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22/02/2018 17:00 CET | Aktualisiert 22/02/2018 17:00 CET

Geschäftsreisen: Nachhaltige Lösungen für Unternehmen und Mobilitätsmanager

mixetto via Getty Images

Der Verkehrssektor hat in Deutschland einen erheblichen Anteil an den Treibhausgasemissionen. Verantwortungsvolle Unternehmen achten darauf, die von ihnen verursachten Emissionen im Bereich Mitarbeitermobilität und Geschäftsreisen möglichst gering zu halten. In diesem Bereich steckt großes Potenzial für eine bessere ökologische Unternehmensbilanz.

Seit über zehn Jahren beschäftigt sich der Verband Reisemanagement e. V. (VDR) in einem Fachausschuß intensiv mit den Themen Nachhaltigkeit und CSR. Dabei unterstützt er auch technische Entwicklungen, mit denen Dienstreisen auf sinnvolle Art substituiert werden können. Es werden Handlungsempfehlungen (Standardinstrumente, grüne Elemente in Reiserichtlinien, CO2-Emissionsberechnungen etc.) ausgesprochen und Strategien für grüne Geschäftsreisen zu entwickeln. In welchem Maße sie umgesetzt werden, ist eine Frage der jeweiligen Unternehmenspolitik. Zur Sicherstellung ihrer Umwelt- und Qualitätsstandards ihrer Produkte und der laufenden Optimierung des Kundenservice sind Geschäftsreisen in Unternehmen unvermeidbar und werden künftig weiter zunehmen.

Doch wie sind Dienstreisen in deutschen Unternehmen optimal organisiert? Wo sind die Vorreiter? - Vor allem dort, wo die Gesamtstrategie des Unternehmens nachhaltig ausgerichtet ist. Soweit möglich und sinnvoll legen Mitarbeiter und Führungskräfte der memo AG in Greußenheim Langstrecken mit der vergleichsweise umweltverträglichen Bahn zurück. Als Geschäftskunde der Deutschen Bahn reisen sie durch den Einsatz von 100 % Ökostrom klimaneutral. Alle Mitarbeiter, die regelmäßig unterwegs sind, erhalten vom Unternehmen eine BahnCard. Außerdem hat das Unternehmen einen Partnervertrag mit einem Autovermieter abgeschlossen, um Langstrecken mit der Bahn zu tätigen und anschließend bei Bedarf für die Weiterfahrt in ländliche Gegenden auf einen Mietwagen zu wechseln. Um die aus dem Außendienst resultierende Steigerung der Geschäftsreisen im Rahmen zu halten, werden (soweit möglich) mehrere Kunden innerhalb einer Geschäftsreise besucht.

Innerhalb Deutschlands wird grundsätzlich nicht geflogen, und auch bei Reisen in angrenzende Länder wird, wo sinnvoll und abhängig von der Zugverbindung, die Bahn gewählt. Komplett vermeiden lassen sich Flugreisen natürlich nicht. Da jedoch Lieferanten aus Deutschland und Europa bevorzugt werden, wurde beispielsweise in den Jahren 2015 und 2016 lediglich eine einzige Flugreise, die 438 kg CO2-Emissionen verursachte, unternommen (Quelle: memo Nachhaltigkeitsbericht 2017/2018).

Die Barmenia zählt zu den großen unabhängigen Versicherungsgruppen in Deutschland. Nachhaltigkeit ist fest in den Unternehmenszielen verankert. Im Bereich Mobilität versucht das Unternehmen z. B. mit E-Tankstellen, einem E-Mobil-Kurierfahrzeug, emissionsfreien Bahnreisen und vergünstigten Jobtickets Akzente zu setzen. Dennoch gibt es beim Mobilitätsverhalten der Mitarbeiter und in der Gesellschaft noch großes Potenzial. Deshalb stand beim letzten Nachhaltigkeitstag des Unternehmens für Mitarbeiter die Beratung über den öffentlichen Nahverkehr, Fahrräder oder auch Pedelecs bis hin zu Elektromobilen im Fokus.

Ein umfassendes betriebliches Mobilitätsmanagement kann die Auslastung der Elektrofahrzeuge nachhaltig verbessern – mit positiven Effekten für Wirtschaftlichkeit und Emissionsbilanz. Allerdings bedarf es für die optimale Ausschöpfung auch klarer politischer Rahmenbedingungen, wie das Expertenteam für nachhaltige Mobilität am Öko-Institut in seinem Abschlussbericht zum Forschungsprojekt „ePowered Fleets Hamburg“ betont. Zusammengearbeitet wurde mit hySOLUTIONS und dem Leasingunternehmen Alphabet Fuhrparkmanagement, unterstützt wurde das Projekt vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Rahmen des Programms „Erneuerbar Mobil“.

„Elektromobilität trifft im gewerblichen Bereich auf besonders gute Bedingungen sowie auf eine große Bereitschaft der Unternehmen zum Wandel“, beschreibt der Mobilitätsexperte Lukas Minnich die Ausgangslage. Im Projekt wurde deutlich, dass elektrische Dienstwagen mit rund 20.000 Kilometern bereits heute eine ähnliche Fahrleistung wie vergleichbare konventionelle Fahrzeuge aufweisen und (trotz eingeschränkter Reichweite) Dienstwagen mit Verbrennungsmotor vollumfänglich ersetzen. Da dies meistens ihr eigenes Hauptverkehrsmittel ist, setzen sich die Fahrer von elektrischen Dienstwagen intensiv mit ihnen auseinander. Allerdings gibt es auch hier Defizite, so Minnich: „Der Anteil von Elektrofahrzeugen ist in dieser Kategorie noch gering. Nur Enthusiasten wählen ein elektrisches Dienstfahrzeug, da es kaum unternehmensinterne oder politische Anreize gibt, einen konventionellen Wagen zu ersetzen.”

Handlungsempfehlungen des Öko-Instituts

  • Alle Akteure der Elektromobilität sollten ihren Blick verstärkt auf den Dienstwagenmarkt lenken und attraktive Rahmenbedingungen für den Einsatz von Elektrofahrzeugen schaffen. Dazu gehört, Privilegien für konventionelle Dienstwagen schrittweise abzubauen, indem diese etwa abhängig vom CO2-Ausstoß oder vom Umfang der privaten Nutzung besteuert werden.
  • Ambitionierte Ziele für Luftschadstoff- und Treibhausgasemissionen von Fahrzeugen könnten die Marktentwicklung lenken und beschleunigen.
  • Unternehmen sollten ihre Mobilität umfassend betrachten und dabei neben einer intelligenten Fuhrparkorganisation ergänzende Mobilitätsangebote zu berücksichtigen – etwa durch die Förderung von E-Bikes, Jobtickets oder Carsharing als Alternative zum Dienstwagen.

Weiterführende Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Mobilität und Logistik: Richtige Wege, die nicht aufs Abstellgleis führen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.