ELTERN
26/02/2018 10:24 CET | Aktualisiert 26/02/2018 11:57 CET

So bestimmt das Verhältnis zwischen Geschwisterkindern ihr späteres Leben

Forscher haben das jetzt in einer neuen Studie herausgefunden.

Catherine Delahaye via Getty Images
Die Forscher untersuchten 452 kanadische Geschwisterpaare, die zwischen 18 Monaten und 4 Jahren alt waren.
  • Forscher haben herausgefunden, dass Geschwister Einfluss auf das Einfühlungsvermögen des jeweilig anderen haben
  • Das Geschlecht und Alter spielt dabei keine Rolle - nur jüngere Brüder haben weniger Einfluss auf die Empathie ihrer älteren Schwester

Die Beziehung zu Geschwistern prägt ein Leben lang. Einige verstehen sich ohne Worte, die anderen streiten um jede Kleinigkeit. Aber abgesehen von den charakterlichen Zusammenstößen, kann es die Entwicklung eines Kindes stark beeinflussen, wenn es mit einem Bruder oder einer Schwester aufwächst.

Daher ist Empathie ein wesentlicher Faktor in der Entwicklung eines Kindes, denn diese Fähigkeit hilft ihm, mit anderen Menschen zurechtzukommen.

Kinder, deren Geschwister liebevoll, herzlich und unterstützend sind, entwickeln größere Empathie, als Kinder, deren Geschwister diese Charaktereigenschaften nicht besitzen.

Das haben jetzt Forscher der University of Calgary, Université Laval, Tel Aviv University, und der University of Toronto durch eine Studie herausgefunden.

Die Geschwister beeinflussen sich gegenseitig

Das Ziel der 18-monatigen Untersuchung war, herauszufinden, ob das Level der Empathie des einen Geschwisterkindes eine Auswirkung auf das andere Kind hat. 

Das Ergebnis zeigt, dass jeweils junge und ältere Geschwister gegenseitig positiven Einfluss auf ihr Einfühlungsvermögen haben – und das über lange Zeit hinweg.

“Oft wird davon ausgegangen, dass die älteren Geschwister und die Eltern den größten Einfluss auf das Sozialverhalten der jüngeren Geschwister haben, allerdings nicht umgekehrt”, sagt Marc Jambon, promovierter Mitarbeiter der University of Toronto.

Mehr zum Thema: Was mit Kindern passiert, die vor dem zweiten Lebensjahr mit dem Smartphone spielen

Forscher filmten das Verhalten der Familien

Die Forscher untersuchten 452 kanadische Geschwisterpaare, die zwischen 18 Monaten und vier Jahren alt waren. Die Forscher haben die Familien der Kinder regelmäßig zu Hause besucht und ihren Umgang miteinander gefilmt. Die Mütter haben zusätzlich Fragebögen ausgefüllt.

Die Empathie der Kinder wurde durch eine interessante Methode gemessen: Einer der Forscher täuschte vor traurig oder verletzt zu sein, indem er sich zum Beispiel sein Knie anschlug, ein Lieblingsgegenstand verlor oder den Finger in seiner Aktentasche einklemmte. 

Daraufhin wurden die Reaktionen und Gesichtsausdrücke der Geschwister beobachtet.

Mehr zum Thema: Ein Hirnforscher erklärt, was Kinder mehr als alles andere brauchen

Jüngere Brüder haben wenig Einfluss auf die Empathie

Die Forscher haben auch untersucht, ob der Altersunterschied und das Geschlecht bei der emphatischen Entwicklung eine Rolle spielt.

Doch laut der Studie gibt es keinen Unterschied, die Ergebnisse sind gleich. Es gibt nur eine Ausnahme: Jüngere Brüder haben keinen großen Einfluss auf die Empathie einer älteren Schwester.

Und: Der Einfluss von älteren Geschwistern war größer, wenn der Altersunterschied zwischen den beiden Geschwistern weit auseinander lag, was bedeutet, dass sie effektive Lehrer und Vorbilder für die Jüngeren waren.

(tb)