle und in gesetzlichen Regelungen gesehen. Insbesondere Infrastrukturausbau und Interoperabilität würden ein koordiniertes, staatliches Eingreifen erfordern. Eine positive Kommunikation über Möglichkeiten und Nutzen digitaler Lösungen sei zusätzlich wichtig.

Ein fester politischer Wille und eine übergreifende Strategie, die durch ein Kommunikationskonzept begleitet wird, sind dringend erforderlich: „Gesetzgeberisch können verbindliche Vorgaben, Fristen und Sanktionen für die Selbstverwaltung hilfreich sein, gleichzeitig sollten Anwender früh mit in die Entwicklung eingezogen werden und positive Anreize zur Nutzung digitaler Lösungen geschaffen werden.“

Weiterführende Informationen:

Hürden bei der Digitalisierung der Medizin in Deutschland – eine Expertenbefragung

CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 2017.