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24/06/2018 22:55 CEST | Aktualisiert 24/06/2018 22:55 CEST

Gesund und gut fürs Klima: Warum wir eine veränderte Ernährungsweise brauchen

Unsere Ernährung hat großen Anteil an der globalen Erwärmung. Um den Klimawandel abzuwenden, darf jeder Mensch insgesamt maximal zwei Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr hervorrufen. In Deutschland verursacht jeder von uns durch seine Ernährung 1,5 Tonnen Treibhausgase. Die Produktion tierischer Lebensmittel wie Milch, Eier und Fleisch verbraucht ein Vielfaches an Energie im Vergleich zum Anbau von Obst, Gemüse und Getreide. Während beispielsweise ein Kilogramm Gemüse 150 Gramm CO2-Äquivalente verursacht, sind es bei einem Kilogramm Rindfleisch 13.500 Gramm. In der Haltung von wiederkäuenden Rindern, Schafen und Ziegen sowie beim Anbau von Futtermitteln entstehen neben CO2 auch die Klimagifte Methan und Lachgas.

Auf Basis von Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat der Lebensmittelhersteller „nu3“ 2018 zwei Analysen erstellen lassen, die zeigen, welches Land und welche Region in Deutschland die meisten CO²-Emissionen verursachen, wenn es um Ernährung geht.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Konsum von tierischen Lebensmitteln:

· Fleischverbrauch: Männer aus Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen konsumieren mit 62,78 kg pro Jahr am meisten Fleisch und Wurst.

· Frauen aus Rheinland-Pfalz weisen mit 26,28 kg den geringsten Fleischverzehr auf.

· Milch und Käse: Hier liegen Männer aus Bremen mit 125,56 kg weit vorn: Sie konsumieren am meisten (69,72 kg Milch und Käse verspeisen dagegen die Saarländer-Frauen im Durchschnitt - das ist der geringste Wert in Deutschland).

· Eier: Mit 10,59 kg pro Jahr ist der durchschnittliche Eier-Verbrauch bei Männern aus Mecklenburg-Vorpommern am höchsten und mit 4,75 kg bei Frauen aus dem Saarland am niedrigsten.

· Summe aller Produkte: Den durchschnittlich höchsten Verbrauch und den größten CO2-Abdruck mit 1.962,90 kg CO2 / Person / Jahr verursachen die Sachsen. In der Klimabilanz schneiden die Rheinland-Pfälzer mit 1.656,23 Kg CO2 insgesamt am besten ab.

Die zweite Analyse zeigt den jährlichen CO²-Ausstoß pro Einwohner in 130 Ländern weltweit - basierend auf elf verschiedenen tierischen und nicht-tierischen Lebensmitteln. Die Daten geben Aufschluss über die zum Verzehr bestimmte Menge an tierischen Produkten (Schweinefleisch, Geflügel, Lamm- und Ziegenfleisch, Fisch, Eier und Milch – inklusive Käse) und pflanzlichen Produkten (Weizen und Weizenprodukte, Reis, Sojabohnen, Nüsse – inklusive Erdnussbutter) im jeweiligen Land.

Internationaler CO2-Vergleich nach Konsum von tierischen und nicht-tierischen Lebensmitteln:

· Höchster CO²-Ausstoß pro Jahr: In Argentinien ist der CO²-Ausstoß, der durch tierische Produkte verursacht wird, mit 305,81 kg pro Jahr am höchsten (die argentinische Bevölkerung kann durch eine Umstellung von tierischer auf pflanzliche Ernährung den größten Einfluss auf die Umwelt ausüben).

· Niedrigster CO²-Ausstoß pro Jahr: In Bangladesch ist der CO²-Ausstoß durch tierische Produkte mit 21,36 kg pro Jahr dagegen am niedrigsten.

· Deutschland: Deutschland liegt im internationalen Vergleich auf dem 38. Platz mit einem durchschnittlichen jährlichen CO²-Ausstoß pro Person von 147,37 kg.

