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28/05/2018 14:01 CEST | Aktualisiert 28/05/2018 20:38 CEST

Unternehmen verlieren, wenn die Herrschaft der alten Männer nicht endet

Neid und Missgunst haben dann keinen Platz mehr.

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In den meisten deutschen Unternehmen haben immer noch Männer über 50 die Macht (Symbolbild).

Bisher galt in vielen Unternehmen die Direktive: Leistung hat ihren Preis. Das bedeutete für Männer und Frauen mit Karriereambitionen oft: Wer es beruflich ganz nach oben schaffen wollte, musste bereit sein, privat große Abstriche zu machen.

► Nur wer überdurchschnittlich viel leistete und immer präsent war, bekam am Ende dafür meist die gebührende Anerkennung in Form seiner Traumkarriere.

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Das war zwar zeitweise anstrengend und belastend, dennoch haben sich die Führungskräfte schnell an diese Einstellung zur Arbeit gewöhnt, obwohl sie sicherlich ab und an gerne mehr Zeit mit der Familie verbracht hätten.

“Sowohl als auch”-Kultur

Interessant wird es, wenn man diese “Ganz oder gar nicht“–Haltung dem Arbeitsverständnis der Millennials (geboren zwischen 1989 und 2000) gegenübergestellt.

► Diese agieren eher nach der Devise “Sowohl als auch“ und wollen Karriere und Flexibilität.

Wen wundert es da, dass die Zusammenarbeit dieser hart schuftenden Generation mit den vielzitierten Millennials nicht ohne Spannungen verläuft.

Verfügt doch die auch genannte Generation Y genau über die Freiheitsgrade und Annehmlichkeiten im Arbeitsumfeld, von denen so mancher gestandene Manager bisher nur träumen konnte.

Die junge Generation braucht die älteren Kollegen

Die Generation Y spaziert mit einem völlig anderen Selbstverständnis in jede Unternehmens-Etage und fragt nach mehr Flexibilität, Eigenverantwortlichkeit, Gleichberechtigung und Sinnhaftigkeit.

►Wieso sollte der Manager als Vorgesetzter also heute genau das unterstützen, was ihm selbst im Arbeitsleben verwehrt geblieben ist?

Hierzu kommt, der betroffene Manager ist mittlerweile im fortgeschrittenen Alter und hat den Großteil seines Arbeitslebens hinter sich, warum sich also noch diesen Stress antun?

Menschlich durchaus nachzuvollziehen, aber unternehmerisch verwerflich. Denn die junge Generation braucht die älteren erfahrenen Kollegen mehr denn je. Allein könnten sie den Wandel von Unternehmenskulturen nie bewältigen, sie brauchen den Austausch und die Befähigung, Freiräume auch nutzen zu können und Entscheidungen treffen zu dürfen.

Darüber Hinaus verlangen sie nach einer starken Feedback-Kultur, das heißt, sie benötigen stets Bestätigung für die Richtigkeit ihres Tuns und Handelns.

Letztendlich sollten beide Generationen zusammenarbeiten, um den alten Rollenmustern, konservativen Werten und altmodischen Arbeitsmodellen, mit neuen, frischen Arbeitsformen zu begegnen.

►In diesem Szenario haben Neid und Missgunst keinen Platz.

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Frauen sollen sich gegenseitig unterstützen 

Neben den männlichen Führungskräften sollten hier auch die Führungsfrauen im Driver-Seat sitzen und mit gutem Beispiel vorangehen. Schließlich können sie sich am ehesten in die Vorstellungen der Nachwuchskräfte hineinversetzen – Flexibilität und Sinnstiftung sind auch für Frauen wesentliche Elemente in der Karrieregestaltung.

►Selbst, wenn sich auch der Verlauf ihrer eigenen Karriere noch ganz anders gestaltete und die Anpassung an hierarchisch, patriarchalische Strukturen noch im Vordergrund standen.  

Paradoxerweise schaut heute noch so manche Führungsfrau mit einem gewissen Argwohn auf die jungen Kolleginnen, obwohl sie selbst ja, allein durch ihre Führungskarriere bedingt, per se für mehr berufliche Gleichberechtigung steht.

Dieses Verhalten kann man ein Stück weit auf ihren bisherigen Sonderstatus zurückführen: Jede Gremiensitzung wurde eröffnet mit “sehr geehrte Frau Müller, meine Herren“.

Zieht sich so ein Verhalten der männlichen Kollegen über Jahre durch, ist es zugegebenermaßen schon schwer, sich von dieser bevorzugten Behandlung zu verabschieden.

► Aber nun, da die Führungsfrau an ihrem beruflichen Ziel angekommen ist, ist es da nicht Zeit, sich dafür einzusetzen, dass andere folgen können?

 Ihr Vorteil heute: Sie kann formal über ihre Position genau das durchsetzen, was den jungen Nachwuchs unterstützen kann und ihm hilft, besser zu werden.

Mehr Transparenz und Flexibilität wagen

Die Zusammenarbeit zwischen den Erfahrenen und den jungen Wilden könnte als “neue Selbstverständlichkeit” beschrieben werden. Mit dieser Selbstverständlichkeit würden sich endlich die angelernten, oft unbewusst eingesetzten stereotypen Verhaltensmuster auflösen und beide Seiten könnten unvoreingenommen voneinander profitieren.

Während die Jungen von den Erfahrenen in punkto Führung und Beziehungsmanagement noch eine ganze Menge lernen können, brauchen die Führungskräfte die Haltung der Generation Y, um für sich die veränderte Arbeitsrealität zu entdecken und zu akzeptieren.

► Das heißt, mehr Transparenz und Flexibilität wagen.

Auch mal früher nach Hause gehen, sich Führungspositionen teilen oder mehr Balance bei der Elternzeit.

(ks)