· Lamm und Ziegenfleisch (35,02 kg) und Rindfleisch (30,86 kg) verursachen die meisten CO2-Emissionen. Mit 3,54 kg Schweinefleisch, 1,77 kg Nüsse (inklusive Erdnussbutter) und 1,60 kg Fisch folgen erst weitere tierische und nicht-tierische Lebensmittel.

Der “Fleischatlas 2018” von Heinrich-Böll-Stiftung, BUND und Le Monde Diplomatique präsentiert zahlreiche Grafiken, Zahlen und Fakten rund um Fleischproduktion und -konsum in Deutschland. Er steht hier kostenlos zum Download zur Verfügung.

Wie jeder seine Klimabilanz verbessern kann

· Mit jedem Verarbeitungsschritt eines Lebensmittels verschlechtert sich seine Energiebilanz. Deshalb sind wenig verarbeitete Vollkornprodukte gesund und gut fürs Klima.

· Die Herstellung und Lagerung von Tiefkühlprodukten und konservierten Lebensmitteln benötigt mehr Energie als die Erzeugung frischer, saisonaler Produkte. Am besten sind deshalb frische Lebensmittel vom Wochenmarkt, die schnell verbraucht werden.

· Weniger Fleisch zu essen hat gesundheitliche Vorteile und ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

· Auf Butter, Sahne und Käse, die keine gute Klimabilanz haben, muss keinesfalls verzichtet werden – es genügt schon ein sparsamerer Umgang.

· Bio-Lebensmittel schneiden in Bezug auf Klimaverträglichkeit meistens besser ab als konventionelle. Vor allem bei Rindfleisch, Kartoffeln und Tomaten gibt es große Unterschiede: Rindfleisch aus ökologischer Haltung verursacht etwa 15 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen – bei Kartoffeln und Tomaten beträgt der Unterschied sogar fast 30 Prozent (Hintergründe zur Bedeutung und zum Einsatz der EU-Bio-Siegel bei memolife).

· Obst und Gemüse aus der Region haben kurze Wege hinter sich. Die Transportstrecke macht allerdings nur einen geringen Anteil von etwa drei Prozent an den Gesamtemissionen der Lebensmittelherstellung aus – mit Ausnahme von Flugware. So ist im Frühjahr der Schiffstransport von Äpfeln aus Chile weniger klimaschädlich, als die lange Lagerung deutscher Äpfel in Kühlhäusern bis zu diesem Zeitpunkt. Die meisten Transportemissionen werden auf dem Weg vom Laden nach Hause frei.

· Wer den Weg zum Einkaufen mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegt, tut nicht nur seiner Gesundheit, sondern auch der Umwelt etwas Gutes. Würden deutsche Bundesbürger doppelt so viele Kilometer mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen wie bisher, könnten fünf bis sechs Millionen Tonnen CO2 zusätzlich im Jahr eingespart werden. (Quelle: Bundesumweltministerium).

· Ein klimafreundlicher Speiseplan enthält möglichst viele regionale und gleichzeitig saisonale Zutaten. Saisonkalender helfen, nicht den richtigen Zeitpunkt für reifes Obst und Gemüse zu verpassen.

In 10 Minuten kann jeder seine persönliche Klimaschutzbilanz erstellen. Die eigenen Daten können für die Bereiche Zuhause, Unterwegs, Ernährung und Konsum in den CO2-Rechner des WWF eingegeben werden – als Ergebnis erhält jeder eine detaillierte persönliche Bilanz. Außerdem kann ein CO2-Konto angelegt werden, das die Ergebnisse speichern und für unterschiedliche Jahre vergleichen kann.

Weitere Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben. Amazon Media EUS.à r.l. Kindle Edition 2017.

Petra Pinzler, Günther Wessel: Vier fürs Klima. Wie unsere Familie versucht, CO2-neutral zu leben. Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München 2018.